Alien
Es ist eine neuere Version von  AlienInsideTwoday  verfügbar!  Aktualisieren  Jetzt nicht!
© 2018-2023 NeonWilderness

Dienstag, 14. August 2012

Proportionaler olympischer Ruhm

Als Mitglied einer bevölkerungsmässig kleinen Nation ärgere ich mich nach Olympiaden jeweils über den Medaillenspiegel, schneiden doch bevölkerungsreiche Länder fast automatisch besser ab: viele Menschen — viele Medaillen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Von den zehn bevölkerungsreichsten Staaten dieser Erde sind nur vier auch an der Olympiade in London in den Top Ten, während drei dieser Länder keine einzige Medaille und Indien mit 1.241 Milliarden Menschen nur gerade 6 Medaillen gewinnen konnten. Da kann die Schweiz mit 2 x Gold und 2 x Silber eigentlich ganz zufrieden sein. Doch es wäre fairer, wenn Medaillenspiegel bevölkerungsmässig gewichtet würden.

Genau das hat der Neuseeländer Craig Nevill-Manning auf seiner Internetsite www.medalspercapita.com getan:


Der Screenshot von www.medalspercapita.com zeigt die Rangliste der Olympianationen nach Bevölkerung pro Medaille sowie drei interaktive Karten (je grüner, desto mehr olympisches Metall pro Kopf).

Wenn es nach Medaillen pro Kopf der Bevölkerung geht, dann gewinnt die Karibikinsel Grenada dank Gold von Kirani James über 400 Meter (110'821 Einw./Medaille) vor Jamaika (225'485 Einw./Medaille) und Trinidad & Tobego (329,428 Einw./Medaille). Auf den Plätzen 4 bis 10 folgen Neuseeland, die Bahamas, Slowenien, die Mongolei, Ungarn, Montenegro und Dänemark. Die Schweiz, die im Tagi-Medaillenspiegel auf dem 33. Platz zu finden ist, rangiert bei den Medaillen pro Kopf noch weiter hinten an 42. Stelle.

Wie diese Grafik zeigt, haben wir an einer Sommerolympiade schon lange nicht mehr so schlecht abgeschnitten:


Zum Vergrössern auf die Grafik klicken! Sie zeigt das Abschneiden der Schweiz an den Olympiaden der Moderne: blau = Anzahl gewonnener Medaillen, rot = Bevölkerung pro Medaille, grün = Rang bei den Medaillen pro Kopf. Lesebeispiel: An der Olympiade von 1924 in Paris gewann die Schweiz 25 Medaillen, dh. eine Medaille auf 156'212 EinwohnerInnen. Damit kam die Schweiz bei den Medaillen pro Kopf auf den 2. Platz. Das war noch Zeiten! Quelle: www.medalspercapita.com

Proportional zur Bevölkerung landete die Schweiz in London auf dem viertschlechtesten Platz in der Geschichte der modernen Sommerolympiaden. Nur 1992 in Barcelona mit einer Medaille und 1908 und 1912, als es in London und Stockholm überhaupt kein olympisches Edelmetall gab, hat die Schweiz noch schlechter abgeschnitten. Das war nicht immer so: An den 27 Olympiaden schaffte es die Schweiz 11 mal in die Top Ten, an den zweiten Sommerspielen 1900 in Paris sogar auf Platz 1 von 20 rangierten Nationen. Die Tendenz allerdings zeigt abwärts: Entweder werden wir als Sportnation immer schlechter oder die anderen immer besser. Sicher ist: Es wird immer schwieriger, eine Medaille zu gewinnen.

Die "ewige" Bestenliste über 27 Sommerolympiaden zeigt bei den Medaillen pro Kopf nochmals ein leicht anderes Bild:


Auf der Rangliste auf www.medalspercapita.com/#medals-per-capita:all-time hat überraschenderweise Finnland die Nase vorn, vor Schweden und Ungarn. Von den in London 2012 erfolgreichen Ländern gehören Dänemark, die Bahamas und Jamaika auch über lange Frist zu den Top Ten. Aber schon auf Platz 11 rangiert die Schweiz, unmittelbar vor Neuseeland.

