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Samstag, 2. Juli 2011

Vom eigenen Kondensstreifen überholt

Vor zwei Wochen bin ich mit Frau Frogg in die Ferien verreist — nach Antalya in der Südtürkei. Wir haben viel erlebt, so dass wir in nächster Zeit beide viel Stoff zum Bloggen haben.

Mit diesem Vogel sind wir von Zürich nach Antalya gedüst. Obwohl Frau Frogg immer "flypigs.com" las und wir im Internet auch etliche negative Kritiken über diese Billigfluglinie gefunden haben, waren wir letztlich positiv überrascht.

flypgs.com

Anyway, wer weiss, dass ich Sohn eines Swissairlers und Geograf bin, kann sich vorstellen, dass ich liebend gerne fliege und dabei am liebsten am Fenster sitze und versuche, auf der Karte nachzuvollziehen, wo wir gerade drüberfliegen. Leider hatten wir keinen Fensterplatz mehr ergattern können, aber die Dame neben uns trat mir ihren Fensterplatz netterweise ab.

Und so sah ich unmittelbar nach dem Start links unten das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, den Katzensee, ein beliebter Badesee in der Agglomeration Zürich, das Zürcher Oberland, den Säntis und die Stadt St. Gallen, den Bodensee, das Rheintal und den Flughafen Altenrhein. Dann wurden die Wolken so dicht, dass die Landschaft darunter nicht mehr zu erkennen waren.

Wenigstens wurde auf der Karte, die auf den vielen Monitoren in unserer Boing 737 zu sehen war, unsere aktuelle Position angezeigt: Wir flogen über Österreich, einen Zipfel Deutschland, wieder Österreich, die nordöstliche Ecke Italiens, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina — jede Viertelstunde ein neues Land. Über Serbien tat sich ein Loch auf in der Wolkendecke und die Mäander der Donau waren zu erkennen.

Dann wurden die die Wolken wieder dichter und ich erkannte auf der Wolkendecke einen grauen Streifen, der genau parallel zu unserer Flugroute verlief. Merkwürdig, dachte ich, da ist eine andere Maschine genau auf unserer Route geflogen und hat einen Kondensstreifen hinterlassen, dessen Schatten ich jetzt sehe. Der Pilot muss nur dieser Linie lang fliegen und wir kommen nach Antalya. (Ich weiss natürlich, dass Flugzeuge meist vom Autopiloten gesteuert werden.) Dann realisierte ich, dass die Sonne so flach und schräg von hinten schien, dass ich den Schatten des eigenen Kondensstreifens sah. Der Schatten unseres Flugzeugs war ausserhalb meines Blickfelds, aber ich bin mir sicher, dass unsere Piloten immer dem eigenen Schatten nachflogen...

Über Bulgarien wurde es dunkel und von Griechenland waren anhand der Lichter nur noch die Küstenlinien zu erkennen. Über dem spärlich besiedelten Inneren der Türkei dann nur noch rabenschwarze Nacht mit einzelnen Lichtern, die wie Sterne von unten herauffunkelten, erst im Anflug auf Antalya waren unter uns wieder einzelne Details auszumachen.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Kunstsinnige Richter

Kunst im Gerichtsgebäude? Kann man sich gar nicht so recht vorstellen — doch Kunst lockere die angespannte Stimmung und erleichtere den Zugang zu den Parteien, sagt der kunstsinnige Richter, der sich auf das Experiment eingelassen hat.

Diese Woche hatte ich meine letzte Sitzung in der kantonalen Kulturförderungskommission — nach acht Jahren ist dieses kulturelle Engagement wegen Amtszeitbeschränkung zu Ende. Jetzt sollen andere darüber entscheiden, welche Kulturprojekte im Kanton Luzern förderungswürdig sind und welche nicht. Das Plenum vor den Sommerferien findet jeweils an einem Kulturort im Kantonsgebiet statt. Diesmal im Bezirksgericht Hochdorf, Abteilung III, an der Hohenrainstrasse. Das Bezirksgericht: ein Kulturort? Aber ja doch.


Dieses im Kulturmagazin vom Mai 2011 publizierte Bild stammt zwar nicht aus dem Bezirksgericht Hochdorf, sondern aus dem Haftgericht Kriens, zeigt aber, dass es gar nicht so einfach ist, passende Bilder für einen Gerichtssaal zu finden. "Kanten und Ecken, Faltungen und Schnitte. Und immer ein kleiner Lichtblick. Im Gerichtssaal des Haftgerichts in Kriens." Peter Meuli, Präsident des Zwangsmassnahmengerichts, vor einem Werk von Flurin Bisig, o.T. (Faltung G. 5 I-IV), 2010. Quelle: Kulturförderung des Kantons Luzern.

