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Montag, 12. März 2012

Urbane vs. alpine Schweiz

Nach dem Abstimmungswochenende reibt sich die Schweiz die Augen: Denkbar knapp mit nur 50.6% Ja und nur 28'445 Stimmen Unterschied haben die Stimmenden der Zweitwohnungsinitiative von Franz Weber zum Durchbruch verholfen. Sie beschränkt den maximalen Anteil an Zweitwohnungen für jede Schweizer Gemeinde auf 20 Prozent. In grossen Teilen des Berggebiets bedeutet dies faktisch ein Bauverbot für Ferienwohnungen, denn die Limite ist schon jetzt vielerorts weit überschritten.









Obige, interaktive Karte des Bundesamts für Statistik zeigt: Die Städte und grosse Teile des Mittellands und des Juras haben die alpine Schweiz überstimmt — was selten vorkommt, denn urban-fortschrittliche Anliegen haben es in der ländlich-konservativ geprägten Schweiz schwer. Es fällt auf, dass in den Agglo-Gürteln von Zürich, Luzern und Lausanne-Genf Nein-Mehrheiten zustande kamen — gut möglich, dass dies diejenigen Gebiete sind, wo die Unterländer mit Ferienhausambitionen ihren Erstwohnsitz haben. Abgelehnt wurde die Inititative in den Bergkantonen, insbesondere in den stark betroffenen Gebieten der Kantone Wallis, Tessins und Graubünden, wo weniger als 30% Ja gestimmt haben. Unter 40% Ja sind auch das Entlebuch und der Kanton Uri. Durchs Band abgelehnt wurde die Initiative in der konservativen, auf den Tourismus ausgerichteten Zentralschweiz — die wenigen Ausnahmen sind die Stadt Luzern und vier Nachbargemeinden sowie die beiden Tourismusgemeinden Vitznau (LU) und Unteriberg (SZ), wo wahrscheinlich die negativen Auswirkungen der kalten Betten überwiegen.

Folgende Karte zeigt die von der Initiative betroffenen Gebiete:


Rot eingefärbt sind Gemeinden mit einem Zweitwohnungsanteil von mindestens 20%, dunkelrot strukturschwache Gemeinden mit Abwanderung und geringer Wohnbautätigkeit. Quelle: Faktenblatt des UVEK zur Volksinitiative «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen!» (PDF)

Was ist eine Zweitwohnung? Das ist eine Frage, die erst noch beantwortet werden muss. Die Statistik unterscheidet nämlich nur zwischen dauerhaft, zeitweise und nicht bewohnten Wohnungen. Auch obige Karte setzt Zweitwohnungen mit den zeitweise bewohnten Wohnung gleich. Im Jahr 2000 wurden in der Schweiz rund 420'000 zeitweise bewohnte Wohnungen gezählt, Fachleute schätzen, dass es heute etwa 500'000 sind. Die zwanzig Gemeinden mit den höchsten Anteilen — zwischen 65 und 83 Prozent — liegen gemäss letzter Volkszählung in den Kantonen Wallis, Graubünden und Tessin. Die höchsten Werte wurden in den Gemeinden Saint-Luc VS, Grimentz VS und Laax GR verzeichnet.

Legt man die beiden Karten übereinander, kommt dies heraus:


Zum Vergrössern auf die Karte klicken!

Legende:
hellgrün = Gebiete mit Ja-Mehrheit und Zweitwohnungsanteil unter 20%
oliv = Gebiete mit Ja-Mehrheit und Zweitwohnungsanteil über 20%
lila = Gebiete mit Nein-Mehrheit und Zweitwohnungsanteil unter 20%
rot = Gebiete mit Nein-Mehrheit und Zweitwohnungsanteil über 20%
violett = Gebiete mit grosser Nein-Mehrheit und Zweitwohnungsanteil über 20%

Fazit: In den alpinen Ferienhausgegenden der Schweiz wurde die Inititative abgelehnt, die Ausnahme bilden die wenigen oliv eingefärbten Gebiete, die trotz oder gar wegen vielen Zweiwohnungen Ja gestimmt haben. Abgesehen von den Agglomerationsgürteln der Städte haben das Mittelland und der Jura der Inititative zugestimmt. Wenn Städter und Städterinnen in die Berge fahren, wollen sie möglichst intakte und keine zersiedelten Landschaften geniessen und haben deshalb die Bergkantone überstimmt.