Aber auch bei anderen Vergleichskriterien auf www.medalspercapita.com ist die Schweiz langfristig eine Sportnation: 15. bei den Goldmedaillen pro Kopf, 12. bei den gewichteten Medaillen pro Kopf (Gold zählt 4x, Silber 2x, Bronze 1x). Mit total 184 mal olympischem Edelmetall und 47 mal Gold erreicht die Schweiz aber auch bevölkerungsmässig nicht gewichtet noch den guten 23. bzw. 25. Platz. Nur wenn man die 184 Olympiamedaillen der Schweiz mit dem Bruttoinlandprodukt von 635.65 Milliarden USD vergleicht, landet die Schweiz auf dem relativ schlechten 45. Rang — wirtschaftliche Grösse bedeutet nicht automatisch auch sportlicher Erfolg: Die grössten Volkswirtschaften, die USA, China und Japan, belegen in der Rangliste BIP pro Medaille nur die Ränge 69, 93 und 92. In dieser ewigen Bestenliste der armen, aber erfolgreichen Länder führt Jamaika vor Bulgarien und Ungarn.

Samstag, 11. August 2012

Der Pulverdampf hat sich verzogen

Gestern Nacht habe ich noch einen vereinsamten Erstaugustkracher gehört, aber ich glaube, jetzt hat die Schweiz ihr Feuerwerksarsenal zum Nationalfeiertag verschossen. Jahr für Jahr jagen wir 10 Millionen buchstäblich in die Luft — mehr als einen Franken pro Person. Das alljährliche Geknalle und die pyromanische Luftverschmutzung löst Diskussionen aus — im Aargau soll gar das private Abbrennen von Feuerwerk per Initiative verboten werden, weil die Knallerei eine Belastung für Mensch, Tier und Umwelt sei.

Das mag ja alles stimmen, aber schön ist es trotzdem immer wieder:



Zugegeben, die Knallerei stört mich manchmal auch, nicht am 1. August, aber an den Tagen davor und danach. Doch das Verbot privater Pyromanie am Nationalfeiertag und an Sylvester geht mir persönlich entschieden zu weit.


1. August im Garten von Frau Froggs Eltern



Noch mehr Gratisfeuerwerk — Solche Lampions sind am 1. August unabdingbar — Unser Vulkan bekam den Applaus der Nachbarn — Was von unserem Zuckerstock übrigbleibt...

Mittwoch, 1. August 2012

Oberster Chef ändert Gelübdeziel

Seit 1678 beten die Gläubigen von Fiesch im Kanton Wallis gegen das Wachstum des Grossen Aletschgletschers, der mit seinen Gletscherabbrüchen den Märjelensee zum Überlaufen und so dem Fieschertal Tod und Verwüstung brachte. Aber Gletscher sind als langfristige Institutionen nicht so leicht zu stoppen, deshalb wurde 1862 das Gelübde um eine Bitt-Prozession zur Kapelle Maria Heimsuchung im Ernerwald erweitert. Etwa gleichzeitig endete die "kleine Eiszeit" und der Aletschgletscher erreichte seinen Höchststand. Seither hat sich die Gletscherzunge um 3.5 Kilometer zurückgezogen. Mit der Klimaerwärmung hat sich der Abschmelzprozess noch beschleunigt — für die FiescherInnen höchste Zeit, über den Sinn ihrer Beterei nachzudenken.