Im Rahmen der Reorganisation der Gerichte zügelte ein Teil des Amtsgerichts Kriens nach Hochdorf und bezog ein frisch renoviertes Gebäude aus den 40er/50er Jahren. Auf Initiative des Leiters der Abteilung III, Thomas Trüeb, wurden die neuen Räumlichkeiten mit Kunst aus der kantonalen Sammlung bestückt. Das Konzept für die Kunst im Gericht stammt von Raphael Egli und Beat Stalder, Mitglieder der Fachgruppe Kunst der Kulturförderungskommission. Ein interessanter Prozess (der genius loci schlägt durch) mit interessanten Fragestellungen: Welche Werke passen in einen Gerichtssaal? Was sollen die Leute anschauen, die angespannt auf ihren Gerichtstermin warten? Etwas Beruhigendes oder etwas, das ihre Situation illustriert?

Die Antwort auf die letzte Frage lautet im Fall des Bezirksgerichts Hochdorf: Beides. Im Warteraum hangen einerseits zwei Bilder, die eine eigenartige Ruhe ausstrahlen — sie zeigen Gärten und spiegeln damit auch das, was aus dem Fenster des Raums zu sehen ist. Andererseits ist da auch diese Videoarbeit "Stapfen" (2009) von Michelle Grob installiert, die eine stapfende Frau zeigt, die immer grösser wird, bis sie den Rahmen "sprengt", und dann mit jedem Stapfen wieder etwas schrumpft. Als ob sie nichts anderes zu tun hätte und mit dem Stapfen die Langweile bekämpfen könnte.

Quelle dieses Bilds und der folgenden Bilder: Kunstankäufe 2010 und 2011.

Oder mit welcher Kunst sollen Leute in einem polizeilichen Verhörraum konfrontiert werden? Die Polizisten waren erstaunlich offen und akzeptierten zwei recht gegensätzliche und einigermassen gewagte Bilder:

"Gartenstuhl (Gardasee, Italien)" von Raphael Egli (190x180, 2009) und "Flieder" von Nikolaus Schärer (53x70, 2010)

Im Eingang des Gerichts hängt eine ironische Arbeit mit dem Titel "La Suisse 1990 HC 6/30" von Armand Pierre Fernandez (1928 - 2005). Das Bild ist eine Art Schweizerkarte und besteht aus lauter Stempelabdrücken von amtlichen Stempeln — da ist ein Obwaldner Stempel in Genf, ein Luzerner Stempel im bündnerischen Misox usw. — kurz: ein künstlerisches Statement gegen den Kantönligeist und in diesem Kontext auch gegen den Amtsschimmel, der an solchen Orten immer wieder mal zu wiehern droht.

Foto aus der Dokumentation von Raphael Egli und Beat Stalder: "Kunstwerke aus der Sammlung des Kantons Luzern", ausgestellt im Polizei- und Bezirksgerichtsgebäude Hochdorf

Ich bin beeindruckt und hätte nicht gedacht, dass man solche Räumlichkeiten so (hinter)sinnig mit Kunst bestücken kann.

Montag, 13. Juni 2011

Krasse Schratten

Diese Wanderung hatten Frau Frogg und ich schon lange auf unserer Wunschliste: über die Silberen, ein Karstgebiet beim Pragelpass zwischen dem Schwyzer Muotatal und dem Glarner Klöntal.

Abenteuerlich war schon die Anreise: Wir fuhren am Vortag ins Muotatal — bekannt für seine Wetterschmöcker, den Witz-Wander-Weg und das Höllloch — und übernachteten im Hotel Alpenblick. Von da wollten wir am Pfingstsonntag per Rufbus oder Taxi auf den Pragelpass, dem Ausgangspunkt unserer Rundwanderung. Doch der Pragelbus ist nie über den Testbetrieb hinausgekommen und musste am 11.10.2009 den Betrieb einstellen. Und der Muotathaler Garagist, der auch Taxifahrten anbietet, war telefonisch nicht zu erreichen. So blieb uns nichts anderes übrig, als Autostopp zu machen.


