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Donnerstag, 5. Juli 2012

Ein Unglück kommt selten allein

Unsere Ferien standen unter einem schlechten Stern: Schon die Anreise verlief nicht reibungslos. Pech hatten wir auch mit Restaurants und Grotti, die immer grad dann zu hatten, wenn wir gerne etwas gegessen oder getrunken hätten, oder mit Postautos, die an der Haltestelle einfach vorbeifuhren. Aber das ist alles nichts, wenn einem der Vater stirbt. Ich bin traurig.


Mein Vater mit seiner Lebenspartnerin an seinem 80. Geburtstag vor zwei Jahren (Bild: Christoph Hitz)

Trotz allem hatten wir eine schöne Zeit im Tessin, haben einige schöne Wanderungen und Ausflüge gemacht und auch sonst viel erlebt — ich werde noch darüber schreiben...

Samstag, 16. Juni 2012

Wanderung im Bähnliland

Als wir vor zwei Wochen kurzentschlossen zu einer Wanderung im innovativen Bähnliland Nidwalden aufbrachen, stand für uns von Anfang an fest, dass eine Wanderung in einer so bergbahnverrückten Gegend nur von Bergstation zu Bergstation führen kann: von der Klewenalp nach Niederrickenbach.

Bei schönstem Wetter war schon die Anreise traumhaft:




Von Luzern per Schiff auf dem Vierwaldstättersee nach Beckenried und von da mit der Luftseilbahn auf die Klewenalp.

Für einmal habe ich das obligate Panorama schon vor Beginn der Wanderung aufgenommen — die Aussicht auf der Plattform neben der Bergstation der Klewenalpbahn ist wirklich spektakulär:

Zum Vergrössern aufs Bild klicken! Zu sehen sind von links nach rechts: die Bergstation, der Bürgenstock (hinter den Seilen der Bahn), der Vierwaldstättersee (zuhinterst: das Küssnachter Becken), die Rigi, links der grossen Tanne Gersau und rechts Brunnen, der Talkessel von Schwyz und die Mythen, ganz rechts schliesslich das Berggasthaus Klewenalp.


Hier die Route unserer Wanderung von der Klewenalp nach Niederrickenbach:

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Gestrichelt: Direktere Route mit wenig Höhendifferenzen (war wegen Schnee noch zu). Quelle der Karte: map.geo.admin.ch

1 Putzige Kerle auf der Klewenalp


Diese Murmeltiere in einem kleinen Gehege auf der Klewenalp haben für meinen Geschmack zu wenig Platz — das schien sie aber nicht zu stören, sie waren im Gegenteil gut gelaunt und äusserst spielfreudig.

2 Wanderautobahn


Dieser Weg ist Teil einer familientauglichen Rundwanderung auf der Klewenalp — eine richtige Wanderautobahn!

3 Die Klewenalp ist auch ein Skigebiet


Die Wintersportinfrastruktur wird immer futuristischer...

Auf dem kleinen Sattel verzweigen sich die verschiedenen Wanderrouten: Von der Klewenalp kommend geht es nach links das Tal, das im Bild zu sehen ist, hinunter zur Stockhütte (Seilbahn nach Emmetten), nach rechts hangparallel nach Bärenfallen und weiter nach Niederrickenbach (gestrichelte Route) oder halbrechts hangaufwärts übers Sätteli zum Brisenhaus des SAC (Ausgangspunkt für etliche Bergtouren) — diesmal wegen Schnee auch unsere Route.

4 Alpine Soundscape


Das Bähnliland ist katholisch und auf jeder Alp steht ein solches Kreuz.

Obwohl die Alp noch nicht bestossen war, waren von weiter unten Kuhglocken zu hören, was mich auf eine Geschichte bringt, die ich auf einer früheren Wanderung von der Klewenalp nach Niederrickenbach erlebt habe: Ich war unterwegs mit Frau Froggs Freunden aus England. Irgendwann blieben die beiden ganz erstaunt stehen und sagten, dass man auch in England über Kuhweiden wandern könne, doch im Unterschied zu hier sei es da ganz still, weil die Kühe in England keine Glocken tragen. Dem englischen Paar hat die Soundscape auf der Klewenalp sehr gefallen.

