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Montag, 23. Mai 2011

Don't cross the red line!

Rote Linien bedeuten selten was Gutes: Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat die rote Linie zwischen Kunst und Recht überschritten — und sitzt dafür jetzt im Gefängnis. In den USA bedeutet Redlining das gezielte Vernachlässigen von Häuserblocks und ganzen Strassenzügen, um ein Quartier für die Getrification vorzubereiten.

Der Flyer zu einem Master-Talk der Hochschule Luzern - Design & Kunst vom vergangenen Samstag. Parallel dazu startete im Kunstmuseum Luzern eine Ausstellung über asiatische Landschaftsmalerei Shanshui. Die Landschaft in der chinesischen Gegenwartskunst, die von Ai Weiwei, Peter Fischer und Uli Sigg kuratiert wird.

In der Nacht vor der Veranstaltung war da plötzlich eine 800 Meter lange rote Linie auf dem Trottoir, die sich vom Kunstmuseum bis zum Kurpavillon, dem Veranstaltungsort des Master-Talks, zieht:

Quelle: www.luzernerzeitung.ch

Wie die Neue Luzerner Zeitung berichtet, sucht die Polizei immer noch den oder die VerursacherIn. Klar ist jedoch, dass ein Zusammenhang mit der Ausstellung im Kunstmuseum und der Veranstaltung im Kurpavillon besteht. Denn ursprünglich hätte auch Ai Weiwei am Master-Talk im Luzerner Kurpavillon sprechen sollen, doch der wohl bekannteste Künstler Chinas wurde am 3. April in Beijing verhaftet und wird seither von den chinesischen Behörden im Gefängnis von der Öffentlichkeit abgeschottet. Die Idee der roten Linie stammt aus China — schrieb doch die Staatszeitung "Global Times" am 6. April: "Ai Weiwei bewegt sich nahe der roten Linie des chinesischen Gesetzes. Wenn Ai Weiwei kontinuierlich weiter geht, wird er eines Tages die rote Linie unvermeidlich berühren." Dafür werde er den Preis bezahlen.

Die Luzerner Zeitung mutmasst, dass mit der roten Linie auf dem Quai jemand auf Ai Weiweis Schicksal aufmerksam machen wollte. Oder auf die "roten Linien" im öffentlichen Raum, wo unbewilligte künstlerische Interventionen von den Stadtbehörden nicht toleriert werden. Diese Erfahrung musste auch der iranische Künstler Shahram Entekhabi machen, der im Januar die Rathausbrücke mit Bändern sperrte. Seine Galerie bekam eine Strafanzeige.

Der Teaser zum kommenden Film Ai Weiwei: Never Sorry von Alison Klayman auf Vimeo.

Uli Sigg, ehemaliger Botschafter der Schweiz in China, Sammler chinesischer Gegenwartskunst, Freund und früher Förderer von Ai Weiwei sagt in diesem Videoclip, er habe ihn oft gewarnt, es gäbe eine klare Linie, ab der er als Menschenrechtsaktivist betrachtet würde. Sollte er diese Linie überqueren, sei der Fun mit der chinesischen Regierung zu Ende.

Ai Weiwei ist auch architektonisch tätig: Sein wohl bekanntestes Werk ist das "Vogelnest" in Beijing, das er zusammen mit Herzog & De Meuron realisiert hat. Und in Beijing betreibt er ein eigenes Architekturbüro: Fake Design. Er hat sich auch immer wieder mit der unkontrollierten und chaotischen Stadtentwicklung in China auseinandergesetzt und mit Videos die Missstände in den chinesischen Städten angeprangert.

A propos rote Linie: "Redlining" bezeichnet in den USA eine verbreitete Praxis der Banken, in Städten Zonen festzulegen, in denen sie keine Hypothekarkredite mehr gewähren. Ich habe auch schon gehört, dass in weissen Quartieren absichtlich einzelne Wohnungen an Schwarze vermietet werden, damit die Weissen rascher aus der betroffenen Nachbarschaft wegziehen. Als Konsequenz des Redlinings verlottern die Häuser innerhalb der roten Linie, bis sie derart heruntergekommen sind, dass es sich lohnt, diese oft citynahen Quartiere zu gentrifizieren.

Ob die rote Linie im Werbespot dieser Versicherung etwas Gutes bedeutet?

