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Donnerstag, 14. Juli 2011

Türkisch ist schwierig, Deutsch aber auch

Wie ich in einem früheren Beitrag über den Türkisch-Crashkurs schon einmal festgestellt habe, ist Türkisch gar nicht so einfach. Ein Quantum Trost bietet die Tatsache, dass die TürkInnen umgekehrt mit der deutschen Sprache ebenfalls ihre liebe Mühe haben.

Das Restaurant Ceylan (türkisch für "Gazelle"), wo es die wunderbar erfrischenden Sommerdrinks nicht virtuell, sondern real gibt, ist spezialisiert auf Gözleme, dünne gefüllte Fladenbrote, eine anatolische Spezialität zwischen Crèpes und Pfannkuchen.



Nach dem Essen brachte der Kellner, der leidlich deutsch konnte, jeweils solche Erfrischungstüchlein und sagte: "Guten Appetit!". Das irritierte uns ein wenig, weil: Gespiesen hatten wir doch gerade. Wir konnten uns das nur so erklären, dass "Afiyet olsun!" nicht nur "Guten Appetit!" heisst, sondern auch so etwas wie "Wohl bekomm's!" — und deshalb im Gegensatz zu "Guten Appetit!" auch nach dem Essen noch jemandem gewünscht werden kann. Und tatsächlich: Das Übersetzungsprogramm spuckt im Zusammenhang mit "Guten Appetit!" auch das Wort Wohlbefinden aus. Ja, auch Deutsch ist voll von kulturellen Sprachfallen!

Dienstag, 12. Juli 2011

Sommerdrink in Downtown Çıralı

Heute ist es zu heiss, um zu bloggen. Deshalb schicke allen einen virtuellen Sommerdrink aus dem südtürkischen Çıralı. Prost!



Çıralı ist ein verschlafener Badeort, etwa 60 Kilometer westlich von Antalya. Ausser einem langen Strand, über 50 kleinen Pensionen und vielen Restaurants gibt es nur wenig touristische Infrastruktur — sogar der Bancomat ist eine provisorische Installation auf vier Rädern. Und das hier ist Downtown Çıralı:

An der "Hauptstrasse" von Çıralı — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Montag, 11. Juli 2011

Mit Garaventa auf den Sitz der Götter

Ein bisschen verrückt war er schon, der Tscheche Jan Jirotka, der sich in Kopf gesetzt hat, gegen alle Widerstände eine Seilbahn auf den Tahtalı (2365 m.ü.M.) zu bauen. Die alten Griechen glaubten, dieser markante Berg im Taurusgebirge sei der Sitz der Götter. Deshalb heisst die längste Seilbahn Europas «Olympos Teleferik».

Das Schweizer Fernsehen zeigte im Sommer 2008 eine Reiseserie mit dem Titel «Fernweh - Rund ums Mittelmeer». In der vierten Folge klapperten die Moderatorin Mona Vetsch und ihr Team die Küsten der Länder 11 und 12 ab: die Türkei und Griechenland. Die erste halbe Stunde könnte ein Fernsehbericht über unsere Ferien in der Südtürkei sein. Es kommen vor: Antalya, der Tahtalı, der Strand von Çıralı, der lykische Weg (Weitwanderweg), die Chimaira, Üçağız und die versunkene Stadt vor der Insel Kekova und die vom Aussterben bedrohte Schildkrötenart "Caretta Caretta".

Der sechsminütige Bericht über den Seilbahnpionier Jan Jirotka (ab 05:15), der seinen Traum einer Bahn auf den Olymp gegen alle Widerstände realisiert hat, ist sehr gut gemacht und hat das Zeug zu einer griechischen Heldentragödie:

SF Spezial vom 29.07.2008

Aus dem Vaterland der Bergbahnen kommend, war der für türkische Verhältnisse teure Ausflug auf diesen Berg für uns ein Must — war doch die Schweizer Seilbahnfirma Garaventa (seit 2002 mit der österreichischen Doppelmayr fusioniert) am Bau der Bahn massgeblich beteiligt.


Der Blick von der Talstation auf den Tahtalı und von der Bergstation auf die Küste und das Mittelmeer

Auch wenn es da oben zwei Webcams gibt, darf natürlich das grossartige Panorama nicht fehlen:

Das Panorama vom Sitz der Götter, 24. Juni 2011 — zum Vergrössern aufs Bild klicken!