5 Brisenhaus — Ausgangspunkt für Bergtouren


Das Brisenhaus (1753 m ü. M.) gehört der SAC-Sektion Pilatus

Vom Brisenhaus, das Bergbeiz und Ausgangspunkt für etliche Bergtouren ist, führte unser Weg relativ steil den Hang hinunter ins Tal und auf der anderen Talseite dem Hang entlang nach Niederrickenbach.

6 Enzian und Pusteblumen


Wo der Schnee erst grad weg war, blühten Soldanellen. Während weiter oben erste Enziane am Wegrand waren, war der Löwenzahn hier unten im Tal schon verblüht und die ganze Wiese voll von Pusteblumen.

Prächtig und immer wieder faszinierend, diese Alpenfauna!

7 Bergkloster Niederrickenbach


Nach etwa drei Stunden reiner Wanderzeit erreichten wir das hoch über dem Engelberger Haupttal gelegene Niederrickenbach (im Hintergrund: Stanserhorn und Pilatus).


Der Blick zurück auf prächtige Heuwiesen und die Nidwaldner Berge...


...und vorwärts auf die Klosteranlage von Niederrickenbach.

Rückfahrt und ein Hinweis

Von Niederrickenbach ging's mit einer kleinen, aber feinen Seilbahn wieder ins Tal runter nach Dallenwil und mit der Zentralbahn zurück nach Luzern:



Eine schöne Fahrt, allerdings waren wir nicht die einzigen, die das schöne Wetter in den Bergen genossen hatten und nun im Zug sassen...

Ein Hinweis: Mit diesem Eintrag verabschiede ich mich in die Ferien. Wir fahren ins Tessin.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Innovatives Bähnliland

Nidwalden ist ein Bähnliland, so sehr ein Bähnliland, dass es sogar ein Bähnli-Quartett mit den Bildern von 32 Nidwaldner Bergbahnen gibt. Die NidwaldnerInnen sind nicht als besonders fortschrittlich bekannt, aber wenn es sich um Innovationen bei Bergbahnen handelt, gehören sie zur Avantgarde.


Das Bähnli-Quartett Nidwalden/Engelberg — zum Vergrössern aufs Bild klicken!
Zum Quartett gibt's neben den 32 Spielkarten auch eine Übersichtskarte, die zeigt, wo die Bahnen sind. Von den 32 Bahnen habe ich bis anhin erst 14 ausprobiert (siehe Bild).


Stanserhorn-Bahn, 1. Sektion (1a) *)

Die erste Nidwaldner Bergbahninnovation stammt von Hotelier und Eisenbahnpionier Franz Josef Bucher-Durrer, der die Standseilbahn aufs Stanserhorn bauen liess. Die 1893 eröffnete Bahn war weltweit die erste, die mit der neu patentierten Zangenbremse ausgestattet war. Dieses Bremssystem, das im Falle eines Seilrisses verhindert, dass die Bahn talwärts saust, ist heute noch Standard.

Hammetschwand Lift (1d)

Auch für die zweite Bergbahninnovation sorgte Franz Josef Bucher-Durrer, der am Bürgenstock den frei stehenden Lift vom Felsenweg auf die Hammetschwand bauen liess. Der 1903 - 1905 erbaute Lift galt seinerzeit als technisches Meisterwerk, war gemäss Wikipedia zeitweise der schnellste Aufzug und ist heute noch der längste Freiluft-Lift Europas. Nachts wird der beleuchtete Lift zum weit herum sichtbaren Wahrzeichen des Bürgerstocks. Niemand wusste Berg und Bahn besser zu inszenieren als Bahnpionier und Touristiker Bucher-Durrer, der den Lift selber zu einer Attraktion machte.

