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Mittwoch, 16. Februar 2011

La vie en gris


Aber der Nebel lichtet sich — eine Stunde vor dieser Aufnahme waren die obersten Stockwerke von Luzerns "Wolkenkratzer" noch nicht zu sehen. La vie en gris ist übrigens ein französischer Fotoblog, der sich der Schwarzweissfotografie verschrieben hat. Seit 2006 sind auf diesem Blog schon Tausende oft sehenswerter Bilder publiziert worden. Aktuell: "Istambul, passage de chat".

Dienstag, 15. Februar 2011

Züri-Süd?

Im Januar hat der Bund das gemeinsam mit Kantonen, Städten und Gemeinden erarbeitete Raumkonzept Schweiz vorgestellt. Oberziel ist es, bestehende Siedlungen zu verdichten. Kein erklärtes Ziel, aber dennoch absehbar ist, dass die Agglomeration Luzern allmählich Teil des Metropolitanraums Zürich wird: Ist Luzern bald Züri-Süd?



Quelle: Bundesamt für Raumentwicklung

Das neue Konzept unterscheidet zwölf funktionale Handlungsräume:
  • die Metropolitanräume Zürich, Basel und das Bassin Lémanique,
  • die Hauptstadtregion Bern,
  • fünf klein- und mittelstädtisch geprägte Räume: Luzern, Città Ticino, Jurabogen, Aareland und Nordostschweiz,
  • drei alpin und touristisch geprägte Räume: Gotthard, Südwestschweiz und Südostschweiz.
Das Konzept, das jetzt in die Vernehmlassung geht, versteht sich nicht als neues Instrument der Raumplanung, sondern als politische Grundlage für Raumentwicklungsentscheide auf allen drei Staatsebenen. Es will 1. die Qualitäten jedes Raums fördern, 2. die natürlichen Ressourcen schonen und die Zersiedelung stoppen, 3. die Mobilität steuern (bestehende Infrastrukturen optimaler nutzen statt neue erstellen), 4. dass sich die Schweiz als attraktiver Wirtschaftsstandort positioniert und 5. die Solidarität zwischen den verschiedenen Räumen stärken.

Aus diesen heeren Zielen leitet das Konzept dann sieben Strategien ab. Die Strategie gegen die Zersiedelung z.B. sieht vor, die bestehenden Siedlungen nachhaltig weiterzuentwickeln. Das heisst konkret: Die Siedlungsentwicklung soll auf die urbanen Verdichtungsräume gelenkt werden, in den periurbanen Gebieten begrenzt werden und in den ländlichen Zentren und Ortskernen konzentriert werden. Noch konkreter: Bauliche Verdichtung in den urbanen Gebieten — keine neuen Bauzonen in ländlichen und periurbanen Räumen. Der Haken daran: Das alles soll auf freiwilliger Basis geschehen. Aber ohne griffige Handhabe wird die Zersiedelung und die Zerstückelung der Landschaft ungebremst weitergehen wie bis anhin.

Handlungsraum Luzern — Züri-Süd
Die Herausforderung bezüglich der klein- und mittelstädtisch geprägten Handlungsräume bestehe darin, sie im nationalen Umfeld besser zu positionieren. Zu Luzern steht im Konzept:

"Die Agglomeration Luzern ist als Kern eines Netzes von ländlichen Zentren prägend für den Raum. Sie erfüllt zentrale Funktionen für die Zentralschweiz und das Entlebuch und befindet sich gleichzeitig im Einflussbereich des Metropolitanraums Zürich sowie Zug. Hochschulen, Kultur und Tourismus verleihen der Region eine nationale und internationale Ausstrahlung.
Der Handlungsraum Luzern muss seine zukünftige Entwicklung in einem Spannungsfeld definieren: Er ist einerseits Teil des Metropolitanraums Zürich, andererseits Zentrum eines eigenständigen Raums."
(S. 57)

Wenn die Region Luzern in diesem Spannungsfeld nicht zu Züri-Süd entwickeln soll, muss es sich — gemäss Raumkonzept Schweiz — als eigenständiger Raum profilieren, d.h. die eigenen Stärken in den Bereichen Kultur, Bildung und Tourismus ausbauen. Potenziale in der Spitzenindustrie sollten genutzt und ausgebaut werden etc. etc.

Dann sollen auf der Achse Luzern-Zug-Zürich die übergeordneten Verkehrsinfrastrukturen verstärkt werden, und zwar so, dass trotz zusätzlichem Verkehrsangebot die Zersiedlung des Raums zwischen Luzern, Zug und Zürich vermieden wird und seine landschaftlichen Qualitäten erhalten bleiben. Aber das Fell des Bären lässt sich nicht waschen, ohne dass es nass wird...

