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Sonntag, 17. April 2011

Wien von oben

Die WienerInnen nennen das Wahrzeichen ihrer Stadt liebevoll "Steffl". Von der Türmerstube im 137 m hohen Südturm bietet sich ein grandioser Ausblick auf die Stadt — auch bei Regenwetter.

Bei regnerischem Aprilwetter die 343 Stufen zur Türmerstube hinaufzusteigen, ist weniger blöd als es scheint. Erstens kommen einem dann auf der Wendeltreppe weniger Leute entgegen, was im sehr engen Treppenhaus von Vorteil ist. Zweitens kann es wie mir passieren, dass man oben in der Türmerstube — abgesehen vom Aufpasser — ganz alleine ist. Und drittens: Aprilwetter ändert sich rasch.

Und das ist der grandiose Ausblick über Wien:

Der Blick vom Südturm des Stephansdoms nach Norden, Osten und Süden — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Wer genauer hinschaut, merkt, dass der Horizont wellenförmig verläuft, was wahrscheinlich davon kommt, dass ich die neun Fotos, aus denen ich dieses Panorama zusammengesetzt habe, nicht von einem zentralen Standort aus aufnehmen konnte, sondern von drei Fenstern aus machen musste.

Und das ist der Blick aus dem vierten Fenster nach Westen und der Blick von unten zurück auf den Südturm:

Freitag, 15. April 2011

Wien von unten — ein Wettbewerb für WienkennerInnen

Wer kennt diese vier Ansichten von Wien mit Blick in die Vertikale? Auf die Idee für dieses kleine Bilderrätsel für WienkennerInnen hat mich Frau Walküre gebracht, die den verregneten Schanigarten problemlos erkannt hat.

Zwei der vier Ansichten sind in öffentlichen Passagen aufgenommen, die beiden anderen in Cafés.

Ansicht 1

Ansicht 2

Ansicht 3

Ansicht 4

Donnerstag, 14. April 2011

Schani, trag den Garten aussi!

Nach vier interessanten und trotz gruseligem Aprilwetter schönen Tagen in Wien ist mein Kopf voll von Erlebnissen und Geschichten. Z.B. weiss ich jetzt was ein Schanigarten ist.

Bei Katiza, unserer charmanten Gastgeberin, lag dieser Lokalführer aus dem Falter-Verlag rum — zwar handlich im Format, aber mit 848 Seiten dennoch ein Totschläger. Ich habe drin geblättert und fand's interessant, dass in der jährlichen Neuauflage für jeden Wiener Bezirk jede Veränderung der Beizenszene akribisch notiert wird. Und dann ist mir aufgefallen, dass etwa bei jedem zweiten Lokaleintrag die Bemerkung "Schanigarten" stand. "Was, bitte, ist ein Schanigarten?", fragte ich unsere herzliche Gastgeberin.

Sie erklärte mir, dass jeder Wirt jemanden hat, der für ihn die anstrengenden Arbeiten erledigt. In Wien ist das meistens der Schani (wienerisch für Jean bzw. Hans). Sobald es wärmer wird und man wieder draussen sitzen kann, sagen also die Wiener Wirte zu ihrem Schani: "Schani, trag den Garten aussi!" Deshalb ist das Wiener Pendant zu unserer Gartenbeiz ein Schanigarten.

Verregneter Schanigarten

Mittwoch, 6. April 2011

Zwischen Tag und Nacht

In unserer Dachwohnung sind immer wieder fantastische Sonnenuntergänge zu erleben. Wie zum Beispiel heute Abend.

Faszinierend finde ich, wie der Mammutbaum in der Bildmitte vor dem geröteten Abendhimmel zu einem gigantischen Scherenschnitt wird, während er tagsüber dunkelgrün ins Himmelblau ragt.

Übrigens: Die Kehrrichtverbrennungsanlage zwischen Wald und Mammutbaum markiert für uns die Sommersonnenwende: Zwei, drei Tage geht die Sonne rechts vom Kamin unter, dann werden die Tage wieder kürzer...

Dachpanorama vom 6. April 2011 — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Dienstag, 5. April 2011

Kulturpolitisches Déjà-vu

Die Luzerner Kulturszene erlebt ein Déjà-vu: Wieder einmal sind in der Nähe von bestehenden Kulturbetrieben Wohnungen im oberen Preissegment geplant, wieder beruhigen die Investoren und die Behörden und wieder ist zu befürchten, dass Kulturhäuser wegen ruhebedürftigen Nachbarn ihren nächtlichen Betrieb einschränken müssen. Die Geschichte der Neuüberbauung der Butterzentrale von Emmi erinnert irgendwie fatal an die Boa — sogar die Akteure sind zum Teil noch die gleichen. Kein Wunder, bekommt man das Gefühl, die Stadt Luzern habe aus der Boa-Geschichte nichts gelernt.