Herbert Volken (Bild: Philippe Welti, www.alpenmagazin.org)

Der Walliser Bergführer und CVP-Politiker Herbert Volken, ein Nachfahre des Pfarrers, der das Katastrophen-Gelübde initialisiert hat, meint: "Wir haben wohl zu viel gebetet." Schliesslich war er es, der die Sache an die Hand genommen, dem Papst in Rom einen Brief geschrieben und um eine Audienz gebeten hat. Denn die Änderung eines Gelübdeziels ist in der katholischen Kirche Chefsache. Nachdem er beim Papst sein Anliegen vorbringen konnte, hat er lange nichts mehr aus Rom gehört — die römisch-katholische Kirche ist eben wie die Gletscher eine eher langfristige Institution. 2010 ist das päpstliche Placet eingetroffen.

Die Prozession findet jeweils am 31. Juli statt, ausser es wäre ein Sonntag, was letztes Jahr der Fall war. Deshalb beteten die Fiescher Gläubigen gestern erstmals mit dem Segen des obersten Chefs für das Gegenteil: für das Wachsen des Aletschgletschers und für einen vernünftigen Umgang des Menschen mit der Schöpfung.

Quellen:

Beten gegen den Klimawechsel — mit dem Segen des Papstes
ein Beitag von Herbert Eyer, gestern gehört auf Schweizer Radio DRS in der Sendung "Rendez-vous"

Glaube versetzt Gletscher
eine ausführliche Darstellung dieser Geschichte von Philippe Welti, nachzulesen im Online-Magazin www.alpenmagazin.org

Dienstag, 31. Juli 2012

Tiefseetaucher im Hochgebirge

Zugegeben, das ist etwas übertrieben: Es waren keine Tiefseetaucher, sondern Flusstaucher, es war auch nicht im Hochgebirge, sondern in einem Tessiner Bergtal, wo wir sie gesichtet haben, aber sie kamen mir vor wie Tiefseetaucher im Hochgebirge. Eine Bildergeschichte über eine Wanderung im Val Verzasca mit einem Stausee, einem schönen, aber gefährlichen Fluss und einer touristischen Ikone.

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Anreise mit dem Bus der FART von Locarno nach Mergoscia, Rückreise mit dem Postauto von Lavertezzo nach Tenero oder Locarno. Wir sind an der Haltestelle Diga ausgestiegen und über den Staudamm nach Contra zurückgewandert. Quelle der Basiskarte: map.geo.admin.ch




1 Kirchplatz und Friedhof mit traumhafter Aussicht

Schon der Ausgangspunkt der Wanderung ist ein Erlebnis: Vom Platz vor der Kirche von Mergoscia sieht man hinter den Palmen den Lago di Vogorno und den Lago Maggiore. Auch der Friedhof hinter der Kirche hat eine tolle Aussicht, die vom Pizzo di Vogorno dominiert wird. Das Val Verzasca geht nach links. Und auf dem Kirchplatz ist es keine Frage, wer in Mergoscia das Sagen hat(te).

2 Feuerlilie und Aussichtspunkt

Nach einem knapp stündigen Aufstieg durchs 200-Seelen-Dorf und eine vom Wald zurückeroberte Kulturlandschaft erreichten wir eine sumpfige Hochebene, wo ich diese wunderschöne Feuerlilie fotographierte:


Auf Wikipedia steht unter dem Titel "Ethnobotanik": "Die Feuerlilie ist unter anderem Bestandteil des sogenannten 'Sonnwendbüschels'. Dieses wird zusammen mit anderen 'Zauberkräutern' in das Johannisfeuer geworfen, um Unwetter fernzuhalten. Anderseits wird der Pflanze durch die feuerrote Farbe nachgesagt, dass sie Blitze anzieht, weshalb sie nicht ins Haus gebracht werden soll." Ja, was jetzt?


In den dichten Tessiner Wäldern sind Aussichtspunkte rar — hier der Blick zurück auf Mergoscia, das an einem Sonnenhang über dem Stausee klebt.

3 Der Fjord von Vogorno


Und noch einer der raren Ausblicke: diesmal auf den Lago di Vogorno, der sich fjordmässig durchs Tal schlängelt und sich in jedes Seitental verästelt. Der 1965 erstmals vollständig gefüllte Stausee fasst 105 Mio. Kubikmeter Wasser, also gut ein Zehntel Kubikkilometer — ich hätte mehr erwartet.

