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Mittwoch, 13. Oktober 2010

Bitte, liebe Terroristen, haltet Euch an die Bürozeiten

Ein Fundstück aus der Solothurner Zeitung vom 12. Oktober, über das ich herzlich gelacht habe, möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Der Artikel mit dem Titel "30 lange Minuten bis zum Start" beginnt folgendermassen: "Bis heute kann die Luftwaffe nur zuschauen, wenn ein Flugzeug ausserhalb der Bürozeiten verbotenerweise in helvetischen Luftraum eindringt. Kampfjets, Piloten und Bodenpersonal stehen ausschliesslich an Werktagen zum Einsatz bereit, und das auch nur tagsüber." Als ob sich Terroristen an Bürozeiten halten... Da können wir momentan nur hoffen und allenfalls beten, dass es niemandem in den Sinn kommt, mit einem Kamikaze-Angriff ein helvetisches AKW zu attackieren.

Nur damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich unterstütze nicht die Motion von FDP-Ständerat Hans Hess (OW), welche die Einführung eines permanenten Luftpolizeidienstes verlangt, Kostenpunkt: 15 Millionen Franken. Vielmehr würde ich eine Luftwaffe, die nur zu Bürozeiten einsatzfähig ist, gänzlich grounden, weil sie schlicht überflüssig ist.

Dienstag, 12. Oktober 2010

Weniger als şöyle böyle

Im Türkisch-Crashkurs "Wo isch de Biber? – Biber nerede?" habe ich einiges über die türkische Sprache, die Türken und Türkinnen gelernt.

Dieser amüsante Crashkurs fand im Kleintheater statt, im Rahmen von Yirmion - 2010 Istanbuluzern, ein kleines, aber feines Kulturaustauschfestival in Luzern, das die Kulturhauptstadt Istanbul feierte. Armin Meienberg, Istanbul-Aficionado, und Emel Ilter, in Deutschland aufgewachsene Türkin, führten uns in knapp zwei Stunden äusserst kompetent in die ersten Geheimnisse des Türkischen ein. Doch was ist mir geblieben?
  • Dass sich das schweizerdeutsche "Müesli" so rasend schnell auf sämtliche Frühstücksbuffets dieser Welt verbreitete, wäre ohne das türkische "yoğurt" nicht möglich gewesen.
  • Die TürkInnen haben nicht nur das Wort "yoğurt" in alle Welt verliehen, sondern sie haben auch zahlreiche Lehnwörter geliehen, vor allem aus dem Französischen : z.B. Asansör, Kuaför, Otogar (Busbahnhof). Und im Gegensatz zum Französischen hat man im Türkischen keine Probleme, diese Wörter zu schreiben.
  • Während wir Freude an zusammengesetzten Substantiven wie Vierwaldstätterseedampfschifffahrtsgesellschaft haben, setzen Türkinnen und Türken halbe Sätze zu Wörtern zusammen. Ein Beispiel: ev - das Haus, evler - die Häuser, evlerim - meine Häuser, evlerimde - in meinen Häusern usw. usf. Türkisch ist eben eine agglutinative Sprache.
  • Sprachlich haben es Türkischsprechende gerne harmonisch: Da gibt es neben der kleinen auch eine grosse Vokalharmonie. Das führt dazu, dass nach drei ü's die Chance gross ist, dass noch ein viertes ü kommt, wie zum Beispiel in "gürültülü" - lärmig.
  • Schliesslich lieben die TürkInnen Wiederholungen - Beispiele gefällig? Nach jeder Ortschaft steht auf einer Tafel am Strassenrand: güle güle - auf Wiedersehen. Oder: falan ist ein türkisches Füllwort für usw., die Steigerung davon ist falan filan - usw. usf.. Aber am meisten angetan bin ich von şöyle böyle (ausgesprochen: scheule beule), dem türkischen Pendant zum deutschen so so la la.
Doch trotz Crashkurs sind meine Türkischkenntnisse nach wie vor weniger als şöyle böyle - das liegt nicht nur an mir, sondern wohl auch daran, dass Türkisch schwieriger ist als Chinesisch, wie Kai Strittmatter an einer anderen Yirmion-Veranstaltung feststellte. Und der muss es wissen, hat er doch beide Sprachen gelernt.