Der heutige Bericht von Schweiz aktuell im Schweizer Fernsehen fasst die Situation kurz zusammen (von 03:50 bis 08:15):

Schweiz aktuell vom 05.04.2011

Damals wurde die Boa leichtfertig aufs Spiel gesetzt, heute sind der Theaterpavillon und das Jugendkulturzentrum Treibhaus durch die Wohnbauprojekte in der Nachbarschaft gefährdet. Damals hiess der Investor Jost Schumacher und Kurt Bieder präsidierte die grossstadträtliche Baukommission — heute ist der derselbe Kurt Bieder Baudirektor der Stadt Luzern und als solcher mitverantwortlich, dass "Shades of Milk" (so heisst das Bauprojekt von Emmi) bei den Baubehörden und im Parlament glatt durchgewunken wurde. Dass es genügt, an die Vernunft des Publikums zu appellieren und die Gäste der Kulturbetriebe für die Anliegen der Anwohnerschaft zu sensibilisieren, glaubt wohl auch Sybille Umiker, die PR-Frau von Emmi, selber nicht. Deshalb verschanzt sie sich gegen Ende des TV-Berichts hinter der Position von Emmi, das Projekt sei zonenkonform und Emmi wolle auf diese Wohnungen nicht verzichten.

Wenn nicht noch eine Wunder die fatale Duplizität der Ereignisse verhindert — und wer glaubt schon an Wunder — wird die neue wunderbare Welt von Emmi so aussehen:


Dieses Projekt der Luzerner Rüssli Architekten AG hat den von Emmi veranstalteten Wettbewerb gewonnen. Die Visualisierung zeigt den Emmi-Hauptsitz an der Ecke Eisfeld-/Landenbergstrasse. Die gefährdeten Kulturbetriebe liegen hinter diesen Gebäuden an der gegenüberliegenden Ecke des Areals.

PS. Wie die NLZ berichtet, hat Sybille Umiker von Emmi bestätigt, dass es die Idee der Stadt Luzern gewesen sei, auf dem frei werdenden Areal der Butterzentrale Wohnungen zu bauen.

Montag, 4. April 2011

Hängende Skulpturen

Fast 50 Holzskulpturen von Alexander Curtius "bevölkern" zur Zeit die Solothurner Vorstadt — wer Freude an naturnahen Skulpturen hat, sollte einen Rundgang durch die Open-air-Austellung machen.

Einen ersten Eindruck vermitteln die Bilder von Heidi Häusermann, die sie an der Vernissage am letzten Samstag gemacht und freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.


"Flammenschiff" (Arve) im Aaregarten und Alexander Curtius mit einem Vernissagengast

Mir persönlich gefallen längst nicht alle Skulpturen des in Scuol lebenden Künstlers: Einige sind mir durch die starke Bearbeitung etwas zu "geschleckt", andere wiederum sind fast unbearbeitet und zeigen, dass die Natur selber schon wunderschön-skurrile Skulpturen hervorbringt, die man nur noch als solche erkennen muss.


"Läuterung" (Tanne) am ehemaligen Prison

Diese Skulptur hätte laut Alexander Curtius auch "Gefängnisgeist" oder "Befreiung" heissen können, was nicht so moralisch wäre...


"Schwinge" (Arve) im Kreuzackerpark West

Auf dem Rundgang waren viele fasziniert von dieser Verdoppelung der Formen. Alexander Curtius ist als Künstler mehr ein "Finder" als ein "Sucher" — er sucht nicht nach einer passenden Umsetzung innerer Bilder, sondern macht etwas aus dem Material, das er in der Natur findet.

Über das Suchen und Finden hat Pablo Picasso einmal gesagt: "Ich suche nicht — ich finde. Suchen, das ist das Ausgehen von alten Beständen und das Finden-Wollen von bereits Bekanntem. Finden, das ist das völlig Neue. Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt. Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer. Die Ungewissheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen, die im Ungewissen sich geborgen wissen, die in der Ungewissheit, der Führerlosigkeit geführt werden, die sich vom Ziel ziehen lassen und nicht selbst das Ziel bestimmen." Ich bin mir allerdings unsicher, ob dieses Zitat auch auf Alexander Curtius zutrifft...


"Blattfische" (Pappel) im Kreuzackerpark Ost

Sehr poetisch sind diese in einen Baum über die Aare gehängten Skulpturen, die als Gesamtkomposition einem Mobile ähneln, auch wenn es kein ausbalanciertes Gebilde ist. Folgendes Zitat von Alexander Calder, der für seine Metall-Mobiles berühmt ist, lässt sich durchaus auch auf Alexander Curtius' Blattfische anwenden: "Wenn alles klappt, ist ein Mobile ein Stück Poesie, das vor Lebensfreude tanzt und überrascht."


"Tanzfläche" (Tanne) im Kreuzackerpark Ost

Die "Tanzfläche" ist wahrscheinlich das augenfälligste Werk der Ausstellung, weil es auf einem ehemaligen Brunnensockel im Kreuzackerpark sehr prominent platziert ist und weil es sich — im Gegensatz zu den anderen Skulpturen — um ein geometrisch streng komponiertes Werk handelt: eine Fläche, die tanzt.