Sonntag, 22. Mai 2011

Solothurner Schanigärten in 3D

Die WienerInnen kultivieren ihre Schanigärten, voten online für ihren Favoriten und eine hochkarätige Jury verleiht jährlich den Goldenen Schani in verschiedenen Kategorien. Aber auch andernorts gibt es schöne Schanigärten — nur heissen sie da nicht so, sondern "Biergarten" oder wie bei uns in der Schweiz "Gartenbeiz".

Nachdem Frau Katiza mich in einem Kommentar zu Schani, trag den Garten aussi! aufgefordert hat, mich am Online-Voting um den schönsten Schanigarten Wiens zu beteiligen und ich mich ab den zum Teil hundslausigen Bildern genervt habe, präsentiere ich gerne die beiden Schanigärten der Genossenschaft Kreuz in Solothurn (bei der ich das Kulturprogramm veranstalte) in 3D:

Bitte aufs Bild klicken, um ins 3D-Bild unserer Gartenbeiz zu gelangen! Wer Lust hat, kann virtuell unser Restaurant, die Bar und den Saal im ersten Stock sowie unser Hotel besichtigen (grüner Pfeil) oder in Solothurn herumspazieren (blaue Pfeile).

Unsere zweite Gartenbeiz ist sehr lauschig und direkt am Fluss gelegen, in dem man im Sommer schwimmen kann:

Bitte aufs Bild klicken, um ins 3D-Bild unserer Sommerbeiz an der Aare zu gelangen! Wer Lust hat, kann auch von hier einen virtuellen Spaziergang durch Solothurn starten (blaue Pfeile) — die 3D-Bilder aus der Katedrale z.B. sind wirklich toll.

Quelle der 3D-Bilder: www.touchtown.ch

PS. Unser "Schani" sitzt auf dem oberen Bild in der Gartenbeiz, heisst aber nicht Schani und auch nicht Hans...

Samstag, 21. Mai 2011

Zeichnungen am Abendhimmel

Den Tischgrill hervorgeholt, Olma-Bratwürste gebraten, mit Frau Frogg gespritzten Weisswein getrunken und über Gott und die Welt geredet — und dann diese Zeichnungen am Abendhimmel:



Unglaublich, wie lange diese Kondensstreifen heute Abend am Himmel bleiben! Dadurch entstehen Muster von parallelen Linien, die von Flugzeugen stammen, die dieselbe Luftstrasse benutzt haben.

Da kommt mir folgende Geschichte in den Sinn: Wir waren im Tessin in den Ferien und hatten nichts besseres zu tun, als den Flugzeugen zuzuschauen, wie sie ihre Kondensstreifen an den Himmel zogen. Doch immer an der gleichen Stelle über dem Monte Forno flogen die Flugzeuge eine Kurve und ihre Kondensstreifen bekamen einen Knick. Wir konnten uns das nur so erklären, dass die Luftstrasse von Norden in den Süden an dieser Stelle eine Kurve macht — und wir mussten ein bisschen lachen ab der Vorstellung, dass sonst pfeilgerade Luftstrassen auch Kurven machen.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Doppel-Kreiselkunst im Future Valley

Über Kreiselkunst habe ich bisher immer ein bisschen die Nase gerümpft. Seit ich mich eingehender mit dem Thema befasst habe, weiss ich: Es gibt Kreiselkunst und Kreiselkunst — und seit heute auch Doppel-Kreiselkunst.

"Tension - Energy" vom griechischen Kunstprofessor Costas Varotsos: Die Skulptur besteht aus einer 25 Meter hohen, gebogenen Stahlnadel, einer Betonschüssel und einem 140 Meter langen Seil, das die beiden Elemente verbindet. Bild von Grazia Branco

Heute wird in beim D4 Business Center Luzern die Skulptur "Tension — Energy" von Costas Varotsos eingeweiht. Zu diesem Anlass wird eigens SF-Korrenspondent und Griechenland-Kenner Werner von Gent als "Keynote Speaker" eingeflogen. Das Kunstwerk, das sich in einem internationalen Kreiselkunst-Wettbewerb durchgesetzt hat, soll als "Landmark" das Future Valley Lucerne über die Region hinaus bekannt machen. Es sei ein Werk, das künstlerisch und ingenieurmässig die Grenzen sucht und das "die wirtschaftliche und kulturelle Dynamik inmitten der idyllischen Landschaft des Rontals aufzeigt", heisst es im Promotext. Gekostet hat diese Doppel-Kreiselkunst 450'000 Franken, die zum grössten Teil von 50 Unternehmen aufgebracht wurden.