4 Corippo — die kleinste Gemeinde der Schweiz





Corippo: Seit 1975 unter Denkmalschutz — Der Blick über die Steindächer talauswärts — Frau Frogg lacht, obwohl die Osteria Wirtesonntag hat — Ein schmuckes Dörfchen, aber vom Aussterben bedroht

"Wir wünschen Dir einen schönen Aufenthalt, da wo alles so geblieben ist wie vor 150 Jahren...", heisst es auf der Website von Corippo. Alles wie vor 150 Jahren? Stimmt nicht ganz: 1850 hatte Corippo noch 294 EinwohnerInnen, 2010 waren es noch ganze 12 — ein Viertel davon sitzt im Gemeinderat der bevölkerungsmässig kleinsten Gemeinde der Schweiz. Dennoch hält Corippo tapfer an seiner 1822 errungenen Selbständigkeit fest.

Ganz stolz ist Corippo auf den Horrorfilm "La valle delle ombre" (The Valley), den Debüt-Spielfilm des Ungar-Tessiners Mihály Györik, der vor allem in Corippo verfilmt wurde. Über den Film, der 2009 am Filmfestival von Locarno auf der Piazza gezeigt wurde, schreibt art-tv.ch: "Magie und Aberglauben sind die Zutaten dieser ebenso düsteren wie beunruhigenden Geschichte." Der Film warte mit einer guten Story auf, habe aber auch Mängel. Hier der Trailer von "Tal der Schatten":








5 Schöner, aber gefährlicher Fluss

Da die Osteria in Corippo ihren wöchentlichen Schliesstag hatte, wanderten wir noch eine knappe Stunde weiter, bis wir an der Verzasca einen schönen Picknick-Platz fanden:




Die gebänderten Gesteinsformationen im Flussbett der Verzasca sind faszinierend und das klare Wasser lädt zum Bade, ist aber so kalt, dass mir die Abkühlung bis zu den Knien schon völlig reichte.

Aber dann sahen wir am gegenüberliegenden Ufer auch noch dies:


Zwei Flusstaucher in nicht wandertauglichen Outfits

Die Verzasca fordert immer wieder Opfer: Von 1990 bis 2000 verloren 35 Menschen ihr Leben — worauf die Gemeinde Lavertezzo eine Informationskampagne startete und an den gefährlichsten Stellen solche Warntafeln aufstellen liess:



Angesichts solcher Bilder kann ich aber die Faszination fürs Flusstauchen verstehen, auch wenn's gefährlich ist:


Bildquelle: www.abenteuer-tauchen.ch

Die Informationskampagne bewirkte übrigens, dass in der Verzasca die Zahl der Unfälle mit tragischem Ausgang deutlich zurückging...

6 Der Ponte dei salti — eine touristische Ikone

Hinter Lavertezzo überspannt der Ponte dei Salti in zwei eleganten Bögen die Verzasca. Die "Römische Brücke", die aus dem 17. Jahrhundert stammt, ist eine touristische Ikone, die jeden Tessin-Prospekt und jede Tourismus-Website ziert — und sogar für eines der Senderlogos des Schweizer Fernsehens SF1 Verwendung fand.


Der Ponte dei Salti — ein 1a-Schulreiseziel

7 Gelato al Grappa


Lavertezzo — das Ziel unserer Wanderung

Von der berühmten Brücke sind es nur etwa 300 Meter bis zum Ristorante della Posta, wo es für mich ein grosses Bier gab und für Frau Frogg ein Dessert, das sie "umhaute":


Eine Copa della casa mit Vanilleglacé, aufgefüllt mit Grappa und zugedeckt mit einer dicken Schicht Rosinen, die im Grappa eingelegt waren.