Titlis Rotair Stand-Titlis (7a)

Die Bergbahninnovationen der neueren Zeit dienen nur noch der Vermarktung: Auch mit einer herkömmlichen Seilbahn wäre die Fahrt auf den Titlis spektakulär genug, doch die erste drehbare Luftseilbahn der Welt setzt seit 1992 das Tüpfchen auf das i des Panorama-Erlebnisses — man schwebt bei der Fahrt auf die 3020 m ü. M. gelegene Bergstation durch eine eindrückliche Berglandschaft und dabei dreht sich die Kabine einmal pro Fahrt um ihre eigene Achse. Siehe auch mein Beitrag Der demokratisierte Blick ins Rund vom 30.1.2011.

Stanserhorn-Bahn, 2. Sektion (1b)

Wo schon Bucher-Durrer mit seinem Bremssystem Furore machte, wird Ende Juni 2012 die neuste Bergbahninnovation eröffnet: Die neue CabriO-Bahn aufs Stanserhorn, die die alte Seilbahn von 1975 ersetzt, ist wieder eine Weltneuheit — mit der ersten doppelstöckigen Luftseilbahn lässt sich die Fahrt auf dem Oberdeck open air und mit wehenden Haaren erleben:


Bild: www.luzernerzeitung.ch

Die Berge sind zwar noch die gleichen, aber der Blick auf die Berge wird immer wieder neu inszeniert.

*) In Klammern: Karte des Bähnli-Quartetts

Donnerstag, 31. Mai 2012

Suburbane Sehnsucht

Bemalte Unterführungen verraten viel über lokale Befindlichkeiten und Sehnsüchte. Doch selten ist der Gegensatz zwischen "heiler Welt" im Bild und lebensweltlicher Realität so krass wie in der S-Bahn-Station Nänikon-Greifensee. Gemalt wird ein Landleben, wie es auch die Landbevölkerung nicht mehr zurückhaben möchte, gelebt wird ein "suburban way of life", ein von der Dienstleistungsgesellschaft geprägter Lebensstil.


Die suburbane Sehnsucht nach dem Landleben

Gemäss Statistik ist Greifensee seit 1970 Teil der Agglomeration Zürich. 1966 hatte das Landstädtchen mit mittelalterlichem Kern noch 442 Einwohner, nur zehn Jahre später waren es über 5000. Seither ist die Bevölkerung dieser suburbanen Wohngemeinde einigermassen konstant. Von den über 3800 Erwerbstätigen, Schüler und Studierenden im Jahr 2000 waren 73% Pendler, die vor allem nach Zürich (41%), aber auch ins benachbarte Uster (17%) und die übrigen Gemeinden des Glatttals pendelten. Die französische Kurzbeschreibung dieses Lebens: métro — boulot — dodo. Von den fast 3000 Erwerbstätigen waren nur gerade 23 im primären Sektor tätig, während zwei Drittel im Dienstleistungssektor beschäftigt waren (Quelle: BfS, Eidg. Volkszählung 2000).


Und so sieht der "suburban way of life" real aus: Wohnen in Göhners Plattenbauten — ans ländliche Leben erinnern nur noch die Schrebergärten entlang der S-Bahn.


Zum suburbanen Patchwork des mittleren Glatttals gehören auch solche Büro- und Gewerbebauten mit den zum "suburban way of life" passenden Arbeitsplätzen.

Das Wohnen in Göhners Plattenbauten und das Arbeiten in suburbanen Gewerbezentren muss nicht a priori schlecht sein, aber dieses Leben in Suburbia unterscheidet sich doch krass von gemalten "heilen Welt", die den PendlerInnen an der S-Bahn-Station tagtäglich vor Augen geführt wird.

Mittwoch, 30. Mai 2012

Hymne auf den Voralpenexpress

All die legendären Züge, wie den Trans-Europ-Express oder den Orient-Express, gibt es längst nicht mehr. Allenfalls verkehren sie noch in einer restaurierten Nostalgieversion als Sonderzüge für Touristen. Der Voralpenexpress hingegen, der unter diesem Namen seit 1991 quer zu den Hauptlinien Luzern mit St. Gallen und Romanshorn verbindet, ist sicher nicht so berühmt, aber dafür immer noch unterwegs und ein Geheimtipp unter Kennern.