Wenn schon die Bahn von Garaventa ist, dann durfte im sonst typisch türkischen Angebot des Souvenirshops eines nicht fehlen: das Schweizer Sackmesser von Victorinox:



Und noch etwas durfte auf einem türkischen Berg nicht fehlen: die türkische Fahne, die stolz im Wind flattert:



Ein letzter Blick auf die Olympos Teleferik, die Küste und das Meer:



Schon auf der Bergfahrt ist uns aufgefallen, dass jedesmal wenn die Kabine über eine Stütze fährt, ein ziemliches Gequietsche und Gelärme losgeht — viel lauter als in der seilbahngewohnten Schweiz, wo die Fahrgäste cooler bleiben. Voilà:

Sonntag, 10. Juli 2011

Bellerophon vs. Chimaira

Eine uralte Geschichte neu erzählt. In den Hauptrollen: der schöne Jüngling Bellerophon, sein fliegendes Pferd Pegasos und das dreigestaltige Ungeheuer Chimaira. In den Nebenrollen: König Proitos von Tyrins, der Lykierkönig Iobates, seine Tochter und Femme fatale Stheneboia sowie der Chefgott himself. Ort der Handlung: Lykien, Ort des Showdowns: Yanartaş, türkisch für "brennender Stein" im Hinterland von Çıralı.

Die Story beginnt mit einer unerwiderten Liebe und einer falschen Beschuldigung wegen Vergewaltigung und endet mit Rache, Hybris und Raserei. Bellerophon ist auf der Flucht, weil er einen Mord begangen hat. Er landet am Hof von Proitos, König von Tyrins, einer kretisch-mykenischen Stadt auf dem Peloponnes. Dessen Ehefrau Stheneboia verliebt sich in Bellerophon. Als aber der schöne Jüngling auf ihre Annäherungsversuche nicht eingeht, beschuldigt sie ihn bei Proitos, er habe sie zu vergewaltigen versucht. In der Folge schickt Proitos Bellerophon zu seinem Schwiegervater Iobates in Lykien und bittet diesen in einer geheimen Message, Bellerophon zu töten. Doch dem Lykierkönig fehlt der Mut dazu, er schickt stattdessen den schönen Jüngling auf eine tödliche Mission: Er soll die Chimaira töten.

Wie dieses Ungeheuer aussieht, weiss nach wie vor niemand so genau. Es sei eine Kreuzung aus einem Löwen, einer Schlange und einer wilden Ziege, wird berichtet. Die Fandungsbilder zeigen die verschiedenen Erscheinungsformen des vielgestaltigen Monsters:

Chimaira
Bildquellen:
https://www.simon-schellhaas.de/chimaere.htm
https://feuerschweif.de/fabelwesen/chimaere.html
https://manuelapaetow.ma.funpic.de/index.php/fantasy-mythen-sagen/fabeltiere/189-chimaere
https://www.laborjournal.de/rubric/archiv/stichwort/w_08_11.lasso

Die Götter stehen Bellerophon auf dieser Mission impossible bei: Poseidon schenkt ihm das fliegende Pferd Pegasos, Athene hilft ihm bei dessen Zähmung. So kann er aus sicherer Höhe seine Pfeile gegen das Untier schiessen. Als Bellerophon seine Lanze der Chimaira in den feuerspeienden Rachen stösst, schmilzt das Blei der Lanzenspitze und läuft dem Vieh in den Bauch — und Blei im Bauch ist auch für Chimären im höchsten Grad ungesund... Die antike Feuerbrigade konnte allerdings das Feuer-Organ der erlegten Chimaira nie ganz unter Kontrolle bringen — das Feuer lodert am Ort des Showdowns immer noch aus dem Fels:



Mit der Tötung der Chimaira wird Bellerophon zum Held und als Dank für die Befreiung Lykiens von dieser Landplage gibt ihm König Iobates seine Tochter zur Frau und einen Teil seines Reichs dazu. Doch Bellerophon ist mit diesem Happyend nicht zufrieden — er will sich an Stheneboia rächen, die all seine Leiden verschuldet hat. Er entführt sie und wirft sie vom Rücken seines Flugrosses ins Meer.