8 James Bond im Val Lavertezzo

Da wir mit dem Postauto nicht ganz in die Magadino-Ebene hinunterfahren wollten, stiegen wir beim Staudamm aus, wanderten über Diga di Contra zurück zu unserer Ferienwohnung.



Das Val Verzasca — auch eine Film-Location für James Bond

Der Blick vom 220 Meter hohen Staudamm lässt einen erschauern, aber nur schon der Gedanke an einen Bungee-Jump treibt einem den Angstschweiss auf die Stirn — doch nachdem auch 007 in "Goldeneye" da runtergesprungen ist, kommen Leute aus der ganzen Welt, um es ihm gleichzutun:


Youtube-Video von rahulunlimited

9 Der Bergpreis von Contra

Für den zehnminütigen Schlussaufstieg zu unserer Ferienwohnung gabs eine Kaktusblüte als Bergpreis:

Sonntag, 29. Juli 2012

Magengesteuerter Besuch in Locarno

Nachdem unsere Ferien für Frau Frogg denkbar schlecht angefangen hatten (vgl. Hungrig im Tessin und Hungrig am Swimming Pool), war klar, was wir am zweiten Tag machen würden: einen Ausflug nach Locarno, um Essensvorräte zu kaufen.

Mit leeren Rucksäcken fuhren wir nach Orselina ob Locarno, wo wir uns zuerst einmal einen anständigen Kaffee genehmigten. Unser erstes Ziel war die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso, die ob Locarno auf einem Felsen thront:



Mit viel Geschick haben die Erbauer von Madonna del Sasso die Kirche und ein Kloster auf einen Felsen gebaut. Bleibenden Eindruck hinterliess aber auch die Darstellung der finalen Konferenz dieser 13 Herren:

Das letzte Abendmahl als raumfüllende Installation — zum Vergrössern aufs Bild klicken!


Frisch renoviert wurde nicht nur der Innenraum der Wallfahrtskirche sondern auch der Kreuzweg, der auf den Sacromonte führt.

Unter am Kreuzweg angekommen, gingen wir schnurstracks auf die Piazza Grande, entlang der sich Restaurant an Restaurant reiht, denn inzwischen hatten wir einen Bärenhunger und ein währschaftes Mittagessen mehr als verdient.


High Noon: Die Sonne brannte gnadenlos und die Piazza Grande, das autofreie Zentrum von Locarno, wirkt wie ausgestorben, doch das Leben findet im Schatten statt — in den Laubengängen am Rand der Piazza und unter den Sonnenschirmen der zahlreichen Restaurants.

Frau Frogg schlug sich so den Magen voll, dass sie sich auf einer Parkbank ausruhen musste. Zu diesem Zweck gingen wir in die Gardini Arp am Lago Maggiore:



Skulpturen in den Giardini Arp: S'élévant (1962), Torse de géant (1959) — sogar die Wolken versuchten, diese Bronzeskulptur abzukupfern — und Noeud de Meudon (1958)

Der Maler, Bildhauer und Dichter Jean Arp (1886 - 1966), Mitbegründer des Cabaret Voltaire, Protagonist der Dada-Bewegung und Mitglied der Surrealisten-Gruppe, verbrachte seinen Lebensabend in Locarno und schenkte der Stadt etliche Werke. Im Gegenzug erhob die Stadt Jean und Marguerite Arp zu Ehrenbürgern und widmete Jean Arp nach dessen Tod eine Gartenanlage. In den Gardini Arp sind neun Bronze-Replika von Skulpturen des deutsch-französischen Künstlers aufgestellt.

Auf dem Rückweg sahen wir uns das Castello Visconteo an:


Von der ursprünglichen Burg, die grösstenteils aus dem 15. und 16. Jahrhundert stammt, ist noch ein Fünftel erhalten geblieben.

Und schliesslich entdeckten wir eine interessante Skulptur auf der Piazza Grande und ein eigenartiges Schaufenster, das für Kupferwaren wirbt:



Dann war es Zeit für einen Grosseinkauf — Zeit, die Rucksäcke mit Vorräten zu füllen!