Samstag, 10. März 2012

Solothurn als Windkanal

Wenn die Bise bläst wie heute, wird Solothurn zum Windkanal: Der kalte Ostwind, der durch die Alpen und den Jura kanalisiert wird, verwandelt den Flussraum der Aare in einen Windkanal. Bei dieser steifen Brise ist es trotz sonnigem Wetter nur im Windschatten einigermassen angenehm.



Die Fahnen, die für ein JA zur Sanierung des Solothurner Theaters werben, stehen steif im unangenehmen Wind. Die Bise treibt die Wellen auf der Aare flussaufwärts — nicht selten entstehen sogar Schaumkronen.



Wenn die Bise geht, dann flattert das schwere Wirtshausschild vom Kreuz Solothurn lustig im Wind und quietscht dabei manchmal wie ein alter Esel. In der zweiten Hälfte des Videos von Kulturflaneur-TV ist ein rhythmisches Geräusch zu hören — und ich fragte mich, was so tönt, bis ich mir den Schluss des Filmchens noch einmal genauer ansah und die Leute entdeckte, die am Altschneehaufen vor dem Kreuz ihre Schuhe abputzen.

Donnerstag, 8. März 2012

Energiepolitisches Panorama

Das Dachpanorama von vorgestern ist nicht besonders attraktiv, dafür energiepolitisch interessant. Im Hintergrund, im hellen Streifen zwischen Horizont und grauem Deckel ist unsere Energievergangenheit zu sehen: zwei riesige AKW-Dampffahnen, die zuerst schräg in den Himmel steigen und dann waagrecht nach Westen geblasen werden. Im Vordergrund beginnt auf den roten Neubauten unsere Energiezukunft: dezentrale Solarenergienutzung auf den Dächern unserer biederen Baugenossenschaft — wer hätte das gedacht!

Dachpanorama vom 6. März 2011 um 7 Uhr 47 — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Es lohnt sich wirklich, das Panorama zu vergrössern, denn die beiden AKW-Dampffahnen über dem ockerfarbenen Haus in der Bildmitte sind recht weit entfernt und doch riesig: Die linke stammt aus dem AKW Gösgen, das 42 km entfernt ist, die rechte aus dem AKW Leibstadt, das sogar 61 km weit weg ist.

Schrägansicht aus 34'650 m Höhe mit Google Earth — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Der Screenshot aus Google Earth zeigt nochmals die Dimensionen: im Vordergrund ist der Vierwaldstättersee zwischen Pilatus und Rigi zu sehen, dahinter das schweizerische Mittelland mit den Luftlinien zu den beiden AKWs (rot = Gösgen, gelb Leibstadt) und dem oberen Bildrand entlang schlängelt sich der Rhein westwärts nach Basel...

Dienstag, 6. März 2012

Total belasert

Ich geb’s ja zu, ich bin ein News- und Rätseljunkie. Jeden morgen lese ich den Tagi und löse das Quizrätsel, das Bimaru und das Sudoku. Neben dem Kaffee, der stark, schwarz und mit zwei Stück Zucker sein muss, bringt das meine grauen Zellen auf Trab. Doch gestern verlief das Aufputschritual mit News, Rätsel und Kaffee nicht ganz optimal...

Beim Quizrätsel muss man bei jeder Frage die richtige Antwort aus drei Antwortoptionen auswählen. Das ergibt dann einen von den zehn Buchstaben des Lösungsworts. Die Fragen sind gar nicht so einfach und manchmal muss ich Google zu Rate ziehen, um das Rätsel zu lösen. Doch gestern musste ich erstmals auch das Lösungswort googlen, weil ich mit "Belaserung" einfach nichts anfangen konnte: Belaserung — hä???

Etwas belasert habe ich also recherchiert, was eine Belaserung ist. Wikipedia war ratlos und sogar Google lieferte nur lausige 700 Treffer. Doch bei uns ganz in der Nähe wurde ich fündig: Da gibt es in Küssnacht am Rigi die 3D-Laser SwissArt AG, die belasert alle möglichen Gegenstände, v.a. solche aus Glas:


Das Promovideo auf Youtube, hochgeladen von 3D-Laser SwissArt AG, präsentiert einen Glasquader, der mit dem Löwendenkmal belasert wurde.

Den traurigen Löwen in 3D gibt es übrigens auch als formschönen Schlüsselanhänger — ist das nicht total belasert?


Bild: www.3d-laser.ch

Heute stellte sich heraus, dass ich bei der Antwort auf Frage 5 "Kein Fruchtgemüse ist die ...?" gepfuscht habe. Zur Auswahl standen: (S) Paprika, (G) Erdbeere oder (I) Aubergine. Zum Glück war ich belasert und habe mich für Paprika statt für Erdbeere entschieden, was fürs Lösungswort entscheidend war: Richtig wäre nämlich "BelaGerung" und nicht "BelaSerung". Zum Glück — weil aus Belagerung niemals dieser total belaserte Eintrag entstanden wäre.