Der Blick aus unserem Hotelzimmer auf die Pragelpassstrasse, an der wir zunächst erfolglos Autostopp machten, erst nach einem halben Kilometer zu Fuss hat uns jemand mitgenommen.

1 Auch Suworow war auf dem Pragelpass
Wenn 1799 der Feldzug der russischen Truppen unter Alexander Wassiljewitsch Suworow gegen die Franzosen nicht so verlustreich gewesen wären, könnte der Russe mit der Via Suworow durchaus als Erfinder des Wanderlands Schweiz gelten: Von Milano aus mit 25'000 Mann gestartet, befreite Suworow den Gotthard von den Franzosen, führte seine Soldaten über den Kinzigpass und den Pragelpass ins Glarnerland, von wo er vergeblich versuchte, an den Walensee vorzustossen. Auf der Flucht vor den Franzosen überquerte er mit seinen Truppen den bereits verschneiten Panixerpass, zog weiter nach Chur und floh über St. Luzisteig nach Österreich. Seine Armee war um 10'000 Mann dezimiert und sein Feldzug blieb militärisch und politisch ohne Folgen.

Unsere Wanderroute über die Silberen:

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Quelle der Routenkarte: www.wanderige.ch. Auf dieser Seite in Schwiizerdütsch gibt es zahlreiche Wandervorschläge mit Karten, Routenbeschrieben und Fotos.

2 Der grösste Urwald der Alpen
Der Bödmerenwald sei mit 600 Hektaren der grösste Urwald der Alpen, schreibt der Tages-Anzeiger. Ob das tatsächlich stimmt, weiss ich nicht, aber das urwüchsige Fichtenmeer mit seinen bis zu 450-jährigen Bäumen zu unseren Füssen ist schon eindrücklich:


Der Blick über den Bödmerenwald und das Muotatal

3 Verloren im Nebel
Auf den einschlägigen Internetseiten wird einem dringend davon abgeraten, bei Nebel über die Silberen zu gehen. Auch Leute mit sehr guten Ortskenntnissen hätten sich schon gottlos verlaufen. Wenn es auch noch nass ist, seien die Kalkplatten zudem auch noch glitschig und rutschig. Und was machen wir? Wir gehen bei nebligem Wetter über die Silberen. Zum Glück ist der Weg ausgezeichnet markiert — es wundert einem, dass die rot-weiss-roten Wegmarkierungen nicht noch zu einer durchgehenden Linie verbunden wurden...

4 Silberenalp und Dräckloch
Dass gut und bös nahe bei einander sind, zeigen die Ortsnamen hier in der Gegend. Gar nicht sicher ist hingegen, dass die Silberenalp ertragreicher ist als die Alp im Dräckloch.


Von der Twärenen Richtung Silberenalp und Dräckloch

5 Der Glärnisch zeigt sich doch noch
Etwa eine halbe Stunde unter dem obersten Punkt rissen die Wolken auf und für einen kurzen Moment war der Glärnisch zu sehen:


Der sagenumwobene Glärnisch — wolkenverhangen

6 Das obligate Panorama entfällt
Dieses von Frau Frogg aufgenommene Bild zeigt, warum in diesem Wanderbericht das obligate Panorama fehlt — schade, denn von hier könnte man bei sichtigem Wetter auch den Pilatus sehen. Eine ganz andere Sichtweise auf unsere Wanderung vermittelt übrigens Frau Frogg's Bericht über unseren Höllentrip ins Muototal — unbedingt ebenfalls lesen, geht es doch in ihrem Eintrag mehr ums interessante Drum und Dran!

7 Was verbindet die Silberen mit Guilin und den Plitwitzer Seen?
Es sind alles Karstlandschaften. Karst ist — verkürzt gesagt — vom Wasser zerfressener Kalk. Dass Kalk wasserlöslich ist, hat mitunter die strangesten Landschaften dieser Welt hervorgebracht: unglaublich vielfältige Landschaften, die mich immer wieder zu faszinieren vermögen:

Bizarre Karren und krasse Schratten auf der Silberen

8 La vie en gris
Dass ich dieses Farbbild in ein Graustufenbild umgewandelt habe, hat das Bild kaum verändert — grau war's schon davor:


Der Blick Richtung Norden, Richtung Klöntaler- und Wägitalersee

9 Das Ende der Wanderung in Sichtweite
Nach einer Krete hinter der Alp Butzen war das Ende unserer Rundwanderung in Sichtweite, doch vom Pragelpass trennte uns noch ein steiler Abstieg von etwa 200 Höhenmetern.