Dieses Werk ist sicher nicht mit landläufiger Kreiselkunst vergleichbar und schon nur wegen seiner schieren Grösse erwähnenswert, aber mir ist vor allem das Drum und Dran zu dick aufgetragen. Kann es sein, dass hierbei nicht nur um Kunst geht? Ein interessantes Detail bestätigt mich in dieser Annahme: Projektleiterin ist Friederike Schmid, eine HSG-Ökonomin. Ihrer Firma Communication by Art bin ich kürzlich schon als Klotzologe begegnet: Bei der No Problem Sculpture in Zürich ist sie ebenfalls federführend...

Auch bei der landläufigen Kreiselkunst gibt es Klassenunterschiede:


Kreiselkunst in Arlesheim (BL) von Peter Mesmer und Kreiselkunst in Oftringen (AG)


Dienstag, 17. Mai 2011

Ein schaurig schönes Unglück

Haben Sie sich auch schon dabei ertappt, dass Sie Bilder eines Unglücks oder sogar einer Katastrophe so faszinierend fanden, dass Sie jedesmal gebannt hinschauen müssen, obwohl Sie die Bilder schon x-mal gesehen haben und Sie wissen, dass bei diesem tragischen Ereignis Menschen ihr Leben lassen mussten?

Mir jedenfalls geht es manchmal so, dass Bilder durch ihre ständige Wiederholung in den Medien ihren Schrecken verlieren und dafür eine gewisse — ich sage mal — Ästhetik des Grauens bekommen. Das letzte Mal ging es mir so mit dem grossen Fischkutter, der vom Tsunami in Japan wie ein Papierschiffchen über die Hafenmauer gespült wurde. Die Bilder von den Flugzeugen, die in die New Yorker Twin Towers rasen, haben sich so tief im kollektiven Bewusstsein festgesetzt, dass sie zu Ikonen des Bösen wurden. Abstrahiere ich einmal von den über 3000 Toten, die es bei 9/11 gab, üben die Bildsequenzen mit den Flugzeugen, die in die Türme des World Trade Centers fliegen, nach wie vor eine eigenartige Faszination aus.

Deshalb: Ist einmal der Leichengeruch verweht, können Bilder von einem Unglück irgendwie "schön" sein und durch die Distanz bisweilen sogar ein Schmunzeln bewirken, weil sie derart kurios sind. Dieses Bild hier ist zu einer schaurig schönen Ikone des Eisenbahnunglücks geworden — und fasziniert mich schon seit bald 30 Jahren:

Quelle: www.people.csail.mit.edu

Das Bild zeigt eine entgleiste Dampflokomotive, die am 22. Oktober 1895 aus dem Gare Montparnasse in Paris auf die zehn Meter tiefer liegende Strasse stürzte. Gemäss Wikipedia überlebten alle Zuginsassen das Unglück, aber unten auf der Strasse wurde die Zeitungsfrau Marie-Augustine Aguilard von den herabfallenden Trümmern erschlagen. Das schaurig schöne Bild jedoch ist heute noch weit verbreitet und posterwürdig.

Montag, 16. Mai 2011

TV-Tipp für austrophile Krimifans

Good News für die Fans der Krimis von Wolf Haas, des Brenner-Darstellers Josef Hader und der Schauspielerin Birgit Minichmayr: "Der Knochenmann", die dritte Verfilmung eines Wolf Haas-Krimis kommt am Mittwoch, 18. Mai, um 20.15 Uhr, auf ORFeins.

Keine Angst, ich werde hier nicht regelmässig Tiwi-Tipps abgeben, vor allem nicht, wenn ich den Film selber noch nicht gesehen habe. Aber auch in der Schweiz sind Wolf Haas-Krimis Kult — und ich geb's zu: Ich bin ein Fan dieser Krimis. Nach "Komm, süsser Tod" (2000) und "Silentium!" (2004) bringt nun das ORF mit "Der Knochenmann" (2009) auch die dritte Wolf Haas-Verfilmung von Wolfgang Murnberger im Fernsehen. Zum dritten Mal dabei ist auch Brenner-Darsteller Josef Hader, eine ideale Besetzung für Privatdetektiv Brenner. Viele Fans in der Schweiz hat auch Birgit Minichmayr, die im "Knochenmann" die Birgit spielt und in der Schweiz als Schauspielerin im Stück "Das Interview" Furore machte. Genug Gründe also, sich auf ein zweistündiges Krimivergnügen zu freuen!