Vom Ende dieser doch recht tragischen Story kursieren mehrere Versionen: Gemäss Homer goutieren die Götter dies gar nicht, Bellerophon wird wahnsinnig und stirbt. Gemäss Pindar versucht Bellerophon in einem Anfall von Hybris, auf dem Pegasos in den Olymp zu gelangen. Worauf Götterchef Zeus eingreift und das Pferd zur Raserei bringt. Pegasos wirft Bellerophon ab und fliegt allein auf den Götterberg, wo das Flugpferd seither für Zeus den Blitz-und-Donnerwagen zieht.

Fly Pegasus or fly pigs?
Bilder zu Frau Frogg's Kommentar über die flying pigs:

FlyPigs
Bildquellen:
https://wspegas.wz.cz/galerie_jednorozci.htm
https://en.wikipedia.org/wiki/Flying_pig

Samstag, 9. Juli 2011

Zürichs neue Masche

Gestern haben Frau Frogg und ich im Rahmen unserer Ferien im Inland einen Ausflug nach Downtown Switzerland gemacht, um uns die Riesenspinne von Louise Bourgeois, den Chinagarten und die Strickkunst-Ausstellung «Neue Masche - gestrickt, gestickt und anders» im Museum Bellerive anzuschauen.



Diese Riesenspinne von Louise Bourgeois, eine ebenso faszinierende wie bedrohliche monumentale Bronzeplastik mit dem Titel Maman (1999), krabbelt durch die Schweiz und macht Werbung für die kommende Ausstellung in der Fondation Beyeler in Riehen / Basel zum 100. Geburtstag der Künstlerin, die am 31. Mai 2010 gestorben ist. «Maman», die Mutter aller Spinnen, ist noch bis zum 31. Juli am Bürkliplatz in Zürich und krabbelt dann weiter nach Genf.

Die Louise Bourgeois-Ausstellung in der Fondation Beyeler ist vom 3.9.2011 bis am 8.1.2012 zu sehen.


Der Kulturflaneur im Chinagarten, aufgenommen von Frau Frogg

Den Chinagarten in Zürich, ein Geschenk der Partnerstadt Kunming, wollte ich seit seiner Eröffnung im Frühjahr 1994 einmal besuchen — jetzt habe ich es endlich geschafft. Doch schon unmittelbar hinter dem Eingangstor standen wir am Berg, am künstlichen Berg. Dazu lasen wir im Begleitheft: "Die chinesische Bezeichnung für Landschaft, shan shui, bedeutet wörtlich «Berg und Wasser»." Wie passend, dachten wir, das ist die perfekte Fortsetzung unseres Besuchs bei den Post-Shanshui-KünstlerInnen. Und tatsächlich: Die «Drei Freunde im Winter» (das Motto des Chinagartens Zürich) sind einen Besuch wert — der Chinagarten erwies sich als erholsames und dennoch anregendes Gesamtkunstwerk, das Natur, Kunst, Philosophie und Dichtung vereinigt.

Drei Panoramen in 3D auf www.swisspanoramas.ch zeigen den Chinagarten aus verschiedenen Perspektiven und vermitteln einen guten Eindruck.

Chinagarten Zürich, Bellerivestrasse 138, 8008 Zürich, Telefon 044 380 31 51. Geöffnet vom 26. März bis 23. Oktober 2011, täglich von 11 - 19 Uhr.


Umhäkelter Stierkopf in der Ausstellung «Neue Masche», Bild: Michaela Bernhard

Nachdem ich in meinem Eintrag vom 27. Januar 2011, der monatelang die Liste meiner Top 5 Beiträge anführte, die Frage aufwarf "Kann Stricken Kunst sein?", musste ich einfach diese Ausstellung im Museum Bellerive in Zürich besuchen: «Neue Masche - gestrickt, gestickt und anders» zeigt gestrickte, gestickte und gehäkelte Objekte in einer unglaublichen Vielfalt. An den Schnittstellen zwischen bildender Kunst, Mode und Produktdesign entsteht Neues, das mit traditioneller Handarbeit nur noch die Technik gemeinsam hat. Die ausgestellten Werke haben oft etwas Witziges an sich und vermögen nicht selten zu irritieren, einfach weil ein ungewöhnliches Material (gehäkelter Tisch) oder eine ungewöhnliche Technik (gestickte Rückennummern) zum Einsatz kommt. Die «Neue Masche» — eine sehenswerte Ausstellung im Zürcher Museum Bellerive. Wer diese Ausstellung noch sehen will, muss sich schon bald beeilen: Sie dauert nur noch bis zum 24. Juli 2011.