PS. Wie belasert muss jener frisch gewählte Staatspräsident sein, dessen Name mit P beginnt und mit UTIN aufhört, dass er es für nötig hält, eine Wahl fälschen zu lassen, bei der zum Vornherein klar war, dass er gewählt wird, weil er dafür gesorgt hat, dass nur chancenlose Gegenkandidaten antreten dürfen?

Sonntag, 4. März 2012

Mini-Menage

Wer weiss, dass ich mich vor drei Jahren in einem Kommentar auf Frau Froggs Blog als Verfechter von Salatschleudern und als bekennende Besteckladenschwuchtel geoutet habe, verwundert nicht, dass ich ein Fan der Mini-Menagen bin, die im Speisewagen der SBB manchmal zur weit und breit besten Tomatensuppe auf den Tisch gestellt werden — nicht, dass es Salz oder Pfeffer brauchen würde, aber diese Mini-Menagen sind einfach süss!


Grossaufnahme der Mini-Menage neben einer Scheibe Brot (als Grössenvergleich)

A propos Menagen: In den gutbürgerlichen Beizen der Schweiz steht auf jedem Tisch eine Menage mit Aromat, Würze, Salz und Pfeffer und Zahnstochern — ein fast schon nostalgisches Markenzeichen für ein typisch schweizerisches Restaurant, wie dieser Blogeintrag von Piattoforte (Bild) zeigt.

Wenn es ums Aromat geht, sind wir Schweizer uns einig: Dieses Nationalgewürz gehört zur Schweiz wie das Schweizerkreuz, das Matterhorn oder die Schokolade. Das geht so weit, dass wir, wenn wir in die Ferien fahren, eine Dose Aromat einpacken — als gewürzmässige Rückversicherung haben wir die Schweiz als Essenz immer dabei. Zumindest meine Mutter und auch Frau Froggs Mutter haben vor der Fahrt in die Ferienwohnung jeweils das Aromat eingepackt. Doch niemand kann das innige Verhältnis der SchweizerInnen zu ihrem Aromat besser darstellen, als Gisela Widmer mit ihrer schweizerdeutschen Radiokolumne Knorrli auf der Hörbühne von Radio DRS — einfach grossartig, unbedingt nachhören!

AusländerInnen können mit unserem Nationalgewürz weniger anfangen. Die einfache Frage "Can somebody tell me why do Swiss people add Aromat to everything they cook? Hehe. Does this also exist in your country?" von Nikkito auf dem English Forum Switzerland löste sage und schreibe 135 Antworten aus. Die Debatte drehte sich allerdings vor allem um die Schädlichkeit von MSG im Aromat (Monosodium glutamate bzw. Mononatriumglutamat) — anyway, AusländerInnen werden uns in Sachen Aromat nie verstehen!

Freitag, 2. März 2012

Schanigarten offen!

Schon letztes Jahr habe ich einen Eintrag über die Solothurner Schanigärten geschrieben. Seit gestern darf man in Solothurn die Gartenbeiz rausstellen und weil das Wetter so schön und frühlingshaft ist, heisst es auch bei uns im Kreuz Solothurn: "Schani, trag den Garten aussi!"

Allerdings heisst unser Schani nicht Jean oder Hans und die Gartenbeiz nicht Schanigarten sondern Gartenbeiz — auch wenn's eher ein Strassencafé oder eine Strassenbeiz ist.

Donnerstag, 1. März 2012

Attenti al lupo

Aus einem traurigen Anlass hier eine musikalische Illustration zu meinem letzten Beitrag über unsere Aschermittwochswanderung auf den Sonnenberg: "Attenti al Lupo" — "Achtung Wolf" von Lucio Dalla, der gestern noch in Montreux ein Konzert gegeben hat und heute mit 69 an einem Herzinfarkt gestorben ist.


Youtube-Video hochgeladen von BadtzMaruMx am 29.08.2006

Dienstag, 28. Februar 2012

Wanderung an der Nebelgrenze

Am Aschermittwoch haben wir von zu Hause aus eine kleine Bergwanderung unternommen: Mit einer Höhe von 776 m.ü.M. ist der Krienser Sonnenberg im Vergleich mit den "richtigen" Bergen in der Nachbarschaft zwar nur ein Hügel — dennoch gibt's ein Ausflugsrestaurant, eine Bergbahn und Gipfelkreuz. Und für eine Flucht aus dem Nebel hat's allemal gereicht!

