Frau Frogg und ich haben uns aufgerafft und uns zum gemeinsamen Frühlingsputz verabredet. Jetzt sind die Aussichten aus unseren Fenstern wieder ungetrübt.
Alle Fenster geputzt, die Matratze gesonnt und den Schanigarten auf Vordermann gebracht — das muss reichen. Wenn man einmal pro Jahr die Fenster putzt, sieht man dann auch den Unterschied. Dies gilt ganz besonders für das halbrunde Fenster in unserer Dusche: Eingetrocknete Wassertropfen hinterlassen wüste Kalkspuren und trüben die Aussicht... Umso mehr geniessen wir nach dem Frühlingsputz eine Dusche mit dieser tollen und ungetrübten Aussicht.
Transdanubien — das tönt irgendwie viel versprechend, aber auch wie "hinter den sieben Bergen", so oder so jedoch geheimnisvoll.
Schon als wir bei schönstem Wetter Wien anflogen, hielten wir Ausschau nach der schönen blauen Donau und den Weiten des Ostens, die dahinter beginnen. Irgendwann sah ich aus dem Fenster des Flugzeugs etwa das hier:
Für den Film von Google Earth bitte aufs Bild klicken!
Zuerst dachten wir, es könnte die Donau sein, aber dann kamen Zweifel auf. Trotz geringer Erfahrung mit Strömen — in der Schweiz gibt es von Bergbächen bis Flüssen alles, aber einen Strom? — dachten wir: So breit kann die Donau in Wien noch nicht sein. Der österreichische Flugbegleiter, der bei Swiss arbeitet und auf dem Weg in den Heimaturlaub neben uns sass, machte den Vermutungen ein Ende und erklärte, dass sei der Neusiedlersee. Später zeigte ein Blick auf die Karte, dass wir beim Anflug auf Wien zwar nicht die Donau überquert hatten, aber doch schon über Ungarn herumgekurvt waren.
In Frau Frogg's Reiseführer lasen wir dann, dass das Klima am Neusiedlersee pannonisch geprägt sei. Pannonisch? Noch so ein geheimnisvoller Begriff. Diesmal erklärte uns Wikipedia, was es mit Pannonia auf sich hat.
Als uns der MadProfessor zu einem Jass nach Transdanubien einlud, waren wir schon voller Vorfreude aufs transdanubische Wien. Schliesslich wollte uns aber MadProfessor die Reise nach Transdanubien doch nicht zumuten und so fand der Jassabend in Cisdanubien statt. Wo Transdanubien liegt, ist übrigens auch eine Frage des Standorts: Für WienerInnen bezeichnet Transdanubien die Stadtteile links der Donau, während für die UngarInnen Transdanubien die drei westungarischen Regionen plus den Budapester Stadtteil Pest umfasst, also alles, was rechts der Donau liegt.
Im Gespräch mit WienerInnen gewannen wir schliesslich den Eindruck, dass 1. niemand freiwillig nach Transdanubien fährt, 2. gebürtige Transdanubier immer Transdanubier bleiben und 3. die TransdanubierInnen anders sind als die übrigen WienerInnen. Im letzten Punkt wurden wir bestärkt durch ein Schild, das in Katizas Gästezimmer hängt. Darauf steht: "Friede, Freiheit, Floridsdorf*)". Beim Jassen kam das Gespräch auf andere Städte und Agglomerationen mit ähnlichen Rivalitäten und Neckereien: In der Schweiz etwa das durch den Rhein in Grossbasel und Kleinbasel geteilte Basel, wo sogar thematische Stadtführungen zu diesem Thema angeboten werden. Oder in Deutschland die ständige Rivalität der durch den Main getrennten Städte Frankfurt und Offenbach. Den passenden Spruch in hessischem Dialekt, den meine Jasspartnerin auf Lager hatte, konnte ich leider nicht behalten — anyway ist uns klar geworden: Transdanubien ist überall. Und das Wiener Transdanubien besuchen wir halt das nächste Mal!
*) Floridsdorf ist ein transdanubischer Stadtbezirk Wiens.
Schon wieder hat ein Kunstklotz einen Wettbewerb für Kunst im öffentlichen Raum gewonnen — der Engadiner Künstler Not Vital überzeugte in Zürich die Jury der Mobimo AG mit seinem Betonquader "The No Problem Sculpture". Wenn das so weiter geht mit diesen Kunstklötzen, werde ich noch amtlich geprüfter Klotzologe...