Mittwoch, 25. Juli 2012

Der Wettlauf auf den Berg

Als wir den Trip auf das Jungfraujoch machten, zeigte ich meinen Gästen aus den USA das Wetterhorn und erzählte ihnen, dass der Wetterhorn-Aufzug, die erste Sektion der Luftseilbahn auf den Grindelwalder Hausberg, aus Angst vor Konkurrenz von der Jungfraubahn aufgekauft, stillgelegt und später abgebrochen worden sei — eine sehr schöne Story, aber höchstwahrscheinlich nur eine alpine Legende, die sich hartnäckig hält.


Auf der Postkarte mit dem Wetterhorn-Aufzug ist im Hintergrund die Eigernordwand und die kleine Scheidegg zu sehen. Bildquelle: www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=32&t=3168&start=25

Die Wetterhornbahn war schon mit einem grossen Rückstand in den Wettlauf auf den Berg gestartet: Bei Baubeginn 1905 hatte die Jungfraubahn schon die Station Eismeer auf 3158 m.ü.M. erreicht. Ursprünglich wollte der deutsche Ingenieur Wilhelm Feldmann eine Bahn mit vier Sektionen auf das 3701 Meter hohe Wetterhorn bauen — damit hätte er das Jungfraujoch höhenmässig übertroffen. Ausserdem war Feldmann überzeugt, dass die "stundenlange Tunnelfahrt" in der Jungfraubahn mit dem Erlebnis einer Fahrt mit seinem Bergaufzug nicht konkurrieren könne.


Der Wetterhorn-Aufzug überwand 116% Steigung, was so steil ist, dass ein Schlitz verhindern musste, dass die Kabine das Tragseil streift. Bildquelle: www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=32&t=3168&start=25

Als die erste Sektion 1908 ihren Betrieb aufnahm, begann in der touristischen Erschliessung der Berge ein neues Kapitel: Der Wetterhornaufzug war nämlich nicht nur die erste konzessionierte Luftseilbahn der Schweiz, sondern war auch in der Technik mustergültig, besass doch die Anlage alle wesentlichen Sicherheitsmerkmale heutiger Luftseilbahnen. "So waren z.B. zwei Trag- und zwei Zugseile sowie zwei unabhängige Bremssysteme vorhanden. Die Laufwerke der Kabinen waren mit Fangbremsen ausgestattet und neben einem manuellen Behelfsantrieb (bei Stromausfall) gab es auch ein Bergungssystem für den Fall einer verkeilten Kabine." (Wikipedia)


Auch wenn das Publikum nicht auf dem Dach mitfahren durfte, zeigt dieses Bild, dass der Wetterhorn-Aufzug die Bergbahn-Innovation von 2012 schon ein Jahrhundert vorwegnahm: die Fahrt auf dem Oberdeck der Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn. Bildquelle: www.griwa.com/index.php?Grindelwald_for_excellence:Grindelwald_fr%FCher

Der Wetterhorn-Aufzug, der pro Stunde und Richtung 110 Personen befördern konnte, war bei den TouristInnen sehr beliebt, denn die stützenlose Fahrt über dem oberen Grindelwaldgletscher war spektakulär. Dennoch kam die Wetterhornbahn nie in die schwarzen Zahlen. Als wegen des Ersten Weltkriegs die Gäste ausblieben, musste die Bahn ihren Betrieb nach nur sechs Jahren einstellen und nahm ihn später nicht wieder auf. Die Betriebskonzession erlosch 1927, ohne dass eine Verlängerung beantragt worden wäre, und ein Steinschlag beschädigte die Talstation so stark, dass die Bahn im Sommer 1934 abgebrochen werden musste.

Was von der ersten öffentlichen Luftseilbahn der Schweiz bleibt: die Bergstation, die wie ein Adlerhorst an den Felswänden klebt, und zwei rekonstruierte Kabinen, die im Verkehrshaus der Schweiz (mit Original-Laufwerk) und am ehemaligen Standort der Talstation neben dem Hotel Wetterhorn in Grindelwald an die seilbahntechnische Pionierleistung erinnern.