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Quelle der Karte: map.geo.admin.ch

1 Nebliges Luzern

Die Sonne drückt zwar, aber von der Geissmattbrücke aus wirkt Luzern mit Reuss, Spreuerbrücke und Jesuitenkirche doch etwas schemenhaft.

2 Château Gütsch


Das 1888 erbaute Château Gütsch ist ein Schloss Neuschwanstein nachempfundenes Märchenschloss — seine jüngste Geschichte ist jedoch alles andere als märchenhaft: Seit 2003 stand das Hotel/Restaurant mit traumhafter Aussicht auf Luzern immer wieder leer. Der letzte Besitzer ging Pleite und das Château Gütsch an die UBS, die es schliesslich an den russischen Multimilliardär Alexander Lebedew verkaufte. Dieser hatte grosse Pläne, um das Château Gütsch aus seinem Dornröschenschlaf aufzuwecken, doch vorerst soll das Château Gütsch sanft renoviert und im August 2012 wieder eröffnet werden. Bis Ende Mai haucht Fritz Erni und sein Team vom Hotel Montana dem Wahrzeichen von Luzern wieder Leben ein — zur Zeit ist das Château Gütsch also gerade wieder einmal offen und man darf gespannt sein, wie sich Lebedews hochfliegende Investitionspläne weiter entwickeln...



Die Aussicht von der Plattform unterhalb des Château Gütsch auf die mittelalterliche Stadtmauer, die Altstadt und das Seebecken von Luzern. Auf dem unteren Bild sind auch Luzerns ältestes und neustes Wahrzeichen auszumachen: der Wasserturm mit Kappellbrücke und das weit ausladende KKL-Dach.

3 Wölfe im Gütschwald

Immer wenn ich durch den Gütschwald gehe, kommt mir folgende Geschichte in den Sinn, die mir mal jemand an einer Veranstaltung im Kulturzentrum Boa erzählt hat:

Ein esoterisch angehauchter Freak ging in den Gütschwald um zu meditieren. Als er im Lotossitz dasass und mantramässig wiederholte: "Ich bin eins mit der Natur und eins mit diesem Wald...", kam ein Wolf, setzte sich im Lotossitz dazu und meditierte ebenfalls. Dem Freak war das verständlicherweise nicht ganz geheuer, aber er liess sich nicht irritieren und wiederholte sein Mantra: "Ich bin ein mit der Natur, eins mit diesem Wald und diesem Wolf...". Es ging nicht lange, da kamen zwei weitere Wölfe und setzten sich zu ihnen. Der Freak liess sich nicht aus Ruhe bringen und wiederholte sein Mantra: "...bin eins mit diesem Wald und diesen Wölfen...". Als dann noch sechs weitere Wölfe sich in ihrer Runde niederliessen, versuchte er sich mit seinem Mantra zu beruhigen: "Ich bin eins mit der Natur, eins mit diesem Wald und insbesondere mit diesen friedlichen Wölfen...". Eine Weile sassen sie so im Kreis und meditierten. Plötzlich gaben sich die Wölfe ihre Pfoten und sagten: "En Guete mitenand!"



Im Uhrzeigersinn: Der Ort des Schreckens im Gütschwald, der noch eisbedeckte namenlose Waldweiher, die Eiszapfen am Forsthaus und unser erstes Ziel: die Ausflugsbeiz "Schwyzerhüsli"

4 Der namenlose Waldweiher

Der Weiher im Gütschwald — im Sommer ein stilles Naturidyll — war auch jetzt ganz still und mit einer dicken Eisschicht überzogen. Und weit und breit keine Warnschilder und Rettungsgeräte...

5 Mittagsrast im Schwyzerhüsli

Proviant hatten wir keinen dabei, deshalb sind wir im Schwyzerhüsli — so heisst die erstbeste "Bergbeiz" auf dem Sonnenberg — eingekehrt und haben uns ein währschaftes Menu aus der gutbürgerlichen Küche bestellt.



Winterlandschaft beim Schwyzerhüsli und der Blick zurück ins Rontal: Hinter der Tanne ist das Kantonsspital auszumachen, irgendwo rechts davon wäre unser Wohnhaus und hinter den Bäumen im Mittelgrund kann man den Rotsee erkennen.