Modell der "The No Problem Sculpture" von Not Vital — das 9 Meter lange, 6 Meter breite und 5 Meter hohe Quader ist ein Chromstahlskelett, das mit Spritzbeton überzogen wird. Quelle: Art Forum Ute Barth
Vergleicht man den Luzerner Klotz mit dem Zürcher Betonblock, treten einige Unterschiede, aber auch überraschende Gemeinsamkeiten zu Tage:
Während Felix Kuhns würfelförmiger "Klotz" auf der Allmend aus Beton, Stahl, Glas etc. besteht, ist die quaderförmige "No Problem Sculpture" von Not Vital hohl.
Das Luzerner Klotzprojekt löste eine öffentliche Debatte aus, in Zürich scheint die Skulptur ihrem Namen gerecht zu werden und keine Probleme zu verursachen: Das Baugesuch sei eingereicht und Einsprachen seien keine zu erwarten, meint Projektleiterin Friederike Schmid.
Beide Klotzprojekte haben sich in einem öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerb durchgesetzt, vermochten also eine Fachjury vor allen anderen Vorschlägen zu überzeugen.
Beide Kunstklötze nehmen mit ihren Massen Bezug auf die benachbarten Bauprojekte: In Luzern ist das Verhältnis des Würfel-Volumens zum Total-Volumen des auf der Allmend verbauten Materials gleich wie die Kosten für den "Klotz" zu den verbauten 250 Millionen Franken. Auch die Zusammensetzung des Würfels entspricht den für die Neubauten verwendeten Materialien.
In Zürich entspricht die Länge sämtlicher 12 Kanten des Quaders genau der Höhe des Mobimo Towers (81 m). Mir scheint beides reichlich konstruiert — oder auf gut schweizerdeutsch: Birewixerei.
Der MOBIMO Tower bekommt ausserdem in Agadez im Niger, der afrikanischen Wahlheimat von Not Vital, ein Gegenwicht: einen 81 m tiefen Ziehbrunnen mit dem Namen OMIBOM. "The No Problem Sculpture" ist finanziert — fürs afrikanische "Gegengewicht" wird noch gesammelt...
Nicht dass ich ein heimlicher Royalist wäre, aber als bekennender Fan handgestrickter und gehäkelter Welten musste ich einfach diese gestrickte Vorschau auf die Hochzeit des Jahres auf meinen Blog stellen: Knit Your Own Royal Wedding!
Auf Youtube findet sich übrigens auch eine Version ganz in Lego. ;-)
Hier kommt die Auflösung des Wettbewerbs Wien von unten, bei dem es ausser Ruhm und Ehre nichts zu gewinnen gab. Danke allen, die trotzdem mitgerätselt haben. Hat Spass gemacht.
Im Naschmarkt Deli vis à vis vom Cafe Drechsler www.stadtbekannt.at
25 Punkte für Frau Walküre, die immerhin die Gegend erriet und lustigerweise am gleichen Tag ebenfalls ein Bilderrätsel ins Netz stellte, das von der anderen Strassenseite stammt.
Meine Haare wachsen überall — nur nicht da, wo sie sollten: aus den Gehörgängen, auf den Ohren, am Hals, aus den Nasenlöchern und trotz Stirnglatze wächst ein vorwitziges Haar sogar auf der Stirn — zwei Finger breit über den Augenbrauen, also auch nicht da, wo Kopfhaare wachsen sollten.
Frau Frogg, die Coiffeuse meines Vertrauens, hat mir angeboten, den haarigen Problemen abzuhelfen. Obwohl ich mir nicht besonders gerne die Haare schneiden lasse, weil ich das Geräusch des "Rasenmähers" auf meinem Kopf gar nicht schätze, habe ich das Angebot dankend angenommen, das Equipment bereitgestellt und bin auf den Stuhl gesessen.
Nachdem die Coiffeuse meines Vertrauens die verbliebenen Kopfhaare mit dem auf Stufe 3 eingestellten Rasenmäher auf eine einheitliche Länge gekürzt hat, greift sie zur Schere, stutzt die Augenbrauen und entfernt die übrigen haarigen Probleme von meinem Kopf. Dann schüttle ich auf dem Dachbalkon den Kopf aus und spüle in der Dusche die letzten abgeschnittenen Härchen von Kopf und Körper. Schliesslich stellt sich auf dem kurzgeschorenen Kopf ein wohliges, sommerliches Gefühl ein: Der Winterpelz ist weg!