Ich habe nichts gegen zusätzliche Kapazitäten für die PendlerInnen nach Zug und Zürich, aber mit jedem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ins metropolitane Zentrum wird Luzern stärker in den Metropolitanraum Zürich integriert — bestenfalls als kulturelles und touristisches Subzentrum, schlechtestenfalls nur als gehobenes und steuergünstiges Wohnquartier Züri-Süd.

Montag, 14. Februar 2011

Auf der ganzen Linie gewonnen

Niemand gehört gerne zu den Verlierern. Deshalb helfe ich mit, die Abstimmungsniederlagen vom Wochenende umzuinterpretieren. Und ich bin da bei weitem nicht der Einzige: Bei der Diskussion über die Abstimmungsergebnisse kann leicht der Eindruck entstehen, dass die Schweiz — vom Skifahren*) einmal abgesehen — aus lauter Winner-Typen besteht. Eine Nachlese zum Abstimmungswochenende.

1. Waffenschutzinitiative: Opfer des eigenen Erfolgs


Siehe auch meine Einträge vom
12. Januar: Flintenweiber in der Politik
15. Januar: Bis zu den Zähnen bewaffnet
17. Januar: Mehr Waffen — mehr Sicherheit?
4. Februar: Scheinheilige Empörung
8. Februar: Wird das Knabenschiessen abgeschafft?










Die urbane Schweiz hat die Initiative angenommen (die Städte sind als grüne oder helle Flecken auszumachen), wurde aber leider von der suburbanen und ländlichen Schweiz überstimmt. In dunklem Violett sticht das Entlebuch mit den gesamtschweizerisch am wenigsten Ja-Stimmen hervor: Die brauchen ihre Gewehre noch, um den Wolf abzuschiessen. Auf die stärkste Ablehnung im Kanton Luzern stiess die Initiative mit 90.4% Nein in Romoos, der Wohngemeinde von Nationalrat Ruedi Lustenberger, aktiver Jäger und Empörungskünstler.

Es war abzusehen, dass die Abstimmung über die Waffenschutzinitiative nicht in meinem Sinn ausgeht, aber viele Anliegen der Initiative sind bereits umgesetzt und Bundesrätin Sommaruga will das Waffenrecht noch weiter verschärfen — also gehörte ich schon vor der Abstimmung zu den Gewinnern.

Und bezüglich Stadt-Land-Graben gab es im Kanton Zürich ein Novum:
Die Stadt hat den konservativen Rest des Kantons überstimmt.


2. Getreide-Monster in Zürich: Noch nicht das letzte Wort

Siehe auch mein Eintrag vom
22. Januar: Polit-Rap gegen Giganto-Silo


Quelle: www.tagesanzeiger.ch

Auch Richi Wolff gehört mit seinem Kampf gegen das Giganto-Silo (über das ich in Luzern leider nicht abstimmen konnte) zu den Gewinnern: In der Stadtregierung war noch niemand dagegen, im Stadtzürcher Parlament waren 104 dafür und 10 dagegen und jetzt waren es immerhin 41.7% der Bevölkerung und das betroffene Quartier, die das monströse Silo ablehnten — ein Erfolg angesichts der wenigen Aktivisten, die sich dagegen engagierten. Eine verlorene Schlacht ist noch kein verlorener Krieg: Für das gigantomanische Bauprojekt fehlen noch zwei Ausnahmebewilligungen und die unmittelbar Betroffenen können immer noch gegen die Baubewilligung rekurrieren. Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass in Zürich ein solches Monster noch vor der Ziellinie gestoppt würde.


3. AKWs: Die 51% Ja von gestern sind die 51% Nein von morgen

Tagesschau vom 13.02.2011

Auch über die Zukunft des AKW Mühleberg durfte ich in Luzern nicht abstimmen, aber auch in dieser Konsultativabstimmung gehören alle zu den Siegern — insbesondere die Atomgegner, die vor 9 Jahren mit der Stilllegung von Mühleberg noch eine heftige Niederlage erlitten: In zwei, drei Jahren werden aus den 51% Ja 51% Nein und wir stoppen diese Energieproduktion, deren gefährlicher Müll noch Jahrtausende weiterstrahlt...

*) Übrigens: Auch an der Ski-WM gehören wir SchweizerInnen zu den GewinnerInnen — zumindest im Medaillenspiegel der Ledermedaillen führt die Schweiz mit grossem Vorsprung vor allen anderen Nationen...