Der Pragelpass und das Muotatal

Nach 5.5 bis 6 Stunden reiner Wanderzeit hatten wir genug. Zum Glück war der Heimweg easy: Schon auf den letzten Metern des Abstiegs hat Frau Frogg zwei Frauen angesprochen, die auf der gleichen Rundwanderung unterwegs waren. Netterweise nahmen sie uns in ihrem Auto mit zur öV-Endstation Höllloch, wo wir den abfahrenden Bus gerade noch aufhalten konnten.

Dienstag, 7. Juni 2011

Die grüne Wüste

Schon mal was von der "grünen Wüste" gehört? Nein? Ich auch nicht. Dieses Stichwort würde ich eher mit Bewässerungsprojekten in der Sahara in Verbindung bringen, aber sicher nicht mit Bienen auf dem Land.

Heute hörte ich auf Schweizer Radio DRS einen leicht irritierenden Beitrag von Andrea Jaggi über Bienen in der Stadt und Imker und Imkerinnen, die in der Stadt Biohonig produzieren. Stutzig machte mich die Bemerkung des Stadtberner Imkers Peter Linder, dass in der Stadt die Bedingungen für die Honigbienen oft besser seien als auf dem Land, wo es den Bienen nach dem Ende der Rapsblüte und der Löwenzahnblüte an Nahrung fehle. Zum Teil müssten sie sogar zusätzlich gefüttert werden — ImkerInnen würden deswegen von der "grünen Wüste" reden. Ist die Biodiversität in der Stadt also grösser als auf dem Land? Auch die Bio-Qualität sei trotz der grösseren Schadstoffbelastung in der Stadt problemlos zu erreichen. Und last but not least läge das Imkern in der Stadt im Trend — viele StädterInnen würden sich für dieses anspruchsvolle Hobby interessieren und entsprechende Kurse absolvieren.

Interessant, aber doch irgendwie irritierend: Urbane Zonen werden immer "ländlicher", während rurale Gebiete zur "grünen Wüste" verkommen.

Montag, 6. Juni 2011

Tüppig

Vorgestern war es sehr tüppig, dann brachte ein Gewitter die ersehnte Abkühlung — schneller wäre die Gartenbeiz vom Kreuz Solothurn nicht zu räumen gewesen. Auch gestern war es tüppig...

Nicht, dass ich tüppiges Wetter besonders gerne habe, aber ich liebe dieses schweizerdeutsche Wort für schwül und drückend. Und mit Aussicht auf ein reinigendes Gewitter ist auch tüppiges Wetter erträglicher...



Wenn bei uns ein Gewitter aufzieht, dann kommt es vom Luzerner Hinterland oder vom Pilatus her, doch dieser Cumulonimbus war nicht mehr als eine Drohgebärde. Der Wind vertrieb die dräuenden Gewitterwolken wieder und die Abkühlung kam erst heute morgen.

Dienstag, 31. Mai 2011

Eine Dampfschifffahrt ist lustig

Ein Eintrag über eine Fahrt mit dem frisch renovierten Dampfschiff Unterwalden, über die "Achereggbrückentauglichkeit" von Dampfschiffen, über einen glimpflich verlaufenen Crash und über die Probleme mit hochformatigen Videoclips.

Nachdem mein letzter Eintrag über die sonntägliche Wanderung so lange geworden ist, habe ich beschlossen, der Heimfahrt mit dem Raddampfer einen separaten Eintrag zu widmen, weil ich ein paar nette Anekdoten nicht verheizen wollte.

Mit diesem stolzen Salon-Dampfschiff dampften wir also von Alpnachstad zurück nach Luzern:



Der Schaufelraddampfer Unterwalden wurde gemäss Wikipedia am 18. Mai 1902 dem Verkehr übergeben. Er ist das zweitälteste Dampfschiff, das noch auf dem Vierwaldstättersee herumdampft, und steht unter Denkmalschutz. Die Unterwalden wurde von 2008 bis 2011 für 10 Millionen Franken generalrevidiert und in den Zustand von 1961 zurückgebaut. Am 7. Mai wurde das rundum erneuerte Dampfschiff mit einer Dampferparade eingeweiht.

Achereggbrücke voraus — Kopf einziehen!