6 Stadtvilla auf dem Sonnenberg


Dieses Haus hat schon immer meine Neugierde geweckt: Wie ist es auf den Sonnenberg gekommen und was war seine Funktion? Frau Frogg meint, es sei eine ehemalige Stadtvilla, die Stein für Stein abgetragen und auf dem Sonnenberg wieder aufgebaut worden sei, und sie muss es wissen, ist sie doch ganz in der Nähe aufgewachsen.

7 Der alte und der neue Sonnenberg



Im Uhrzeigersinn: Das alte und das neue Hotel Sonnenberg, eine grosszügige Treppe als einziges Überbleibsel vom alten Grand Hôtel Sonnenberg und die denkmalgeschützte Sonnenbergbahn.

Zum Sonnenberg gibt es viele Geschichten: Die wichtigste ist wohl der Aufschwung und der Niedergang der touristischen Nutzung, die mit der Eröffnung eines Kurhauses im Sommer 1859 begann, mit dem Bau einer Standseilbahn auf den Sonnenberg und dem Grand Hôtel in der Belle Epoque ihren Höhepunkt und dann mit den zwei Weltkriegen einen Niedergang auf Raten erlebte. Das waren noch Zeiten, als Rundfahrtbillette Luzern - Kriens (Tram) - Sonnenberg (Standseilbahn) - Gütsch (zu Fuss) - Luzern (Standseilbahn) noch eine Renner waren. Heute zieht es die Touristen auf den gegenüber liegenden Pilatus — wenn sie eine Rundfahrt machen, dann die grosse: mit dem Schiff nach Alpnachstad, mit der Zahnradbahn auf den Pilatus und mit den Gondelbahnen runter nach Kriens und Luzern. Der Sonnenberg ist nur noch ein Ziel für Ausflüglerinnen und Wanderer, eine Naherholungszone für Krienser und Luzernerinnen.

Das alte Hotel Sonnenberg diente während des Zweiten Weltkriegs als Flüchtlingsunterkunft und danach bis 1947 als Rückwandererheim für AuslandschweizerInnen, die aus dem Ostblock vertrieben wurden. Besonders tragisch ist die Geschichte von 180 Russinnen, die vor der Versklavung durch Nazideutschland in die Schweiz geflüchtet und auf dem Sonnenberg gestrandet waren. Nach dem Krieg fühlten sie sich als Siegerinnen und hatten gleichzeitig Angst vor dem, was sie nach der Rückkehr in die Sowjetunion erwartete — zu Recht, wie sich später herausstellte, denn viele von ihnen landeten in den sibirischen Gulags von Stalin.

Nach der Schliessung 1947 verlotterte das alte Hotel Sonnenberg. 1954/55 nutzten die Luftschutztruppen die Ruine für diverse Übungen und machten sie schliesslich dem Erdboden gleich.

All diese Geschichten sind nachzulesen im Katalog zur Ausstellung "Sonnenberg — Hotel, Bahn, Flüchtlingsheim...", die 2002 im Museum im Bellpark in Kriens gezeigt wurde.

8 Chrüzhöchi, Wolfsschlucht und Berge im Dunst


Oben: Auf jedem Schweizer Berg hat es ein Kreuz, selbstverständlich auch auf der Chrüzhöchi, mit 776 m.ü.M. der höchste Punkt unserer Wanderung. Das Bild zeigt die schöne Allee, die zum Kreuz führt — ein Erbe der touristischen Nutzung des Sonnenbergs.
Mitte: Die Wolfsschlucht fünf Minuten unterhalb der Chrüzhöchi konnten wir nach dem Witz über die Wölfe im Gütschwald nicht auslassen. Und dass die Stechpalme neuerdings auch in unseren Wäldern vorkommt, ist ein Indiz für den Klimawandel.
Unten: Der Blick vom Sonnenberg auf Kriens und in die Berge der Zentralschweiz. Allerdings musste ich dieses Bild ziemlich plagen, damit die Berge im Dunst überhaupt erahnbar werden. Beim Pilatus hilft auch Bildbearbeitung nichts — er ist vom Nebel verhüllt.

Dass der Winter zumindest im Unterland bald zu Ende ist, zeigen die schneefreien Sonnenhänge und dieser angetaute Schneemann:



9 Ein letzter Blick auf Luzern



Bevor wir im Obergütsch den Bus nach Luzern hinunter besteigen, erhaschen wir noch einmal einen Blick auf die Stadt und das Seebecken. Gut zu sehen sind die luxuriösen Hotelkästen an den Quais des Vierwaldstättersees, die gleichzeitig mit der touristischen Infrastruktur auf dem Sonnenberg entstanden sind.
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