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Dienstag, 7. Februar 2012

Lesung im Hallenstadion

Im Dickens-Jahr wird der Erfinder des modernen Literaturbetriebs gefeiert wie noch nie — doch erst gestern wurde mir klar, was für ein Star Charles Dickens (1812 - 1870) schon zu seiner Zeit war.

Ein hörenswerter Beitrag Der Star aus der Gosse im Echo der Zeit zeigte mir, dass Dickens den modernen Literaturbetrieb erfunden hat: Er machte den vulgären Fortsetzungsroman salonfähig. Schon sein Frühwerk wurde mit Fanartikeln hemmungslos vermarktet. "In seinem letzten Lebensjahrzehnt erfindet Dickens die öffentliche Lesung. Er liest für ein zahlendes Publikum aus seinen Werken und bringt Säle mit 2 - 4000 Plätzen zum Kochen. Hysterische Anfälle und Ohnmachten ereignen sich serienweise. 'Welch ein Gefühl, Macht zu haben!' jubelt Dickens."

Fürwahr: Dickens war der erste Popstar in der Literatur und würde heute im Zürcher Hallenstadion auftreten.

Sonntag, 5. Februar 2012

Swissness? Spielerische Swissness!

Noch an der Weltausstellung 1992 in Sevilla waren wir sicher, dass es uns gar nicht gibt. Zehn Jahre später behaupten wir das Gegenteil und zelebrieren die Swissness wie noch nie, so dass man Gefahr läuft erschweizert zu werden. Doch manchmal trifft man auch auf einen intelligenten, spielerischen und witzigen Umgang mit Swissness.


An der Weltausstellung 1992 behauptete der Künstler Ben Vautier keck, dass die Schweiz nicht existiert (Bildquelle: Blog von Christoph Roos, der sich ebenfalls über Swissness Gedanken macht) — heutzutage sind im Sommer häufig solche Schweizerkreuz-T-Shirts auszumachen, die mit offensichtlichem Stolz getragen werden (Bildquelle: www.switzerland.org).

Mir ist solch offensichtlich zur Schau getragener Nationalstolz suspekt, aber interessant ist, dass sich in den letzten zehn, zwölf Jahren zahlreiche Kulturprojekte auf innovative Weise mit der Schweiz, ihrem Selbstverständnis und den helvetischen Wurzeln auseinandersetzten:
  • In der Volksmusik z.B. gibt es neben den ganz traditionellen Musikgruppen und Jodelchören schon länger eine Strömung, die die musikalischen Wurzeln neu interpretiert und mit zeitgenössischer Musik kombiniert: Etwa das Trio Doppelbock mit Christine Lauterburg, das lebendigen urbanen Schweizer Folk spielt und am 24.2. im Kreuz Solothurn auftritt, oder Eliana Burki, die mit ihrer Band iAlpinisti zeigt, dass dem Alphorn auch jazzige und funkige Töne zu entlocken sind.
  • Unter den Schweizer Filmen, die an den soeben zu Ende gegangenen 47. Solothurner Filmtagen präsentiert wurden, hat DRS-Filmredaktor Michael Sennhauser einige Filme gesehen, die durchaus als innovative Heimatfilme durchgehen. Aus der Sparte Dokumentarfilm, einer Stärke des hiesigen Filmschaffens, hat er zwei Film herausgehoben, die sich kritisch mit der Rolle der Schweiz im Globalisierungsprozess auseinandersetzen: Vol spécial und Bottled Life.
  • Dass sich die helvetische Literaturszene ständig mit der Schweiz auseinandersetzt, liegt in der Natur der Sache: Wir sind innerhalb einer Sprache zweisprachig (vgl. Referat von Hugo Loetscher: Unser klassisches Deutsch). Wie fruchtbar diese Auseinandersetzung in den letzten Jahren war, bleibe dahingestellt. Festzustellen ist jedenfalls, dass wieder mehr AutorInnen in Mundart schreiben: Ernst Burren, Pedro Lenz, Guy Krneta, Sandra Künzi, Beat Sterchi und Gisela Widmer.
  • Auch im Theaterbereich gibt es immer wieder Stücke, die sich mit Swissness auseinandersetzen: z.B. die Gotthelfadaption Anne Bäbi im Säli von Beat Sterchi oder das Stück Eidgenössisch Moos von Ruedi Häusermann, Herwig Ursin, Jan Ratschko — einen guten Eindruck vermittelt dieses Video:


Ausschnitte aus Eidgenössisch Moos, hochgeladen von Ochsenklar.