Hier der Kinotrailer:



Und hier Interviews mit Autor, DarstellerInnen und Regisseur:



Und ich freue mich schon auf die Verfilmung von "Das ewige Leben", die für dieses Jahr geplant ist: "Lustig samma — Puntigamer!"

Sonntag, 15. Mai 2011

Bravo, Kanton Uri!

Die Urner und Urnerinnen konnten heute in einer Konsultativabstimmung ihre Meinung darüber abgeben, wie ab 2020 der Gotthardstrassentunnel saniert werden soll. Der Bau einer zweiten Tunnelröhre wurde klar abgelehnt. Bravo!

Für die Sanierung des 1980 eröffneten Tunnels muss die bestehende Röhre mindestens zweieinhalb Jahre lang — bei einer Etappierung noch länger — total gesperrt werden. Als Alternativen dazu standen zur Auswahl:
  1. eine Standesinitiative der jungen SVP, die den Bau einer zweiten Tunnelröhre, die Sanierung der alten Röhre und danach den richtungsgetrennten Betrieb mit je einer Spur in jede Richtung vorsah.
  2. ein Gegenvorschlag der Urner Regierung, die eine zweite Röhre bauen und im Gegenverkehr betreiben wollte. Bei diesem Vorschlag würde die alte Röhre nicht saniert, sondern stillgelegt.
Der Bau einer zweiten Röhre führt längerfristig zu einer Kapazitätserweiterung im alpenquerenden Strassenverkehr durch den Gotthard, glaubt doch niemand im Ernst daran, dass bei Variante 1 die beiden Röhren dauerhaft einspurig betrieben werden und dass bei Variante 2 die alte Röhre dauerhaft aus dem Verkehr gezogen wird. Doch das Urner Stimmvolk liess sich nicht für dumm verkaufen und lehnte die Standesinitiative mit 56.9% Nein, den Gegenvorschlag gar mit 68.6% Nein ab. Die Stimmbeteiligung war mit 52.4% relativ hoch. Es bestätigt damit einmal mehr die Alpen-Initiative, die dafür kämpft, dass der alpenquerende Transitverkehr auf die Schiene verlagert wird. Das letzte Wort bei der Sanierung des Gotthardstrassentunnels hat allerdings nicht der Kanton Uri, sondern der Bund.

Trotz des klaren Verdikts ist es interessant, wer wo im Kanton Uri wie gestimmt hat:

Datenquelle: https://www.ur.ch/dateimanager/abstmai2011stat.pdf

Die Karte zeigt die Nein-Stimmenanteile zur Standesinitiative. Im dichter bevölkerten und vom Verkehr mehr betroffenen Talboden des Urner Haupttals wurde die zweite Röhre bachab geschickt, während die peripher gelegenen Urner Gemeinden im Schächental und im Urserental, die nicht an der Transitachse liegen bzw. vom Gotthardtunnel unterfahren werden,die zweite Röhre befürwortet haben. Nicht ins Schema passt Flüelen, das anders als die benachbarten Gemeinden die Standesinitiative mit 50.4% Ja angenommen hat.


Diese Grafik der Alpen-Initiative zeigt, dass die bisherige Verlagerungspolitik nur zu einer Plafonierung des Transitverkehrs geführt hat, das verfassungsmässige Verlagerungsziel aber noch lange nicht erreicht ist.

Mit der Ablehnung der zweiten Röhre signalisieren die Urner und Urnerinnen, dass sie die einmalige Chance packen wollen, die sich mit der Eröffnung des neuen Eisenbahntunnels in Kombination mit einer zwei- bis dreijährigen Sperrung des Strassentunnels bietet: die Chance zu einer massiven Verlagerung des Transitverkehrs von der Strasse auf die Schiene. Ein Bravo und ein Dankeschön nach Uri!

Dienstag, 10. Mai 2011

Charmanter Chansonnier

Ein begnadeter Entertainer und charmanter Chansonnier mit einer grossartigen Bühnenpräsenz ist wieder unterwegs und macht am Samstag Halt im Kreuz Solothurn: Michael von der Heide. Im Gepäck hat er sein aktuelles Programm „Lido“.

Ich freue mich auf dieses Konzert, zumal ich die Entwicklung dieses Sängers seit Jahren verfolge und ich ihn immer wieder veranstaltet habe — zum ersten Mal schon Mitte der 90er Jahre im Kulturkarussell Rössli Stäfa. Hier ist einer meiner Lieblingssongs:



Sicher ein bisschen schnulzig, aber dennoch schön.

Infos und Ticketreservation
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