Für unseren Wien-Besuch hatten wir uns wenig vorgenommen. Wir wollten uns treiben lassen. Aber etwas stand auf unserer Liste, das wir unbedingt machen wollten: einen thematischen Stadtrundgang auf den Spuren von Orson Welles' Kultfilm "The Third Man".
Aber irgendwie hat's terminlich nicht gepasst und wir mussten dieses Vorhaben auf ein anderes Mal verschieben. Deshalb haben wir am Abend nach unserer Heimkehr uns diesen Wien-Nostalgie-Film nochmals als DVD reingezogen:
Wir hofften, wir würden wenigstens einige der Schauplätze wiedererkennen, und tatsächlich konnten wir mehr Drehorte verorten als wir gedacht hatten. Zum Beispiel diesen hier:
Harry Lime auf der Flucht, nachdem Holly Martins ihn in die Falle gelockt hatte
Die Sequenz ist nur kurz, sie dauert vielleicht 15, 20 Sekunden, und trotzdem erkannten wir die lange Treppe, die zur romanischen Rupertskirche (Wiens älteste noch erhaltene Kirche) führt, als Drehort für diese Verfolgungsjagd durch die Gassen Wiens.
Für etliche Schauplätze, die wir im Film wiedererkannt haben, habe ich kein passendes Vergleichsbild von unserem Wien-Besuch, aber eines habe ich noch: das Riesenrad im Prater.
Holly Martins trifft Harry Lime beim Riesenrad
Mir gefallen diese Gegenüberstellungen, aber andere kennen den Film und die Drehorte besser. Deshalb habe ich noch ein bisschen recherchiert und folgendes gefunden:
www.derdrittemann.at
Die offizielle Seite mit Informationen über den Film, die Drehorte, die Führungen, das Museum, das Buch und die Musik zu "The Third Man"
www.photobibliothek.ch
Die besten Gegenüberstellungen von Bildern aus dem Film und neuen Fotos von den Wiener Schauplätzen sowie einige tolle Dokumente
Heute haben wir eine Expedition in die Agglomeration unternommen — einen Osterausflug mit allem Drum & Dran: Schönes Panorama, Schlösschen mit einer wechselhaften Geschichte, Bio-Bratwurst in der Gartenbeiz, lauschiges Moos im Wald, blühende Obstbäume. Was will man mehr?
Aufgebrochen sind wir von zu Hause. Und das war unsere Route:
Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Quelle der Basiskarte: map.geo.admin.ch
1757 liess Franz Dominik Schumacher das Schlössli Utenberg erbauen. Er war Ratsherr von Luzern und Offizier in der herzoglich-lothringischen Schweizergarde, die später zur Schweizergarde in Wien wurde.
Bekanntester Bewohner des Landsitzes Utenberg war Ständerat Josef Schumacher-Utenberg (1793-1860). Obwohl er einem Luzerner Patrizier-Geschlecht entstammte, gehörte er politisch dem gemässigt liberalen Lager an. Seinen sieben Töchtern, die mit Ausnahme einer Klosterfrau alle in angesehene Luzerner Familien einheirateten (Pfyffer von Altishofen, Schwytzer von Buonas, von Moos, Zelger, Nager, Degen), pflanzte er bei ihrer Geburt auf Utenberg je einen Zwetschgenbaum, weshalb noch heute alle seine Nachfahren in der Luzerner Gesellschaft den Beinamen "Zwetschgen" führen.
Das Schlössli Utenberg war später ein Trachtenmuseum. Ab 1997 wurde es als Treffpunkt für Gastronomie und Kultur genutzt. Zur Zeit ist es leider geschlossen — das Besitzerpaar sucht nach einer langfristigen und nachhaltigen Lösung für die Zukunft...
3 Golf auf dem Dietschiberg
Zwei Bilder für Frau Frogg, die sich über die zahlreichen Golfplätze in der Region aufregt. Auf einer Fläche von etwa 6 x 12 Kilometern (etwas grösser als auf obigem Kartenausschnitt) wird es künftig drei Golfplätze geben. Und: Für jede Gefahr gibt es in der Schweiz die passende Verbauung: Lawinenverbauungen, Steinschlagverbauungen, Hochwasserverbauungen — und eben auch Verbauungen gegen Golfbälle...
4 Gasthof Rössli in Adligenswil
Mittagspause auf der schönen Gartenterrasse des Rössli in Adligenswil: Unter den Sonnenschirmen schmeckten die Rösti und die Bio-Bratwürste vom Uelihof ausgezeichnet. Und etwas gegen den Durst gab es auch.