Museum Bellerive, Höschgasse 3, 8008 Zürich, Telefon 043 446 44 69. Im Sommer geöffnet von Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr, am Donnerstag bis 20 Uhr.

Freitag, 8. Juli 2011

Shanshui — Post-Shanshui

Mit der Verhaftung des Ko-Kurators Ai Weiwei machte die Ausstellung «Shanshui - Poesie ohne Worte? Landschaft in der chinesischen Gegenwartskunst» im Kunstmuseum Luzern schon vor ihrer Eröffnung von sich reden (vgl. Eintrag vom 23 Mai). Gestern habe ich mir endlich die Ausstellung angesehen: Was auf Anhieb beschaulich tönt, entpuppt sich beim genauen Hinsehen als interessante Auseinandersetzung chinesischer Gegenwartskunst mit der 1500 Jahre alten «Berg-Wasser-Malerei».

In einem Kabinett am Anfang der Ausstellung zeigen die drei Kuratoren Ai Weiwei, Peter Fischer und Uli Sigg einige historische Shanshui-Bilder, damit klar wird, auf welche lange und reiche Tradition sich die chinesischen GegenwartskünstlerInnen beziehen. Diese Leihgaben aus dem Museum Rietberg in Zürich und dem Musée Guimet in Paris sind sozusagen das Resumée der über tausend Jahre alten Tradition der Landschaftsmalerei — es versteht sich von selbst, dass mit ein paar wenigen Werken kaum gelingen kann, die damit verbundene Philosophie und Gedankenwelt zu vermitteln. Den damaligen Künstlern aus der gebildeten Oberschicht ging es nicht darum, Natur perfekt abzubilden, sondern ihre Gefühle und bestimmte Botschaften zu vermitteln. Die gemalten Landschaften waren also Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und oft ein Code für persönliche Messages, politische Aussagen beispielsweise. Verlässt man das Kabinett mit den historischen Shanshui-Werken, hat man immerhin einige Bilder oder Malstile im Kopf, die man vielleicht schon früher einmal gesehen hat, und weiss, dass klassische Shanshui-Bilder Tuschmalereien sind oder als Blau-Grün-Landschaften daherkommen.


«Chinese Landscape Tattoo, No 6» von Huang Yan
(C-Print, 50,5 x 61,5 cm, 1999)
Quelle der Bilder: Kunstmuseum Luzern

Der Katalog unterscheidet bei den neueren Shanshui-Werken zwei Perioden: die ideologisch weiterentwickelte Shanshui-Malerei der Moderne (spätes 19. Jahrhundert bis Ende der Mao-Ära) und postmoderne Shanshui-Bilder. Die eigentliche Ausstellung umfasst etwa 70 Werke chinesischer Gegenwartskunst, die alle aus der Sammlung Sigg stammen und einen Bezug zur traditionellen Shanshui-Malerei haben. Bei fast allen Werken geht es naturgemäss um Landschaft und einen eigenen Anknüpfungspunkt des Künstlers oder der Künstlerin:

Landschaft & Körper
Huang Yan beschäftigte sich eingehend mit der klassischen Shanshui-Malerei und kam zum Schluss, dass die damaligen Literati-Maler sich mit ihren Landschaften selbst darstellten. Er schreibt: «Eine Landschaft zu malen heisst, einen Menschen zu malen, sich selbst zu malen.» Huang Yan begann 1994 sich selber zu bemalen — mit chinesischen Landschaften. Die Serie «Chinese Landscape Tattoo» (Bild oben) besteht aus Fotografien vom Oberkörper und den Armen des Künstlers in unterschiedlichen Posen — sehr eindrücklich.


«It Looks Like a Landscape» von Liu Wei
(Digitalfotografie, 306 x 612 cm, 2004)

Die Körperteile, die auf dem Post-Shanshui-Bild von Liu-Wei abgebildet sind, sehen tatsächlich aus wie eine chinesisch Landschaft, tauchen shanshuimässig aus dem Nebel auf — und zaubern einem ein Schmunzeln aufs Gesicht.