Der Clip zeigt, wie viel Spielfreude das Schauspieler/Musiker-Trio an den Tag legt, um fürs Publikum Augen- und Ohrenwitz zu produzieren. Das Stück ist eine furiose Szenencollage: Die Vorbereitungen für den alljährlichen Unterhaltungsabend bilden die Rahmengeschichte — Proben, Sitzungen des OKs und das Hin und Her um die musikalische Unterhaltung werden unterbrochen von zahlreichen, ebenso liebevoll gezeichneten Nebengeschichten: einem Diavortrag über Kasi Geisser (eine Grösse der Schweizer Volksmusik), kulinarischen Kurztexten von Robert Walser, einem Mundartsprachkurs ab Kassettenrekorder, alten Traditionen — neu entdeckt (einer Präsentation von "erfundenen" Bräuchen) etc. etc. — unmöglich, den Überblick zu behalten, aber dennoch gibt es zahlreiche Querverbindungen zwischen den einzelnen Erzählsträngen. Das Resultat: Ein vergnüglicher "Heimatabend" voll Spielfreude und verschrobenem Humor. Und: Nach dem Hin und Her in der Aufführung sorgte das Trio Eidg. Moos nach der Aufführung tatsächlich für musikalische Unterhaltung — mit einer Stubete in der Bar. So spielerisch präsentiert, sind sogar Ländlermusik und die neue Swissness erträglich.

Klar ist jedoch: Die neue Swissness ist eine Gratwanderung. Der Grat zwischen Folklorisierung und unreflektierter Heimattümelei auf der einen Seite und der Vermarktung der Schweiz in einer globalisierten Welt auf der anderen Seite ist extrem schmal. Die neue Swissness stösst nicht überall auf Begeisterung — in einem lesenswerten Essay fordert der Autor Martin R. Dean in der WoZ Ein Bild der Schweiz, das alle einschliesst.

PS. Frage nach Deutschland und Österreich: Gibt es eigentlich auch eine neue "germanness" oder "austrianess"?

Donnerstag, 2. Februar 2012

Eingeschneit

Wenn's so schneit und so kalt ist wie jetzt, dann bleibt der Schnee auf unseren grossflächigen Dachfenstern liegen. Anstelle der Aussicht aufs verschneite Mittelland tritt ein weisser Schneedeckel — und man hat das Gefühl, man sei in einer exotischen Schneehöhle.

Sonntag, 22. Januar 2012

Die SVP macht aus dem Staat Gurkensalat

"Macht aus diesem Staat Gurkensalat!" skandierten wir an den grossen Demos der 80er Bewegung in Zürich. Heute macht sich ausgerechnet die SVP daran, diese dadaistisch-anarchistische Parole umzusetzen: Sie schwächt den Staat, wo sie kann, und stärkt damit den globalen Wettbewerb, denn der Staat ist eine der wenigen Institutionen, die dem Race-to-the-bottom etwas entgegen setzen könnte. Im Steuerwettbewerb der Kantone und der Gemeinden ist der Staat längst selber zu einem Akteur in diesem üblen Abbau-Rennen geworden.

Bildquelle: www.liberaler.ch

Mit ihrem Referendum gegen das Budget 2012, das vom Grossen Stadtrat mit 35 Ja gegen 7 Nein von der SVP verabschiedet wurde, nimmt die SVP die Stadt Luzern und ihre Bevölkerung in Geiselhaft: Durch das Referendum sind nicht nur die Lohnerhöhungen für das städtische Personal, diverse Investitionen und Sanierungsmassnahmen blockiert, sondern auch die Beiträge an die städtischen Partnerorganisationen in den Bereichen Kultur, Sport und Sozialwesen sowie an die Quartiervereine.

Falls das Referendum bis Aschermittwoch zustande kommt, hat die Stadt Luzern frühestens im Mai ein gültiges Budget. Bis dahin können regelmässig ausbezahlte Beiträge in der Höhe von rund 2.5 Millionen Franken nicht ausbezahlt werden. Für städtische Partner, die nicht mit einem grossen finanziellen Polster ausgestattet sind und mit diesen Beiträgen gerechnet haben, kann auch das vorläufige Ausbleiben der städtischen Subventionen den Ruin bedeuten. Mit diesem Budget-Referendum wird Stadt zu einem unzuverlässigen Partner.