"Halbmond" (Lärche) beim Hotel Ramada

Der "Halbmond" hingegen ist ein typischer Curtius: Glatte Flächen stehen in einem spannenden Kontrast zu urwüchsiger Natur des Lärchenholzes...

Hinweis:
Die von Johanna Gut (MANOLITO) organisierte Ausstellung "Holzskulpturen aus dem Engadin in der Solothurner Vorstadt" dauert noch bis 18. Juni 2011, der Eintritt ist frei. Einige Skulpturen sind in Geschäften aufgestellt und nur während den Ladenöffnungszeiten zugänglich. Mehr: Ausstellungsflyer und Bildergalerie

Freitag, 25. März 2011

Der Mann, der seine Schuhe ass

Heute Abend hatte ich im Kreuz eine wunderschönes Konzert mit dem Traditional Irish Quartet von Shirley Grimes. Der irische Dudelsackspieler Joe McHugh erzählte in einer Ansage eine berührende Geschichte eines englischen Seefahrers, dessen Suche nach der Nordwestpassage ein tragisches Ende nahm.

Der unglückliche Seefahrer hiess Sir John Franklin und lebte von 1786 bis 1847. Er war britischer Konteradmiral und Polarforscher. Und er war vom Gedanken besessen, die Nordwestpassage zu finden. 1845 machte er sich mit zwei Schiffen und 129 Mann Besatzung auf die Suche. Schon einmal war eine seiner Expeditionen so verheerend verlaufen, dass er und seine Mannschaft gezwungen waren, Flechten zu essen um zu überleben. In der Not hätten sie sogar versucht, ihre Lederstiefel zu verzehren. Doch diesmal hatte Lord Franklin und seine Mannen weniger Glück. Als sie im Packeis stecken blieben, mussten sie ihre Schiffe aufgeben und starben in der Folge wahrscheinlich an Skorbut. Die Umstände ihres Todes konnten nie restlos geklärt werden. Anyway, Joe McHugh meinte lakonisch, sie hätten sich wohl besser etwas weniger britisch verhalten und etwas mehr auf die Ratschläge der Inuit hören sollen.

Nach dieser Ansage spielte das Quartett diesen wunderschönen Song über das tragische Ende eines Seefahrer-Traums:



Viele hätten den Song "Lord Franklin" (Lyrics) schon gespielt — Dylan, Sineád O' Connor, Pentangle und John Renbourn — aber diese Version von Micheál Ó'Domhnaill und Kevin Burke sei definitiv die Beste, meint Frankmck45, der das Video auf Youtube hochgeladen hat. Ich meine: Heutzutage hätte Lord Franklin keine Chance mehr, als tragischer Held zu enden, denn wegen der Klimaerwärmung ist die Nordwestpassage im Sommer eisfrei.

Mittwoch, 23. März 2011

Kontaminierte Sprache

Eines ist jetzt schon klar: Das Wort des Jahres heisst "unkalkulierbares Restrisiko". Aber wenn die schleichende Reaktorkatastrophe in Japan weiter ihren Gang nimmt, wird auch die radioaktive Verseuchung der Sprache zunehmen.

Als in einem Bericht der ARD über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt von der strahlenden Wahlsiegerin Claudia Dalbert, die mit ihren Grünen die 5%-Hürde übersprungen hat, habe ich mich dabei ertappt, wie ich mich fragte, ob eine Wahlsiegerin von den Grünen angesichts der Reaktorkatastrophe von Fukushima noch strahlen darf — ein unschuldiges Wort hat einen radioaktiven Beigeschmack bekommen. Wahrscheinlich sogar verdanken die sächsischen Grünen ihren strahlenden Wahlsieg dem GAU in Japan.

Was ich mich auch frage:
Ab wann ist ein G rösster A nzunehmender U nfall ein Super-GAU? Dann, wenn eine AKW-Katastrophe jedes Worst-Case-Szenario sprengt? Dann, wenn das eintritt, was man sich in den schlimmsten Alpträumen nicht vorstellen konnte? Die Reaktorkatastrophe von Fukushima zeigt jedenfalls: Das unkalkulierbare Restrisiko dieser Technologie ist viel grösser als angenommen.



Als Frau Frogg ein paar Sätze aus einem Zeitungsbericht über die Reaktorkatastrophe vorlas, sagte ich zu ihr: "Die Japaner ticken eben anders — mit dem Geigerzähler." Eine solche Katastrophe macht einem zuerst sprachlos und dann sarkastisch. Und das Restrisiko einer radioaktiven Verseuchung der Sprache ist nicht vernachlässigbar: Kettenreaktion, Kontaminierung, Containment sind Wörter, die künftig vermehrt auch in AKW-fernen Zusammenhängen verwendet werden...

PS. Eine hervorragende Informationsquelle zur Lage in den japanischen Kernkraftwerken mit aktuellen Statusmeldungen und Hintergrund-Informationen ist die Homepage der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH in Köln: www.grs.de.
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