An Pfingsten hatte Frau Froggs Bruder Geburtstag — ein Grund für eine Reise mit dem Voralpenexpress. Ein zweiter Grund: Der VAE führt durch landschaftlich reizvolle Gegenden. Bis ins sanktgallische Schmerikon beispielsweise ist links oder rechts fast immer ein See zu sehen. Ein dritter Grund für mich ist Nostalgie: 1997 bis 1999 pendelte ich mit dem VAE von Stäfa nach Luzern.


Der Voralpenexpress in Luzern ist abfahrtsbereit.


Der VAE zelebriert sich selbst: Auf den Fensterbrettern zeigt eine Karte die Strecke: Luzern - Küssnacht - Arth-Goldau - Biberbrugg - Pfäffikon - Rapperswil. Der Rest der Strecke ist nicht mehr auf dem Bild. Sie führt über Wattwil, Herisau und St. Gallen bis nach Romanshorn an den Bodensee. (Die roten Zahlen beziehen sich auf die Zwischentitel im nachfolgenden Text.)

1 Luzerner Becken, Pilatus und Verkehrshaus


Das Luzerner Becken ist ein Arm des weit verzweigten Vierwaldstättersees, dahinter der Luzerner Hausberg: der Pilatus.


Das Verkehrshaus, der Voralpenexpress und der Fotograf. Das Verkehrshaus ist wohl das beliebteste Schulreiseziel der Schweiz und ein Traum für jeden Göttibuben. (Eine Statistik der beliebtesten Reiseziele von Gruppenreisen in der Schweiz suchte ich vergeblich.)

2 Küssnachter Becken und Küssnacht am Rigi


Das Küssnachter Becken ist ein weiterer Arm des Vierwaldstättersees, dahinter die Königin der Touristenberge: die Rigi.


Küssnacht am Rigi ist nicht das erste Mal in meinem Blog: Vor einem Jahr war es Ziel der viel gelesenen Expedition in die Agglomeration und vor einem halben Jahr berichtete ich über das Klausjagen in Küssnacht und die Folgen für unser Wohnquartier.

3 Zugersee, Rossberg und Arth-Goldau


Diesmal ist der See auf der linken Seite: Der Zugersee und der Rossberg. Von Immensee nach Arth-Goldau benutzt der VAE die Geleise der Gotthardalpentransversale Basel - Chiasso - Milano. Sie führen an der Nordflanke der Rigi dem Zugersee entlang.


Arth-Goldau ist für zweierlei bekannt: Für den Bergsturz, der 1806 zwei Dörfer begrub und 457 Tote forderte, und für seinen Bahnknotenpunkt: Hier vereinigen sich die verschieden Zubringerlinien von Luzern, Basel und Zürich zur Gotthardlinie und hier kreuzt der Voralpenexpress die Gotthardstrecke.

4 Lauerzersee, Mythen und der Schwyzer Talkessel


Der nächste See ist wieder auf der rechten Seite: der Lauerzersee. Als er im letzten Winter zugefroren war, haben Jugendliche nachts das eingeschlossene Eis-Gas abgefackelt.


Kurz danach ist der Talkessel von Schwyz mit den Mythen zu sehen.

5 Das Hochmoor von Rothenturm und Biberbrugg


Vor 25 Jahren war diese 10 qkm grosse Hochebene zwischen Rothenthurm und Biberbrugg ein Politikum. Die Schweizer Armee wollte in dieser letzten grossen zusammenhängenden Moorlandschaft des Alpennordrands einen Waffenplatz bauen. Doch sie hatte nicht mit dem starken Widerstand der Lokalbevölkerung gerechnet. Die Rothenturmer lancierten eine nationale Volksinitiative zum Schutz der Schweizer Moore, die 1987 mit 57% Ja deutlich angenommen wurde — im Kampf von David gegen Goliath hatte sich der in seiner Existenz bedrohte Bauer Adolf Besmer gegen das übermächtige Armee-Establishment durchgesetzt, was damals eine politische Sensation war. Im Detail nachzulesen ist diese interessante Geschichte eines erfolgreichen Widerstands hier.