Um die Bergstation Enge (1677 m.ü.M.) vor dem Verfall zu bewahren, wurde sie saniert. Doch zuvor mussten die Mitglieder des Bergführervereins drei Tage lang Steinbock-Mist aus dem Gebäude tragen (vgl. www.jungfrauzeitung.ch). Bild von Nadia Zwahlen auf www.vimudeap.de, The Virtual Museum of Dead Places


Originalgetreu nachgebaute Kabine des Wetterhorn-Aufzugs neben dem Hotel Wetterhorn in Grindelwald. Bildquelle: www.alpinforum.com/forum/viewtopic.php?f=32&t=3168&start=25

Dass die zweite Sektion der Wetterhornbahn, obwohl sie bereits geplant war, nie gebaut wurde, hatte verschiedene Gründe: Die erste Sektion brachte zu wenig ein, um den Weiterbau finanzieren zu können, und dann machte auch noch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs der Wetterhornbahn einen dicken Strich durch die Rechnung. Dass die Talstation der zweiten Sektion nicht unmittelbar neben der Bergstation der ersten platziert werden konnte, war ein konzeptueller Fehler, der den Weiterbau erschwerte. Als schliesslich auch noch die Talstation durch Steinschlag massiv beschädigt wurde, war dies das Aus für die Bahn aufs Wetterhorn.

Fazit: Nach der ersten Etappe hatte die Wetterhornbahn den Wettlauf auf den Berg schon verloren, da musste ihre grosse Konkurrentin, die Jungfraubahn, gar nicht mehr nachhelfen — der Ruin kam von alleine. Dennoch war der Bau des Wetterhorn-Aufzugs eine bewundernswerte Pioniertat im Seilbahnbau.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Jungfraujoch — sold out!

Selbstverständlich waren wir gestern nicht die einzigen, die "Top of Europe" besuchen wollten, war doch für gestern das beste Wetter der ganzen Woche angesagt. Aber dass das Jungfraujoch ausverkauft sein würde, hätten wir dann doch nicht gedacht. Doch als wir kurz vor elf Uhr an der Talstation in Grindelwald ankamen, stand da eine Tafel: Jungfraujoch sold out! Zum Glück hatten wir unsere Tickets schon am Vortag übers Internet gekauft.

Obwohl ich schon über 50 bin, war ich noch nie auf dem Jungfraujoch, das für jeden Bergbahn- und Panoramafan ein absolutes Highlight ist. Deshalb habe ich meinem Bruder und seiner Familie, die aus den USA auf Besuch sind, den Ausflug aufs Jungfraujoch vorgeschlagen. Und obwohl der Trip ins Berner Oberland nicht ganz billig war, hat er sich voll gelohnt. Wir waren begeistert.



Schon auf der Kleinen Scheidegg (2061 m.ü.M.) gab es ein prächtiges Panorama zu bestaunen und mein Neffe entdeckte tatsächlich einige Bergsteiger in der Eigernordwand.

Das berühmte Berner Oberländer Dreigestirn: Eiger, Mönch und Jungfrau — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Von der kleinen Scheidegg überwindet die heuer 100 Jahre alte Jungfraubahn auf 9.3 Kilometern eine Höhendifferenz von 1393 Metern. Auf dem Weg nach oben hält die Zahnradbahn dreimal und jeder Halt bietet einen spektakulären Ausblick.



Da sich auch der Eigergletscher klimabedingt zurückzieht, ist die Station Eigergletscher auf (2320 m.ü.M.) nicht mehr unmittelbar
neben dem Gletscher, aber die Aussicht auf den Mönch ist dennoch eindrücklich. Ab hier verläuft der Rest der Fahrt im Tunnel.