Bei den Beiträgen trifft es einmal mehr vor allem die Kultur: 37 kulturelle Institutionen, deren Beiträge von mehr als 2 Millionen Franken von der Stadt nicht vertraglich gesichert sind, bekommen bis im Sommer kein Geld. Die Konsequenz aus dieser Übung wird sein, dass mehr Beiträge vertraglich gesichert werden, so dass sie durch solche fahrlässigen Referenden, die das Vertrauen in die Stadt als zuverlässige Partnerin nachhaltig erschüttern, nicht mehr betroffen sind.

Schlimmstenfalls wird das Referendum angenommen und der Grosse Stadtrat muss ein neues Budget erarbeiten. Das kann bis in den Herbst hinein dauern. Die Stadt Luzern hat mehr als ein halbes Jahr lang kein gültiges Budget und kann nur diejenigen Ausgaben tätigen, zu denen sie vertraglich verpflichtet ist. Was natürlich ganz im Sinn derjenigen ist, die den Staat am liebsten abschaffen würden.

Was kann man gegen dieses Budget-Querulantentum machen? Erstens auf keinen Fall das SVP-Referendum unterschreiben, zweitens mit einer Kampagne darauf hin arbeiten, dass das Referendum nicht zustande kommt, drittens – falls es doch zu einer Abstimmung über das Budget 2012 kommt – der SVP mit einer so massiven Zustimmung zum fraglichen Budget eine Klatsche verpassen, so dass sie nicht so schnell wieder auf eine solche Schnapsidee kommt. Ganz nach dem Motto: Wir lassen uns unsere Stadt nicht von den SVP-Querulanten kaputtmachen.

Samstag, 21. Januar 2012

Stop the race to the bottom

Als ich vorletzten Sommer vor der INURA-Konferenz in Zürich die englische Übersetzung für Steuerwettbewerb suchte, bin ich auf den Begriff race to the bottom gestossen — keine exakte Übersetzung, aber dafür ein um so schöneres Bild für die Konkurrenz zwischen Wirtschaftsblöcken, Nationalstaaten und Regionen um neue Firmen und gute Steuerzahler.

Dieser globale Wettbewerb hat fatale Folgen: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werden Arbeits-, Sozial- und Umwelt-Standards reduziert oder gar gänzlich abschafft, was in einem globalisierten Wettbewerb fast automatisch zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, zu einem Abbau des Sozialstaats und zur Belastung der Umwelt führt. Ein schlanker Staat mit möglichst wenig Vorschriften, einer tiefen Staatsquote und einer geringen Steuerbelastung, sei das Ziel, sagen uns diese neoliberalen Wettbewerbsfetischisten.


Zum Vergrössern auf die Grafik klicken! Die Grafik vergleicht die Steuerbelastungen von besser situierten Familien und mittelständischen Unternehmen in den sechs Kantonshauptorten der Zentralschweiz. Ocker: Die Auswirkungen der vom Kanton Luzern für 2011 geplanten Steuersenkungen. Quelle: Finanz & Wirtschaft Kanton Luzern, 2. Dezember 2008 (PDF).

Auch in der Zentralschweiz hat das Race-to-the-bottom fatale Folgen: Die Kantone versuchen sich im Steuerwettbewerb um tiefere Steuern zu übertreffen. Um Steuersenkungen zu ermöglichen folgt ein Sparpaket auf das andere. Der Kanton Luzern ist jetzt auf den Boden der Realität geknallt: Er wird zwar 2012 die schweizweit tiefsten Steuersätze für Unternehmen haben, die Regierung hat aber bei der Budgetierung 2012 gemerkt, dass es nicht mehr reicht, und wollte deshalb die Steuern von 1.5 auf 1.6 Einheiten anheben (was einer Steuererhöhung um 6.7% entspricht). Am 12. Dezember hat der Kantonsrat das Budget mit 63 zu 42 Stimmen zurückgewiesen, mit der Folge, dass der Kanton noch kein gültiges Budget hat und nur Ausgaben tätigen kann, zu denen er vertraglich verpflichtet ist. Der Regierung muss den Rotstift zücken und dafür sorgen, dass die Steuererhöhung nur noch halb so hoch ausfällt. Die NLZ titelte: Regierungsrat erleidet mit Budget Schiffbruch.