Das Bild vom Bahnhof Biberbrugg zeigt: Hier sind definitiv nicht mehr die Biber, sondern die Verkehrsplaner am Werk. In Biberbrugg sind die Abzweigungen von Strasse und Schiene nach Einsiedeln.

6 Zürichsee, Pfannenstiel und der Seedamm


In Schindellegi erscheint rechterhand der Zürichsee. Im Hintergrund das Zürcher Oberland. Gut zu sehen sind die Inseln Ufenau und Lützelau sowie der Seedamm von Rapperswil, der den Zürichsee und den Obersee (rechts) trennt und das schwyzerische Pfäffikon mit dem sanktgallischen Rapperswil verbindet. Bevor der Voralpenexpress über diesen Damm fährt, kurvt er eine 50 Promille steile Rampe an den Zürichsee hinunter — auch ohne Kehrtunnels ist die aussichtsreiche Strecke recht spektakulär.


Kein See, sondern nur ein Weiher ist der Itlimoosweiher, dahinter sind der Zürichsee und die Hügelkette des Pfannenstiels zu sehen.


Die Kunst am Bahnhof von Wollerau zeigt das schwyzerische Steuerparadies von oben. Mit diesem Bild endet diese Hymne an den Voralpenexpress, weil der Akku meiner Kamera erschöpft war — anyway mehr Seen gab's bis St. Gallen nicht mehr zu sehen.

Balkon-Bloggen

Seit bei uns das Internet aus der Stromsteckdose kommt, können wir auch ohne WLAN Balkon-bloggen. Zugegeben, es braucht einige Vorbereitungen: Sonnenstoren runterkurbeln, Liegestuhl aufstellen, Badetuch ausbreiten, Kleider aus- und Badehose anziehen, sauren Most einschenken und last but not least den Compi in der Balkonsteckdose einstecken — und schon kann's losgehen mit der Open-air-Surferei.



Es ist herrlich, wenn einem beim Surfen ein kühlendes Lüftchen über den Körper streicht und die Vögel zwitschern und pfeifen. Kann das jemand nachvollziehen oder bin ich der einzige Balkon-Blogger?

Mittwoch, 23. Mai 2012

Katastrophenikonographie

Warum wird gerade das Bild des halb zerstörten Zifferblatts am senkrecht gespaltenen Glockenturm in Finale Emilia zum Sinnbild für die Erdbebenkatastrophe in der Emilia Romagna? Weil es so schöne Titel hergibt wie "Endzeit in Finale Emilia" (Südostschweiz)? Weil Bilder von senkrecht gespaltenen Türmen selten sind? Weil Bilder von Turnhallen, die als Notunterkunft dienen, überall sein könnten?

Warum hat also gerade dieses Bild...


Quelle: www.suedostschweiz.ch

...oder dieses Bild hier das Potenzial zur Katastrophenikone?


Quelle: news.orf.at (Inzwischen ist auch die andere Hälfte des Turms kollabiert.)

Und warum diese Bilder nicht?

Quelle: Bildstrecke von www.20min.ch

Der angeknackte Turm der Stadthalle von Finale lässt sich möglicherweise flicken, aber die Schäden am Rathaus von Sant' Agostino sind wahrscheinlich irreparabel und sicher eine kleine Katastrophe. Eine mittlere Katastrophe ist das Erdbeben für die Parmesan-Industrie. Und für die Leute, die nicht mehr in ihre zerstörten Häuser zurückkehren können, ist auch ein Beben von der Stärke 6.0 persönlich eine grosse Katastrophe — dennoch wird uns das halbierte Zifferblatt in Erinnerung bleiben.

Montag, 21. Mai 2012

Die Seele der Schweiz in fünf Büchern

In den USA werden Literaturwissenschafter aufgefordert, Listen mit denjenigen 25 Romanen zu erstellen, die quasi das Land erschufen und formten, die das Wesen der Vereinigten Staaten literarisch am besten verkörpern. Im DRS4-Talk vom 6. April bat der Radiojournalist Eric Facon den emeritierten Literaturprofessor Peter von Matt um eine Liste mit fünf Büchern aus der Schweiz, die aus seiner Sicht die Schweiz beschreiben.