5 Eigenartige Landschaft mit Nagelfluhrippen
Die Landschaft oberhalb von Meggen besteht aus länglichen Nagelfluhrippen und sumpfigen Mulden dazwischen.
6 Ein verwunschener Moorsee mitten im Wald
Sonst ist im lauschigen Wagemoos nur Vogelgezwitscher, Entengeschnatter und Fröschegequake zu hören, aber an einem Karsamstag ist auch im Wagemoos mehr los als gewöhnlich...
Hier versuchte Frau Frogg den Frosch zu küssen.
7 Blühende Obstbäume oberhalb Küssnacht
Der "Bluescht" ist zwar schon fast vorbei, aber einzelne Bäume blühen immer noch prächtig.
8 Das Ziel unserer Expedition: Küssnacht am Rigi
Nach dreieinhalb Stunden reine Wanderzeit kommt das Ziel unserer Wanderung in Sicht: Küssnacht am Rigi. Von hier geht es mit dem Voralpenexpress zurück nach Luzern.
Dass die Türken 1683 unter Führung von Grosswesir Kara Mustafa Wien belagerten und nach ihrer Niederlage in der Schlacht am Kahlenberg überstürzt flüchten mussten, hat Folgen bis heute.
Drei Jahre nach der Vertreibung der Türken wurde die Turmbekrönung des Stephansdoms — seit 1519 Halbmond und Stern — endlich durch ein Kreuz ersetzt. Der Turm war zwar kein Minarett, aber der Schmuck der Turmspitze doch recht irreführend...
Und dann war dank den Kanonen, die die Ottomanen zurückgelassen hatten, genügend Bronze da, um die 22.5 Tonnen schwere alte Pummerin, weltweit die zweitgrösste freischwingend läutbare Glocke in einem Kirchturm, zu giessen. Welch Ironie der Geschichte, dass die "Stimme Österreichs" aus türkischer Bronze besteht.
Doch die vielleicht wichtigste und nachhaltigste Hinterlassenschaft des Schwarzen Mustafa ist die Wiener Kaffeehauskultur. Auch die damit verbundene Legende ist sackstark:
"Man schreibt den 12. August 1683. Die Türken greifen mit aller Vehemenz die Stadt Wien an. Die heldenhaften Wiener unter der Führung Graf Starhembergs können den Ansturm noch einmal abwehren. Doch mit einem Schlag ist deutlich geworden, wie gefährlich die Lage der umzingelten Stadt ist. Man braucht Hilfe. Es wird ein Wiener Namens Georg Franz Kolschitzky auserkoren, als Bote Hilfe von Karl von Lothringen zu erbitten. Dieser war es, der zusammen mit Polenkönig Jan Sobjesky, die Türken tatsächlich vertrieb. Als Dank für seine Leistungen richtete Kolschitzky an die Stadtväter, die ihn nach einer Belohnung fragten, einen anscheinend bescheidenen Wunsch: Er wünschte sich, die zurückgelassenen Kaffeesäcke aus dem Heereslager der Türken und ein Haus, wo er als erster Wiener dem Berufe des Kaffeesiedens nachgehen konnte. Dieses war das Haus zur blauen Flasche. Er röstete die grünlichen, unansehnlichen Bohnen, mahlte sie und goss kochendes Wasser darüber. So entstand ein Getränk - Kaffee genannt. Diesen Kaffee schenkte er zunächst mit mäßigem Erfolg aus, denn den Wienern schmeckte dieses bittere schwarzen Gesöff nicht. Durch ein Missgeschick gelangte eines Tages Zucker in die schwarze Brühe. Genau das fehlte dem Getränk. Ein paar weitere Experimente, etwas Milch in die Brühe, die Wiener Melange war geboren." www.magellanworld.net
Seither haben die WienerInnen diese Kaffeehauskultur ständig erweitert und verfeinert. Die Liste der klassischen Wiener Kaffeespezialitäten ist inzwischen so lang, dass einem Nichtwiener die Auswahl schwerfällt: siehe bebilderte Wiener Kaffeevielfalt auf www.cafe-wien.at. Abgesehen davon, dass im Cafe Mozart (seit 1794) die Kaffeehauskultur sehr viel gepflegter ist, ging es mir bei der Kaffeeauswahl wie diesem Typen in einer Schweizer Versicherungswerbung:
Angesichts dieser Kaffee-Multioptionengesellschaft bin ich froh, dass ich mich zu Hause nur zwischen Bialetti und Clooney entscheiden muss, weil: Türkischer Kaffee ist wegen des Aufwands nicht wirklich eine Option.