Auch die Stadt Luzern startet ohne gültiges Budget ins neue Jahr. Der grosse Stadtrat hat zwar dem Voranschlag für 2012 mit 35 zu 7 Stimmen zugestimmt, aber die SVP hat dagegen das Referendum ergriffen, weil mit diesem Defizit-Budget 2013 eine Steuererhöhung praktisch unausweichlich sei. Damit hat auch die Stadt kein rechtskräftiges Budget — mit den selben unangenehmen Folgen wie beim Kanton.

Ich meine: Niemand zahlt gerne Steuern und Steuererhöhungen sind unerfreulich — ganz besonders, wenn sie die Folge von Steuersenkungen für Unternehmen sind, aber wenn mit einem solchen Race-to-the-bottom Stadt und Kanton Luzern kaputtgespart werden, dann ist es höchste Zeit, die Abwärtsspirale zu stoppen und dem Schlankheitswahn beim Staat Einhalt zu gebieten.

Dienstag, 10. Januar 2012

Ich bin ein Partisan des Möglichen

Wien ist immer wieder für eine Überraschung gut: Dass da vierteljährlich eine interessante Zeitschrift für Stadtforschung mit dem Namen dérive erscheint, wusste ich. Dass es aber auf Wiens freiem Radio Orange 94,0 auch eine gleichnamige Radiosendung gibt, die monatlich die Stadtentwicklung zum Thema macht, finde ich aber wirklich cool.

2010 hat der Frankfurter Stadtforscher Klaus Ronneberger, ein alter Bekannter von mir, im Rahmen des von dérive veranstalteten Festivals urbanize! einen Vortrag über den 1991 verstorbenen Stadtphilosophen und -soziologen Henri Lefebvre gehalten. Dérive - Radio für Stadtforschung brachte am 3. Januar eine leicht gekürzte Fassung dieses Vortrags, nachzuhören auf dem cultural broadcasting archive. Unter dem Titel "Ich bin ein Partisan des Möglichen" gelingt es Ronneberger in einer knappen halben Stunde, dem Publikum Leben und Werk des unglaublich produktiven französischen Philosophen und marxistischen Stadtforschers näher zu bringen — was nicht einfach ist, sind doch Lefebvres Gedankengebäude hochinteressant, aber auch komplex und nicht einfach zugänglich.

Bilderquelle: Fotostream von dérive auf flickr

Dérive - Radio für Stadtforschung: Immer am ersten Dienstag im Monat um 17.30 Uhr, im Raum Wien auf UKW 94.0 oder als Livestream


Montag, 9. Januar 2012

Mediokrität als Staatsräson

In seiner Neujahrsrede würdigte der SVP-Politiker Christoph Blocher drei grosse Zürcher aus dem 19. Jahrhundert — den Politiker und Wirtschaftsführer Alfred Escher, den Dichter und Staatschreiber Gottfried Keller und den Maler Rudolf Koller — sowie das Nationaltier: die Kuh. Er sprach von grossen Persönlichkeiten der Vergangenheit — und meinte sich selber.

Im Hauptteil seiner fast 90minütigen Rede sprach Blocher über den "Schaffer und Raffer" Alfred Escher (1819 - 1882), der als Politiker und Eisenbahnkönig die Entwicklung des 1848 frisch gegründeten Bundesstaats geprägt hat wie kein anderer und dann im Alter von nur 63 Jahren ausgebrannt, verbraucht und vereinsamt gestorben ist. Blocher begann mit Eschers Beerdigung: Erst nach dem Tod Eschers, der zu Lebzeiten "nicht nur angefeindet, sondern geradezu verfemt war", sei den Leuten bewusst geworden, dass Alfred Escher für die Schweiz Grosses geleistet hat. Befürchtet Blocher etwa, dass es ihm ähnlich geht?