Von Matt, der übrigens gestern an den Solothurner Literaturtagen vor versammelter Schweizer Literaturprominenz seinen 75. Geburtstag feierte, zögerte mit der Antwort ein bisschen, weil fünf doch eine mörderisch kleine Zahl sei. Aber dann liess er sich doch dazu hinreissen, eine solche Shortlist der Schweizer Volksseele in der Literatur aufzustellen:
  1. Die "Lebensbeschreibung" von Thomas Platter, der um 1500 als Bergbauernbub in Grächen im Wallis geboren wurde und sich als Kind schon nach Europa aufmachte. Der weltläufige Walliser, der den Reformatoren Zwingli und den Humanisten Erasmus von Rotterdam persönlich kennen gelernt hatte, wurde ein angesehener Intellektueller, Buchdrucker, Verleger und Lehrer. Er hat auf Bitte seines Sohnes seine Lebensgeschichte aufgezeichnet — ein grandioser Text in Frühneuhochdeutsch.
  2. „Der Bauernspiegel“ von Jeremias Gotthelf — das Buch, aus dem die ganze Schweizer Literatur hervorgekrochen ist, ein ungeheuerlicher Wurf.
  3. Der herrlichste Roman — vielleicht der ganzen deutschen Literatur: „Der grüne Heinrich“ von Gottfried Keller.
  4. Dazu als Pendant im 20. Jahrhundert: „Stiller“ von Max Frisch — Grossstadtroman und Intellektuellenroman von ganz anderer Schärfe und ganz anderem Krisenbewusstsein.
  5. Aus der Westschweiz das Buch einer Frau: "Schwarze Erdbeeren" von Corinna Bille — ein Buch, das im Wallis spielt und die weibliche Stimme in einer ganz starken Weise repräsentiert.
Ich geb’s zu: Ich habe weder alle fünf Bücher gekannt, geschweige denn alle gelesen. Ich kann also nicht wirklich beurteilen, ob diese fünf Bücher das Wesen der Schweiz tatsächlich einigermassen akkurat zu fassen vermögen. Aber ich bin überzeugt, dass niemand diese schwierige Aufgabe besser lösen könnte als Peter von Matt, denn es gibt wohl kaum einen profunderen Kenner der Schweizer Literatur.

Überzeugt hat mich Peter von Matt mit seinem neusten Buch, das im Hanser-Verlag erschienen ist: Das Kalb vor der Gotthardpost. Zur Literatur und Politik der Schweiz. In "Die Schweiz zwischen Ursprung und Fortschritt. Zur Seelengeschichte einer Nation", dem ersten Text dieses Essaybands, schafft er es, über ein Bild 85 Seiten zu schreiben — selbstverständlich mit zahlreichen Exkursen, aber ohne langweilig zu werden. Die übrigen Essays sind kürzer, analysieren aber ebenso luzide Politik und Literatur der Schweiz. Ein gutes Dutzend Essays werfen interessante Schlaglichter auf die Grössen der Schweizer Literatur und machen einem so Lust, die Bücher dieser Schweizer Autoren wieder zu lesen und sich darin zu vertiefen, denn schliesslich sei der Mensch das "Geschichten erzählende Tier", sagte Peter von Matt am Radio.

Dienstag, 8. Mai 2012

Kulturreisli zu Bruder Klaus

Für die diesjährige Delegiertenversammlung der IG Kultur Luzern haben wir uns etwas besonderes einfallen lassen: ein Kulturreisli in den Kanton Obwalden zu Bruder Klaus. Vor der DV stand die Besichtigung des Museums Bruder Klaus in Sachseln auf dem Programm, nach der DV eine Schifffahrt nach Sarnen und eine Führung durch die neue Badi mit Aussicht.