Als wir beim Essen die Kellnerin fragten, warum es in letzter Zeit keine Dampfschifffahrten nach Alpnachstad gegeben habe, sagte sie die Unterwalden sei das einzige achereggbrückentaugliche Dampfschiff der SGV. Mit anderern Worten: Die Unterwalden ist das einzige Dampfschiff, das dank versenkbarer Steuerkabine, Teleskopkamin und klappbaren Masten die Achereggbrücke der A2 unterfahren kann.

Der Blick von Stansstad auf den Pilatus, Hergiswil und den Aufstieg zum Renggpass, den wir am Morgen bewältigt haben.

Die Unterwalden hat in ihrer 109jährigen Geschichte einiges erlebt (Können Dampfschiffe etwas erleben?): Sie war nicht immer ein so stolzer und herausgepützelter Dampfer wie heute. 1923 gab sie nach einem glimpflich verlaufenen Unfall ein eher tristes Bild ab:

Wegen eines Navigationsfehlers in der Dunkelheit und bei dichtem Nebel fuhr die Unterwalden am 23.10.1923 beim Hotel Nidwaldnerhof in Beckenried ins Ufer. Das Bild stammt aus dem Archiv von Josef Gwerder, Meggen, Quelle ist die Medienmitteilung der Shiptec zum Abschluss der 30monatigen Sanierung des Schiffs.

Ganz besonders stolz bin ich auf diesen 10-Sekunden-Clip vom Schiffsmotor der Unterwalden:



Leider habe ich mir gar nichts überlegt, als ich dieses Video mit Frau Froggs Digitalkamera hochkant aufgenommen habe. Auf dem Laptop konnte ich das Quicktime-Video zwar ansehen, aber nur in handelsüblichem Querformat. Das hatte zur Folge, dass ich mich zuerst schlau machen musste, wie ein Video um 90 Grad gedreht werden kann, fand aber hier relativ rasch eine gute Anleitung, die mir weiterhalf. Mit zwei heruntergeladenen Programmen gelang es mir, den Clip zu konvertieren und in Hochformat zu drehen — die technischen Details erspar ich den p.t. LeserInnen, aber mir ist schlagartig bewusst geworden, dass wir sozusagen nie hochformatige Filme anschauen — das macht nur Ärger!



Die Unterwalden nach unserer Ankunft in Luzern: Ist das nicht ein prächtiges Dampfschiff bei prächtigem Wetter vor prächtiger Kulisse?

Montag, 30. Mai 2011

Lieber oben drüber als unten durch

Bei wunderbarem Wetter sind wir gestern von Hergiswil (NW) über den Renggpass nach Alpnachstad gewandert — über einen uralten Übergang, der von Luzern ins Obwaldnische führt und von da weiter über den Brünig in den Süden. Doch schon bei der Anfahrt mit der S-Bahn gibt es einiges zu sehen. Und auf der Rückfahrt mit dem Raddampfer "Unterwalden" sowieso.

Auf der Fahrt mit der Zentralbahn von Luzern nach Hergiswil sind auf der linken Seite die Wohnhochhäuser auf der Luzerner Allmend zu sehen, die im Moment auf spektakuläre Art und Weise in den Himmel wachsen...



...und auf der rechten Seite der Pilatus, der auch aus dem Zugfenster recht erhaben wirkt.



Nach 12 Minuten Fahrt steigen wir am Bahnhof Hergiswil aus und beginnen unsere kleine Sonntagswanderung. Und das war unsere Route:

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Quelle der Basiskarte: map.geo.admin.ch

Bahnhof Hergiswil - Renggpass - Punkt 7, wo der Durchgang wegen Holzschlag gesperrt ist. Statt gemächlichem Abstieg über Alprüti und Grossrüti nach Alpnachstad (gestrichelte Route): steiler Abstieg nach Niderstad und dem Alpnachersee entlang bis zur Schifflände der SGV.

1 Start im Steuerparadies

Die Wegweiser vor der Kirche und der Übergang über die Autobahn

In Hergiswil, dem Steuerparadies vor den Toren Luzerns gäbe es einiges zu sehen — die schweizweit bekannte Glasi beispielsweise — wir aber hören vor allem das ohrenbetäubende Glockengeläut der Kirche und riechen die Abgase der Autobahn, die das Dorf zerschneidet. Immerhin: Wenige Meter oberhalb der Autobahn beginnt ein schöner Aufstieg über grüne Matten und Heuwiesen.

2 Panorama mit Kreuztrichter

Zum Vergrössern auf das Bild klicken!