Sonntag, 10. Oktober 2010

Zum Gränne schön!

KAZALPIN / КА3АЛПИН am 12. November im Kreuz Solothurn

Ich werde hier nicht jede Veranstaltung, bei der ich die Finger drin habe, zusätzlich bewerben, aber das hier ist ein kulturelles Highlight, auf das ich mich selber sehr, sehr freue, denn die drei Weissrussinnen singen zum Gränne schön!

Kazalpin / Казальпин from the kavashi brothers on Vimeo.

Mit Vokaltrio Akana (Belarus) und Albin Brun Alpin Ensemble (CH)
Kazalpin ist ein gemeinsames Projekt des weissrussischen Vokaltrios Akana und des schweizerischen Albin Brun Alpin Ensembles. Die drei stimmgewaltigen Sängerinnen aus Minsk und die vier Schweizer MusikerInnen haben zusammen ein Konzertprogramm erarbeitet, das belarussische Originalklänge mit World Music aus der Schweiz vermischt. Die drei Akana- Sängerinnen sammeln in den Dörfern ihrer Heimat Volksmelodien und vermitteln ihrem städtischen Publikum diese musikalischen Wurzeln in zeitgemässer Version. Das Albin Brun Alpin Ensemble lässt sich ebenfalls von traditionellen Klängen und Melodien inspirieren, folgt aber ganz den eigenen musikalischen Intentionen… Kazalpin ist sozusagen der musikalische Alpaufzug von den belarussischen Ebenen auf die Höhen der Schweizer Berge und eine musikalische Gratwanderung zwischen zwei Kulturen. „Ein Highlight… Die für unsere Ohren ungewohnten archaischen Melodien verschmelzen mit dem virtuos gespielten Jazzgroove des Albin Brun Alpin Ensemble zu einer neuen Einheit.” (Neue Luzerner Zeitung)

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Lehrpfaditis

Lehrpfade soweit das Auge reicht: Die grassierende „Lehrpfaditis“ sorgt dafür, dass jeder Spaziergang zu einem Lehrstück wird.

Im Land von Pestalozzi ist das Spazieren ohne Lernziel und neue Erkenntnis bald nicht mehr möglich. Es gibt Orte, wo sich drei, vier Themenwege überlagern. Wer von Emmenbrücke der Reuss entlang abwärts geht, soll sich gleichzeitig mit unserem Sonnensystem, dem Ökosystem des Flusses und 50 Holzskulpturen auseinandersetzen. Etwa hinter jedem zehnten Baum lauert da ein Planet, eine Lehrtafel oder geschnitztes Kunstwerk auf den arglosen Spaziergänger.

Die Kulturgeschichte des Lehrpfads beginnt mit den Höhlenbewohnern. Schon diese Steinzeitmenschen führten ihre Kinder mit Wandbildern in die Theorie der Mammut-Jagd ein. Später dann waren Lehrpfade religiösen Themen gewidmet: Die standardisierten Kreuzwege, die mit 14 Stationen den Leidensweg Christi thematisieren, können durchaus als Urmodell des Themenwegs gelten. Der erste offizielle Lehrpfad entstand gemäss Wikipedia 1925 im „Palisades Interstate Park“ in New York und New Jersey. Seither hat sich der Lehrpfad unaufhaltsam ausgebreitet – heute gehört er in der Schweiz zum Standardinventar jedes Naherholungsgebiets.

In der Themenweg-Datenbank des Instituts für Umwelt und Natürliche Ressourcen in Wädenswil sind sie alle erfasst: von A wie Aaschlucht Grafenort bis Z wie Zwärgliweg Bannalp. Die Schacher-Seppli-Skulptur am Bahnhof GiswilFür den Kanton Luzern listet die Datenbank 34 Lehrpfade auf – die Liste wird laufend erweitert. Haben Sie gewusst, dass es in Luzern und Littau vier Naturlehrpfade, etliche naturkundliche Rundgänge und einen Klimaweg (vom Obergütsch ins Eigental) gibt? Und nichts wird von der Lehrpfaditis verschont: In Giswil muss der Schacher-Seppli zuerst den kürzlich zu seinem Gedenken eröffneten Erlebnisweg abwandern, bevor er durch die Himmelstür eintreten kann...
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