Sonntag, 13. Februar 2011

Durchsichtiges Panorama

Die Aussicht aufs Alpenpanorama ist eine Augenweide, auch wenn man oder frau die Gipfel nicht kennt. Doch noch schöner ist die Aussicht, wenn die Berge Namen haben — deshalb machen manche sich einen Sport daraus, möglichst viele Gipfel zu kennen.

Zum Glück gibt es Panoramatafeln, die einem helfen, die Gipfel zu benennen. Doch Panoramatafel ist nicht einfach Panoramatafel: Die einen liefern Zusatzinformationen wie die Höhe eines Gipfels oder die Distanz vom Standort, andere kommen in einem besonderen Stiling daher — diese Tafel hier setzt ganz auf Transparenz:



An diesem Standort gibt es sogar ein Fernrohr, mit dem Panoramasüchtige die Berge heranzoomen können. Die Panoramatafel hingegen ist wenig hilfreich — sie fehlt. In einem solchen Fall gibt es jetzt ein neues Hilfsmittel: das App Peakfinder, erhältlich für iPod Touch, iPhone 3G, 3GS und 4. Mit diesem coolen App kann man noch vor der Wanderung die Aussicht simulieren und die Namen der Gipfel auswendig lernen, um die Wanderbegleitung zu beeindrucken...

Gut wäre es auch, das reale Panorama mit der Panoramatafel oder dem iPhone vergleichen zu können — nichts ist ärgerlicher als Leute, die mit dem Finger auf den Bürgenstock zeigen und zu ihrer Begleitung sagen: "Siehst Du, das ist jetzt die Rigi."

Samstag, 12. Februar 2011

Vergessene Kunstskandale

Der Klotz auf der Allmend ist in Luzern nicht das erste Kunstwerk im öffentlichen Raum, das zu Kontroversen führt. Eine Spurensuche zu vergangenen und vergessenen Kunstskandalen zeigt, dass Luzern für Kunst im öffentlichen Raum ein hartes Pflaster war und ist.

Die als antike Helden idealisierten "Schweizer Schwinger" von Hugo Siegwart (1908) sind eine patriotische Verherrlichung des Schweizer Nationalsports. Durch die möglichst naturgetreue Darstellung natürlicher Nacktheit erregte das Denkmal noch vor seiner Einweihung Anstoss in kirchlichen Kreisen, die in der Bronzeplastik eine sittliche und moralische Gefahr für die Jugend sahen. Der Denkmalstreit war so heftig, dass 1909 die Schwinger unter Polizeischutz auf dem Kurplatz aufgestellt wurden. Bald darauf verstummte der Protest. Ein halbes Jahrhundert später wurde die Plastik aufs Inseli versetzt, weil Kastanien die Schwingergruppe verdeckten.

Zu Ehren des Dichters und bisher einzigen Schweizer Literatur-Nobelpreisträgers Carl Spitteler, der von 1892 bis zu seinem Tod 1924 in Luzern lebte, schuf Roland Duss 1940 die "Liegende". Der bronzene Frauenakt von sinnlicher Körperlichkeit löste eine Flut von Protestaktionen — viele empörten sich über die "nackte und lässig" daliegende Frauenfigur. Mehrmals wurde sie mit Farbe verschmiert und einmal sogar von Unbekannten eingekleidet. Noch heute ziert die Bronzeplastik den Park am Carl-Spitteler-Quai.

Nicht viel besser erging der "Kauernden" von Otto Charles Bänninger. Als die in einem Wettbewerb auserkorene und im Entwurf noch stehende Frauenfigur des Zürcher Bildhauers 1946 vor dem Eingang des Kunsthauses aufgestellt werden sollte, hagelte es Proteste. Sie waren so heftig, dass man auf den ursprünglichen Standort verzichtete und der Künstler 1951 eine kauernde Frauenfigur präsentierte. Heimlich wurde die Skulptur aus Cristallina-Marmor schliesslich im Garten auf der Ostseite des Kunsthauses aufgestellt. Auch in diesem Fall beruhigten sich die Gemüter rasch. Als das alte Kunsthaus dem KKL weichen musste, wurde in die Kauernde aufs Inseli versetzt.

Diese drei schon fast vergessenen Kunst-Skandale aus dem 20. Jahrhundert haben drei Gemeinsamkeiten: 1. Die Öffentlichkeit empörte sich über die "Nacktheit" der drei Plastiken. 2. Nach der Aufstellung der Figuren flaute die Empörung rasch ab. 3. Aus heutiger Sicht ist die damalige Empörung kaum nachvollziehbar. Stellt sich nur noch die Frage, ob der Klotz auch unter Polizeischutz aufgestellt werden muss und ob er, falls er auf der Allmend keinen Platz mehr hat, ebenfalls aufs Inseli versetzt wird...