Landschaft & Stadt
China besteht zwar aus weiten, fast menschenleeren Landstrichen, aber heute auch aus boomenden Mega-Cities, so dass zeitgenössische Shanshui-Künstler nicht umhin können, sich mit chinesischen Stadt-Landschaften zu befassen:


Detail von «View of Tide» von Yang Yongliang
(Inkjet-Print auf Reispapier, 45 x 1000 cm, 2008)

Bei diesem zehn Meter langen Bild von Yang Yongliang lohnt es sich genau hinzuschauen: auf den ersten Blick sind Berge und Wasser in einer fast unendlichen Abfolge arrangiert wie in klassischen Shanshui-Bild, auf den den zweiten Blick entpuppen sich die Berge als Berge von Hochhäusern und die Wälder als Wälder aus Starkstrommasten und auf den dritten Blick gibt es viele kleine Details zu entdecken.

Auch Ai Weiwei beschäftigt sich mit Stadt-Landschaften: ein ganze Wand voll grossformatiger Fotos (C-Prints, 97 x 122 cm), die «Provisional Landscapes» zeigen, Stadt-Landschaften im rasanten Wandel. Ihnen allen gemeinsam ist, dass das Alte schon verschwunden, das Neue aber noch nicht da ist. Die unterschwellige Botschaft dieser Post-Shanshui-Landschaften ist Trauer über das Verschwundene und Neugier auf das, was noch kommt. Geile Stadtbilder, die die rasend schnelle Veränderung der chinesischen Städte dokumentieren und vielleicht auch anprangern.

Landschaft & Technologie
Die rasante und oft destruktive technologische Veränderung Chinas wird ebenfalls zu einem Thema der Post-Shanshui-Künstler:

«Untitled (Flight Plan)» von Yuan Xiaofang
(Öl auf Leinwand, 160 x 200 cm, 1994)

Yuan Xiaofang verwendet in seinen poppigen Landschaftsbildern Blau-Grün-Landschaften von Shanshui-Malern der Nördlichen Song-Dynastie (960 - 1127) und kontrastiert sie mit Kampfjets und Helikoptern. Diese Fluggeräte, die auf zum Teil aggressiv auf den Betrachter zufliegen, wirken wie Fremdkörper über einer entrückten, «heilen Welt». Idyllische Landschaften aus Vergangenheit und brutale Technologie der Gegenwart in einem Bild zu vereinen — das kann nur ein Post-Shanshui-Künstler aus China.

Bei den 70 ausgestellten Post-Shanshui-Werken handelt es sich nicht nur um Bilder, es sind auch einige Videoarbeiten, Rauminstallationen und Plastiken dabei. Nicht alle Werke vermochten mich zu packen, aber viele sind sehenswert und einige faszinierend. Auch ohne Bezug zur klassischen Shanshui-Malerei ist diese sorgfältig gemachte Ausstellung chinesischer Gegenwartskunst absolut sehenswert, die spürbare Auseinandersetzung dieser zeitgenössischen Künstler und Künstlerinnen mit einer vergangenen Kunsttradition macht sie aber besonders interessant und einzigartig — eine spezielle Ausstellung, die in dieser Art nicht so schnell wieder zu erleben sein wird.

Die Ausstellung «Shanshui - Poesie ohne Worte? Landschaft in der chinesischen Gegenwartskunst» im Kunstmuseum Luzern dauert noch bis am 2. Oktober 2011.

Der Katalog in Deutsch und Englisch, herausgegeben von Peter Fischer, ist eine tolle Dokumentation mit erhellenden Texten von Ai Weiwei, Nataline Colonnello, Britta Erickson, Peter Fischer, Hu Mingyuan, Katja Lenz, Uli Sigg, Yin Jinan und Zhang Wei. Er umfasst 240 Seiten, ist 2011 im Hatje Cantz Verlag, Ostfildern (D), erschienen, kostet 54 Franken und ist im Museumsshop erhältlich.