Wie das Essen im Restaurant Seeblick Hüsli ist, weiss ich nicht, aber die Aussicht ist grossartig: Der Blick schweift vom Hüsli über die Horwer Bucht und die Horwer Halbinsel, Hergiswil (unten am See), den "Chrüztrichter" (wo die vier Arme des Vierwaldstättersees zusammenkommen), die Rigi, den Bürgenstock und den Lopper (rechts). Wo die felsigen Flanken des Loppers in den See tauchen, ist am gegenüberliegenden Ufer Stansstad auszumachen. Und im Schatten des Loppers ein langer weisser Strich im See: das ist die ehemalige Ponton-Ersatzbrücke für die Uferstrasse, die wegen Steinschlag und Felsabbrüchen monatelang nicht benutzbar war.

3 Heuen mit dem Laubbläser

Ein Stück weiter oben duftet es wunderbar nach Heu und noch ein Stück weiter ist es recht lärmig:
Ein Bauer ist dabei, an mit einem Laubbläser sein Heu "zusammenzurechen" — eine ganz neue Art des Heuens, die ich so noch nie gesehen habe. Ja, die Zeiten ändern sich...


4 Eine 450 Jahre alte Kapelle



Von der 1567 erbauten Kapelle bei den Rengghöfen ist es noch zehn Minuten bis zur Passhöhe.

5 Strategischer Übergang a. D.

Für Leute, die nicht mit einem Schiff unterwegs waren, war der Renggpass (886 m. ü. M.) früher der direkteste Weg von Luzern in den Süden — es war einfacher, weniger gefährlich und nicht unbedingt länger, oben drüber zu gehen als unten durch. Dass der Pass strategisch wichtig war, daran erinnern alte Grenzsteine und ein Gedenkstein (vgl. www.steinzeichen.ch). 1859 änderte dies schlagartig: Mit der Eröffnung der Lopperstrasse war es einfacher, den Lopper zu umfahren. Heute hat dieser Felsriegel mehr Löcher als ein Emmentaler Käse: Bahntunnels führen von Hergiswil Richtung Stans - Engelberg und Alpnach - Brünig - Interlaken. Hinzu kommt eine Autobahnverzweigung — die Autostrasse A8 zweigt unterirdisch von der A2 Richtung Brünig ab.

6 Im Landeanflug auf den Flugplatz Alpnach



Nach einem Abstieg durch den Wald erhaschen wir durch die Bäume einen ersten Blick auf den Alpnachersee. Das Seitental, das am Horizont in der Bildmitte zu erkennen ist, ist das Melchtal, das auf die Melchsee-Frutt führt, wo Frau Frogg und der Kulturflaneur manchmal die Skiferien verbringen.

7 Kein Durchgang

Von diesem Holzschlagplatz mit tollem Panorama geht der Blick über den Alpnachersee nach Osten Richtung Stans und Buochserhorn...



...und nach Süden Richtung Brünig und Berner Oberländer Alpen, doch der Weg auf die andere Seite des Tobels ist wegen Holzschlag gesperrt, so dass wir unsere Wanderroute ändern mussten.



8 An lieblichen Gestaden

Nach dem steilen Abstieg entlang des Widibachtobels, der Unterquerung von Zentralbahn und A8 gelangen wir an die Gestade des Alpnachersees.

Lärmschutzwände trennen die Häuser von Niderstad und den Wander- und Veloweg von der Autobahn. Rechts der Blick zurück ins Widibachtobel, das wir weit oben wegen Holzschlags nicht überqueren konnten.

Entlang des Ufers des Alpnachersees geht es Richtung Schifflände Alpnachstad:



Und hier kommt auch schon das Dampfschiff Unterwalden, das uns zurück nach Luzern nimmt:



9 Das Ziel unserer Sonntagswanderung: Alpnachstad

Nach gut zwei Stunden reiner Wanderzeit sind wir am Ziel unserer Wanderung: in Alpnachstad. Und wir freuen uns auf das Mittagessen auf dem Dampfschiff.

Alpnachstad mit Talstation der Pilatusbahn und Raddampfer Unterwalden am Steg.

Fortsetzung:
Eine Dampfschifffahrt ist lustig

Mittwoch, 25. Mai 2011

Polaroid for ever!