Als ich von der Station Eigerwand (2864 m.ü.M.) aus dem Fenster aufs schweizerische Mittelland blickte, sah ich auch den Abgrund der sich unterhalb des Fensters auftut — und musste unwillkürlich an die zahlreichen Filme über die Erstbesteigung der Eigernordwand und die vielen todesmutigen Bergsteiger denken, die in dieser Wand aus Fels und Eis ihr Leben lassen mussten. Ein kalter Schauer kroch mir den Rücken hinunter.



Die Station Eismeer auf 3158 m.ü.M. befindet sich auf der Rückseite des Eigers bietet einen tollen Ausblick auf die Gletscherwelt zwischen Eiger und Schreckhorn:

Aus dieser Perspektive wirkt das Schreckhorn (links der Mitte) gar nicht so schrecklich, ist aber der bergsteigerisch anspruchsvollste Viertausender der Berner Alpen — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Auf dem Jungfraujoch (3454 m.ü.M.), der höchstgelegenen Bahnstation Europas, angekommen, tut sich schliesslich eine ganz eigene Welt auf, die von TouristInnen aus aller Welt bevölkert wird. Top of Europe ist neben der UNO-Stadt Genf wahrscheinlich die internationalste Ecke der Schweiz. Durch unterirdische Gänge erreicht man schliesslich das Sphinx-Observatorium, von wo der Rundblick überwältigend ist:


Jura, Mittelland und Mönch


Mönch und Aletschgletscher


Aletschgletscher und Jungfrau — zum Vergrössern auf die Bilder klicken!

Aber auf dem Jungfraujoch gibt es auch noch anderes zu sehen:



Freche Bergdohlen etwa oder ...



... ein Panoptikum mit der Essenz der Schweiz ...



... oder eine Höhle im Gletschereis.


Die touristischen Anlagen auf dem Jungfraujoch — vieles davon ist unterirdisch.

Und wer hungrig ist, kann sich in einem der drei Restaurants verpflegen — im Restaurant Bollywood gibt's als Konzession an die vielen Gäste aus Indien sogar indisches Essen. Fazit: Bei schönem Wetter ein faszierender Ausflug ins Hochgebirge — manchmal wird das touristische Erlebnis überinszeniert, aber das nimmt man an einem solch grossartigen Ort in Kauf.

Sonntag, 8. Juli 2012

Pool mit grandioser Aussicht

Als ich auf der Suche nach einer geeigneten und zahlbaren Ferienwohnung in der Region Locarno Frau Frogg vor die Wahl zwischen einer Wohnung direkt am Lago Maggiore und einem Pool mit grandioser Aussicht stellte, musste sie nicht lange überlegen und entschied sich für den Pool mit zugehöriger Ferienwohnung in Contra.


Der Pool mit Aussicht auf die Magadino-Ebene und ...

... den Lago Maggiore.

Als wir zwei Stunden zu früh in Contra ankamen, war der Schlüssel nicht gelegt und die Ferienwohnug noch nicht bereit, aber der zum Haus gehörende Pool war wirklich cool. Er entschädigte uns für den Ärger mit dem Schlüssel und versüsste uns die Wartezeit bis zum Bezug der Ferienwohnung, die natürlich auch eine grossartige Aussicht bot.

Das Pool-Panorama: Hinter der Hecke mündet das Val Verzasca in die Magadino-Ebene, die von zwei Grünstreifen durchzogen wird — den Ufergehölzen entlang des Ticino (hinten) und der Verzasca (vorne). Gut zu sehen ist auch das Delta der beiden Flüsse im Lago Maggiore. Das Dorf vorne am See ist Tenero mit den schweizweit bekannten Campingplätzen. Die höchsten Berge im Hintergrund: Der Camoghe (2228 m) ob Giubiasco, der Ceneri-Pass (554 m), der das Tessin in den Sopraceneri und den Sottoceneri teilt, der Monte Tamaro (1962 m) und Monte Gambarogno (1734 m) ob dem Lago Maggiore (Seespiegel auf 193 m).

Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

development