Mittwoch, 6. Juli 2011

Zackenbarsch in drei Phasen

Das Essen in der Türkei sei ähnlich wie das griechische Essen — nur besser. Dieser Aussage kann ich nur zustimmen. Türkisches Essen ist weit mehr als Döner Kebab oder Lahmacun — die Mezeler (Vorspeisen) sind meist so hervorragend, dass man locker den Hauptgang weglassen kann. Aber am Meer sollte man keinesfalls auf "tagfrischen" Fisch verzichten.

Im Strandrestaurant im idyllischen Badeort Çıralı assen wir einen Zackenbarsch, den besten Mittelmeerfisch, wie uns der Kellner versicherte.

Phase I: Der Fisch unserer Wahl auf der Waage

Dieser Zackenbarsch wog knapp ein Kilo und kostete gebraten auf dem Teller 70 türkische Pfund, also etwa 42 Franken.

Phase II: Der gebratene Fisch wird serviert

Der Kellner brachte den gebratenen Zackenbarsch, der auf geniale Art und Weise bereits in zwei Teile geteilt war.

Phase III: Was von einem Zackenbarsch übrigbleibt

So ein Zackenbarsch ist wahrlich nicht zu verachten und wir haben uns nicht einmal überessen!

Montag, 4. Juli 2011

Antalya ist eine Reise wert

"Antalya ist ohne Zweifel die schönste Stadt der Welt", soll Kemal Atatürk, Begründer der modernen Türkei, in den 30er Jahren einmal gesagt haben. Das war sicher schon damals ziemlich übertrieben, aber auch heute noch gibt es gute Gründe für eine Reise nach Antalya:

1. Lange Geschichte


Erst 158 v.Chr. von König Attalos von Pergamon gegründet, ist Antalya zwar für anatolische Verhältnisse eine relativ junge Stadt, hat aber in über zwei Jahrtausenden dennoch schon viel erlebt, das im Stadtbild Spuren hinterlassen hat. 130 n.Chr. kam z.B. der römische Kaiser Hadrian auf Besuch. Zu seinen Ehren wurde dieses Tor errichtet. Später war Antalya eine wichtige Hafenstadt: Hier schifften z.B. die Kreuzfahrer nach Palästina ein. 1207 eroberten die Seldschuken die Stadt. Von 1391 bis 1918 hatten schliesslich die Osmanen das Sagen.

2. Tolles Museum



Die Mittelmeerküste der Türkei ist ein Paradies für Archäologen: An jeder Ecke finden sich irgendwelche Trümmer und Fundstücke aus der Vorzeit — das Antalya Müzesi präsentiert nur die schönsten und interessantesten Relikte aus der Region. Es verfügt über eine der bedeutendsten archäologischen Sammlungen der Türkei und ist damit ein absolutes Must für Kulturinteressierte. Dieses wunderschöne Relief einer bacchanalischen Szene z.B. ziert einen der zahlreichen Sarkophage. Frau Frogg, die das Bild gemacht hat, war ganz begeistert...

3. Schöne Altstadt



Die Ferienmetropole mit rund 700'000 EinwohnerInnen hat aber auch — wer hätte das gedacht — eine sehenswerte Altstadt mit schönen, alten Häusern, verwinkelten Gassen und lauschigen Ecken. In Kaleiçi, so heisst Antalyas Altstadtquartier innerhalb der historischen Stadtmauern, gibt es zahlreiche kleinere Hotels und Pensionen, die sich als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region oder auch an den Strand bestens eignen.

4. Guter Ausgangspunkt

Antalya ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Region: Sei es ein mehrtägiger Ausflug mit einem traditionellen Gulet-Holzboot, sei es eine Exkursion zu den Ruinen von Termessos oder Perge, sei es eine Fahrt an die Düden-Wasserfälle, sei es ein Konzert mit den Wiener Philharmonikern in einem antiken Amphitheater — in Antalya ist das Angebot möglicher Ausflüge riesig, doch wie so oft in der Türkei ist es weiter als man denkt.

5. Wasserspiele

Antalya ist eine Stadt der Wasserspiele. Schon am zweiten kamen wir an einer Brunnenanlage vorbei, die in einer Choreografie zu Richard Wagners Walkürenritt Wasser in Fontänen aufsteigen, kreuz und quer spritzen und plätschern liess. Was schon am Tag zahlreiches Publikum anlockte, muss nachts noch spektakulärer aussehen, wie dieses Youtube-Video zeigt:


Wasserspiele zur Hymne auf Alanya
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