Quelle:
Paul Rosenkranz, Mathias Steinmann, Lisa Fuchs & Dominik Hertach (2001): Stadtführer Luzern. Hrsg. von Jürg Stadelmann, Ulla Schoedler, Josef Brülisauer & Ruedi Meier. Werd Verlag, Zürich.

Freitag, 11. Februar 2011

Das Denkmal der Arbeit

Über Kunst im öffentlichen Raum wurde in Zürich schon immer gestritten — und nicht nur über den Hafenkran oder das Nagelhaus, sondern auch über die richtige Darstellung der Arbeiterklasse.


Dieses Bild von Philipp Messner zeigt Karl Geisers Denkmal der Arbeit, das 1964 auf dem Helvetiaplatz in Zürich aufgestellt wurde.


Und auf diesem Bild von tomciozg ist die Bronze "Befreiung - Aufstieg" oder "Prometheus" von Werner F. Kunz auf Zürichs Werdplatz zu sehen.

Der Bildhauer Karl Geiser (1898 - 1957) leidet unter grauenhaften Selbstzweifeln. Der Abgabetermin für den Wettbewerb um ein Denkmal "Ehrung der Arbeit", das auf dem Helvetiaplatz in Zürich-Aussersihl aufgestellt werden soll, ist bereits verstrichen, als drei Freunde und Bekannte das Gipsmodell in seinem Atelier behändigen und verspätet abliefern. Als Geiser Mitte 1952 den Wettbewerb gewinnt, ist er überglücklich. Doch danach arbeitet er an anderen Projekten und vertröstet die Stadt auf später. 1957 wird er tot in seinem Atelier aufgefunden, wahrscheinlich hat er sich mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben genommen. Nach langem Hin und Her lässt die Stadt Zürich Geisers Gipsfiguren mit einem Pantographen im Verhältnis 1 zu 3 vergrössern, in Bronze giessen und 1964 vor dem Volkhaus in Zürich-Aussersihl aufstellen.

Längst nicht alle sind glücklich mit Geisers Darstellung der Arbeiterklasse. Die Gewerkschaften vermissen das Pathos, die Grösse und die Kraft der Gestalten. Der Schweizerische Bau- und Holzarbeiter-Verband (heute Teil der Unia) stellt 90'000 Franken für ein gigantisches Gegenprojekt bereit: Der Bildhauer Werner F. Kunz soll heimlich einen fesselsprengenden Arbeiter in monumentaler Höhe aufbauen, der fertig gegossen der Stadt Zürich geschenkt werden soll. Doch der Stadtrat bekommt Wind von diesem Vorhaben — und die pathetische Plastik verschwindet für einige Zeit im Depot der Stadt, bis sie schliesslich 1962 auf dem Werdplatz vor dem damaligen Restaurant Cooperativo aufgestellt wird.

Auch als die beiden konkurrierenden Arbeiterdenkmäler bereits stehen, gehen die Kontroversen weiter: Bei Geisers Figurerngruppe wirft das "Magazin" 1975 die Frage auf, ob es sich nicht eher um ein Denkmal des Arbeitsfriedens handle als um eines der Arbeit. Dass es Arbeiter seien, sei zu wenig gut erkennbar, es könne sich auch um eine Familie auf dem Weg zur Migros handeln. Die Figur vor dem "Coopi" andererseits wird despektierlich als "Stachanow" oder "Kraftprotz" tituliert. In den 90er Jahren bringen radikale Feministinnen mehrmals Verzierungen an dem "Kerl" an, den sie als Ärgernis empfinden.

Anzumerken bleibt noch, dass die Grossbronze von Werner F. Kunz ursprünglich gar nicht als Arbeiter gedacht war. Sie sollte das marode Patriotendenkmal in Stäfa ersetzen. Dieses Denkmal erinnert an die Freiheitskämpfer im Stäfner Handel von 1795, die sich gegen die Bevormundung durch die Stadt Zürich wehrten.

Quellen:
Jan Morgenthaler (1988): Der Mann mit der Hand im Auge. Die Lebensgeschichte von Karl Geiser. Limmat Verlag, Zürich.
Martin Huber (2008): Wie die Arbeiter auf den Sockel kamen. Tagesanzeiger online, 26.4.2008.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Welches ist Ihr Feuerauge?