Niklaus von Flüe — Vermittler zwischen Welten

Bruder Klaus, wie er sich als Einsiedler in Flüeli Ranft nannte, lebte von 1417 bis 1487, war Bauer, Politiker, Familienvater, Eremit und Mystiker. Er spielte mit seiner Vermittlung von 1481 beim Stanser Verkommnis eine entscheidende Rolle für die Eidgenossenschaft und ist deshalb so etwas wie der Nationalheilige der Schweiz. Das Museum Bruder Klaus, das 1976 eröffnet wurde, musste nach 35 Jahren baulich saniert werden. Gleichzeitig wurde die Ausstellung, die nicht mehr zeitgemäss war, von Grund auf neu gestaltet, was nicht ganz ohne Nebengeräusche ablief, ist doch die Darstellung des Lebens von Bruder Klaus nicht unumstritten: Als er sich für sein Eremitendasein entschied, liess er doch seine Frau Dorothea allein mit zehn Kindern auf dem Hof zurück...


Die IG Kultur im Foyer des Museums Bruder Klaus in Sachseln

Leise Reise — Sonderausstellung mit sechs Künstlerinnen

Schon bis anhin präsentierte das Museum Bruder Klaus neben der ständigen Ausstellung zum Leben von Niklaus von Flüe regelmässig auch Kunst von regionalen Künstlern und Künstlerinnen im Rahmen von Sonderausstellungen. In "Leise Reise" zeigen sechs Künstlerinnen ihre Werke aus ihrem Schaffen, drei von ihnen — Gielia Degonda, Maya Reinhard und Irène Wydler — sind auch in der neuen Grundausstellung mit Projektionen zu den Visionen von Bruder Klaus präsent.


Raumgänge, 15-teilig, 2007, von Anna-Maria Bauer (*1947)


Mauer spitzen, 2012, Installation mit Spitzwegerich von Maya Reinhard (*1969)
entre-deux, 2003, Video (5 Min.) einer Überfahrt über den Rotsee von Anna Margrit Annen (*1951)


Museumsleiter und Kurator Urs Sibler vor Werken von Irène Wydler (*1943), die von Heuschobern auf einer Allmend inspiriert sind


Viadi, 2011/2012, Acryl und Kreide auf Papier, 200 x 380 cm, von Gielia Degonda (*1937)


Leise Reise, 1999, Polyesterharzobjekt mit getrockneten Fischen von Monika Günther (*1944)

Die unaufgeregten, meist subtilen Werke der sechs Gegenwartskünstlerinnen ergänzen und kontrastieren sehr schön die vergangenheitsbezogene Ausstellung über Niklaus von Flüe.

Rundfahrt auf dem Sarnersee


Nach der DV fuhren wir mit MS "Seestern" nach Sarnen

Die Rundfahrt auf dem Sarnersee führte nah am Ufer entlang und zeigte die zahlreichen neuen Bonzenvillen von der Seeseite — Obwaldens Tiefsteuerstrategie findet augenfällig ihre ganz direkte Entsprechung in der gebauten Umwelt am Sarnersee.

Geile Badi mit Aussicht

Beim Zweijahrhunderthochwasser von 2005 wurde das Strandbad und der Campingplatz Sarnen bis zwei Meter hoch mit Geschiebe, Schutt und Geröll zugedeckt. Ein teures Hochwasserschutzprojekt soll eine Wiederholung der Katastrophe verhindern — und Sarnen bekam eine neue Badi, eine mit Aussicht:


Patrik Seiler (rechts) von der Architektengemeinschaft, die das eindrückliche und interessante Gebäude geplant hat, führte uns durch die neue Badi und stellte sich kritischen Fragen.


Vom Panoramabad im ersten Obergeschoss hat man eine traumhafte Aussicht auf den Sarnersee und die Berge. Das 25m-Schwimmbecken wird mit Solarenergie aufgeheizt.


Wahrlich eine geile Badi mit Durchblick. Gut möglich, dass ich diesen Sommer diese Badi auch mal mit Badehosen beehren werde.

Und: Danke, liebe IG Kultur, fürs Organisieren dieser vielseitigen und interessanten Kulturreise.
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