Doch dass König Alfred als Machtpolitiker und Sesselkleber auch eine Gefahr für die noch junge Demokratie war, zeigte sich in seiner schier unglaublichen Ämterkumulation: Escher sass von 1844 bis zu seinem Tod 1882 ununterbrochen im Zürcher Kantonsrat (Legislative des Kantons Zürich), sechsmal war er dessen Präsident. Gleichzeitig war er während sieben Jahren Regierungsrat (Exekutive), vier Jahre davon Regierungspräsident. Von der Bundesstaatsgründung 1848 bis ebenfalls zu seinem Tod sass er zudem im Nationalrat, den er viermal präsidierte.

Kurz: Alfred Escher war die Demokratie in einer Person.

In den 1850er Jahren begann Eschers Aufstieg in wirtschaftliche Gefilde: 1853 wurde er Direktionspräsident der Nordostbahn, 1856 Gründer und Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Kreditanstalt (heute Crédit Suisse), 1857 Mitbegründer der Rentenanstalt (heute Swiss Life) und 1871 Direktionspräsident der Gotthardbahn, die er initiiert hatte. Selbstverständlich nutzte der Eisenbahnbaron seine politischen Connections für seine Bahnunternehmen: Escher und seine "Freunde" entschieden den Streit Privatbahnbau vs. Staatsbahnbau zu ihren Gunsten, verhinderten staatliche Eingriffe, befreiten die Privatbahngesellschaften von den Steuern. Die Folgen: Ruinöse Konkurrenz, gigantische Fehlinvestitionen, Konkurse und staatliche Rettungsaktionen — Gewinne werden privatisiert, Verluste
kommunalisiert. Nach einem halben Jahrhundert schlechter Erfahrungen mit dem Privatbahnsystem beschloss das Volk 1898 die Verstaatlichung der wichtigsten Bahnlinien.

Und: Um sein grosses Ziel einer Bahn durch den Gotthart zu realisieren, ging Alfred Escher über Leichen.

Während zweier Jahrzehnte vermochte Escher mit seinem "System", bestehend aus liberaler Partei, NOB und SKA, die Politik von Bund und Kanton Zürich weitgehend zu bestimmen. "Alfred Escher war Regierender, Gesetzgeber und Unternehmer in einer Person", fasste Blocher fast ein bisschen bewundernd zusammen. Kein Wunder, regte sich in der wirtschaftlichen Krise von 1865 - 67 Widerstand gegen dass verhasste "System Escher". Im Kanton Zürich wünschte sich das Volk eine Revision der Verfassung — die repräsentative Demokratie mit ihren liberalen Grundsätzen war am Ende. Die neue Verfassung wurde 1869 mit überwältigendem Mehr angenommen. Sie brachte den Zürchern (die Zürcherinnen verlangten damals vergeblich das Stimm- und Wahlrecht) neben der direkten Demokratie mit Initiative, Referendum und Volkswahl von Regierung, Bezirksbehörden und Beamten einige weitere Verbesserungen.

Quelle: www.sauberer-finanzplatz.ch

Dass Eschers Machtfülle auf demokratischem Weg zurückgestutzt wurde, kommentierte Blocher so: "Es zeigte sich, dass die Schweiz eine allzu augenscheinliche Machtballung nicht duldete und allzu grosse Gestalten nun einen Kopf kürzer machte – wenn auch zum Glück nicht auf der Richtstatt, sondern an der Urne." Wenn ich mir die Folgen von Eschers rücksichtsloser Machtpolitik ansehe, ist es mir lieber, wenn Mediokrität zur Staatsräson wird und das direktdemokratische System dafür sorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Zum Glück gilt dies auch für Machtpolitiker Christoph Blocher!

Samstag, 31. Dezember 2011

Alles bereit für die Party!

Die Weihnachtsgeschenke ausgepackt und das Sylvestermenü eingekauft: Alles ist bereit für die grosse Party — allerdings im kleinen Rahmen, denn heuer haben wir keine Gäste eingeladen und feiern den Jahreswechsel zu zweit, deshalb habe ich das Kochbuch "Kochen für zwei" hervorgeholt und koche was Gutes.

Das Sylvestermenü 2011

Kleiner Apéro mit Variazione di Antipasti

* * *

Nüsslisalat mit Morchelpastete
Lauwarmer Stangenselleriesalat

* * *

Eglifilets Zuger Art
Salzkartoffeln und Fenchelgemüse

* * *

Zitronen-Frischkäse-Köpfli



Und: Ich wünsche all meinen LeserInnen herzlichst einen guten Rutsch und ein glückliches Neues Jahr!
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