"Das Polaroidfoto lebt! Der Wiener Florian Kaps stellt unter dem Namen Impossible neue Filme für alte Sofortbildkameras her. Und er ist überzeugt, dass das Zukunft hat.", schreibt der Zürcher Tagesanzeiger heute im Lead zu einem ganzseitigen Artikel über die Kamera mit Kultstatus und die Ausstellung Facing the Impossible in Zürich — ein willkommener Anlass für eine Hommage.

Ich geb's ja zu: Ich bin erst Fan dieser Sofortbildkamera, seit es sie nicht mehr gibt — die Bilder waren mir oft zu schlecht und das Filmmaterial immer zu teuer. Den Charme dieser analogen Art zu fotografieren habe ich erst mit diesem digitalen Gadget, auf das mich mein Bruder hinwies, wiederentdeckt:


Polas schiessen ohne Polaroid-Kamera — leicht gemacht: Gratisprogramm Poladroid downloaden, installieren und starten, digitale Bilder auf die Kamera ziehen und schon geht's los! Das Geräusch einer analogen Polaroid-Kamera ist zu hören und auf dem Desktop erscheint ein Bild, das sich wie ein richtiges Pola allmählich entwickelt (siehe oberstes Bild mit zwei Bildern in unterschiedlichen Stadien). Natürlich weisen die poladroidisierten Bilder auch die charakteristischen Farbveränderungen auf. :-))

Die 1937 gegründete Firma Polaroid war so erfolgreich, dass ihr Name zu einem Synonym für Sofortbilder wurde. Doch mit dem Aufkommen der Digitalfotografie ging es mit Polaroid bergab. Als dann ein Betrüger auch noch einen Schaden von 3.5 Milliarden US-Dollar anrichtete, musste die Firma am 18. Dezember 2008 Insolvenz anmelden. Gemäss Wikipedia stellt Polaroid schon seit Februar 2008 keine Sofortbildkameras mehr her und am 17. Juni 2008 wurde auch die Produktion von Polaroid-Filmen eingestellt. Zu den besten Zeiten hatte das Unternehmen mit über 1000 Angestellten jährlich über 30 Millionen Filme produziert.

Das klägliche Ende von Polaroid rief die Fans auf den Plan: Mit Hamsterkäufen deckten sie sich noch mit Filmvorräten ein. Als Trost entwickelte Poladroid (mann und frau beachte den kleinen Unterschied) die digitale Polaroid-Kamera:


Das Official POLADROID demo video - v0.9.5 von paul_ladroid für alle, die das Geräusch nochmals hören, aber das Programm nicht runterladen wollen...

Mirakulöse Rettung in letzter Sekunde

Im letzten Moment und unter glücklichen Umständen (vgl. Artikel im Tagi) konnte der Wiener Florian Kaps die Produktionsmaschinen der letzten Polaroidfilm-Fabrik im holländischen Enschede kaufen — fehlte nur noch die Filmrezeptur, die er und ein paar Polaroid-Leute neu austüfteln mussten, weil sie keinen Zugang zur alten hatten. Inzwischen stellt seine Firma Impossible jährlich je eine Million Schwarzweiss- und Farb-Filme her. Geplant ist auch die Produktion einer neuen Kamera, weil die neuen Filme nicht 100%ig zu den alten Kameras passen.

Auch die wieder auferstandene Firma Polaroid gemerkt, dass ihr ehemaliges Starprodukt noch nicht das Ende des Lebenszyklus erreicht hat: Unter dem Label "Classic Instant" verkauft sie die neue Polaroid 300 und dazu passende Filme — allerdings nur in den USA und auch das nur halbherzig. Nach wie vor setzt Polaroid auf die digitale Fotografie und verkauft daneben Sonnenbrillen, Fernsehapparate, Computerzubehör etc.. Auch Lady Gaga, seit 2010 Creative Director von Polaroid, hat bemerkt, dass die alten Polas Kult sind: Auf der Homepage unter dem Stichwort "The Movement" betreibt Polaroid in Zusammenarbeit mit Flickr eine Foto-Galerie — am Widerspruch, dass die analogen Polaroid-Bilder zuerst digitalisiert werden müssen, um sie ins Netz zu stellen, stört sich niemand und auch nicht an der Tatsache, dass ein Teil der hochgeladenen Bilder ganz offensichtlich keine Polaroid-Bilder sind. Polaroid for ever — aber sicher nicht so!

Hinweis:
Die Ausstellung Facing the Impossible im ewz-Unterwerk Selnau in Zürich dauert noch bis am 29. Mai.
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