Das fragte mich der Optiker, als ich ein neues Paar Kontaktlinsen brauchte. Mir war schon klar, dass er nichts Esoterisches meinte, aber was dann?

Als meine Sicht wegen Proteinablagerungen auf den Kontaktlinsen wieder einmal stark eingetrübt war, sass beim Kontaktlinsenfachmann und liess mich beraten. Obwohl ich kurzsichtig bin, habe ich nämlich seit einiger Zeit Mühe Zeitung zu lesen. Man könne nicht kurz- und weitsichtig sein, meinte mein Fachmann, aber mit zunehmendem Alter — das ist bei mir der Fall — nehme die Nahanpassungsfähigkeit des Auges ab. Dies nenne man Alterssichtigkeit (Presbyopie). Ich hätte drei Optionen, mit diesem Problem umzugehen:
  1. Bifokal- oder Gleitsichtbrille
  2. Kontaktlinsen plus Lesebrille
  3. Unterschiedlich starke Linsen
Bei Option 3 bestehe die Gefahr, dass ich Kopfweh bekäme. Dennoch entschied ich mich, diese Variante auszuprobieren. Ich sass also bereits auf dem Stuhl, bereit für die obligaten Sehtests, als mein Linsenspezialist mich fragte: "Welches ist denn Ihr Feuerauge?" "Feuerauge?", fragte ich verständnislos zurück. Er: "Ja, das Auge, mit dem Sie beim Schiessen zielen." Aha. Ich musste einen kurzen Moment überlegen, denn geschossen habe ich schon Jahrzehnte nicht mehr. "Das rechte", sagte ich dann.

Seither schaue ich mit dem Feuerauge in die Ferne und lese mit dem Leseauge: Mein linke Kontaktlinse korrigiert die Sicht um eine halbe Dioptrie weniger stark als sie für eine gute Weitsicht eigentlich müsste — und es funktioniert. Kopfweh habe ich nicht bekommen, aber seither weiss ich, was ein Feuerauge ist. Und das weiss nicht einmal Wikipedia.

Dienstag, 8. Februar 2011

Wird das Knabenschiessen abgeschafft?

Bedeutet eine Annahme der Waffenschutzinitiative auch das Ende des Zürcher Knabenschiessens?

Frau Frogg hat mich darauf hingewiesen, dass ich in meinem Beitrag über den Bilderstreit im Abstimmungskampf zwar geschrieben habe, beide Seiten würden Kinder für ihre Kampagnen einspannen, aber dann nur Bilder der Initiativbefürworter gezeigt habe. Hier also ein Bild der Initiativgegner (von einem Abstimmungsflyer):


Für alle, die nicht wissen, was das Knabenschiessen ist: Beim Knabenschiessen Mitte September wird nicht etwa auf Knaben geschossen, nein, es ist seit 1889 ein Wettschiessen der 13- bis 17-Jährigen und ein grosses Volksfest für die Zürcher Bevölkerung. Seit 1991 dürfen auch Mädchen mitmachen und 1997 wurde erstmals ein Mädchen Schützenkönigin. Sehr aufschlussreich ist übrigens das Video vom Knabenschiessen TV auf der Homepage des Knabenschiessens.

Gerne glaube ich, dass der letztjährige Schützenkönig gegen die Waffenschutzinitiative stimmen würde, wenn er abstimmen dürfte. Hingegen glaube ich nicht, dass der 13-jährige Robin genau das gesagt hat, was im Zitat steht, weil ein Jugendlicher in seinem Alter das nie so formulieren würde. Völliger Quatsch ist natürlich die Aussage, dass er mit der Annahme der Waffenschutzinitiative der letzte Schützenkönig des Knabenschiessens wäre. Das Wettschiessen wird mit Leihwaffen absolviert und ist von der Waffenschutzinitiative in keiner Weise tangiert. Der entsprechende Bericht von "20 Minuten" über die fragwürdige Propaganda mit Schützenkönig hat aber unglaublich hohe Wellen geworfen und bis jetzt über 500 Kommentare bekommen...

PS. Im Züribiet aufgewachsen, habe ich wie viele Gleichaltrige mehrmals am Knabenschiessen teilgenommen. Einmal habe ich mir sogar einen Preis "erschossen". Ich kann deshalb durchaus nachvollziehen, was Jugendliche am Knabenschiessens fasziniert: das Schiessen mit einer richtigen Waffe, einem Sturmgewehr. So oder so gehören aber die Armeewaffen nicht in den Kleiderschrank, sondern ins Zeughaus!
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