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Sonntag, 9. September 2012

Sonniges Regenflüeli

Heute hat der Spätsommer noch einmal alles gegeben: schön und angenehm warm, aber nicht zu heiss. Es wäre sünd und schad gewesen, keinen Ausflug zu machen. Frau Frogg wünschte sich einen Ausflug ins Eigenthal und eine Wanderung aufs Regenflüeli (1582 m.ü.M.) — also keine richtige Fluh, sondern nur ein Flüeli, aber die Aussicht war dennoch grossartig.

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! An- und Rückreise mit dem Postauto vom Bahnhof Luzern bis ins Eigenthal (Endstation Talboden). Der Aufstieg via Under und Ober Honegg erfolgt über einen steilen Fahrweg, der nur mit wirklich geländegängigen Fahrzeugen fahrbar ist. Der oberste Teil (4) verläuft in sumpfigem Gelände — gutes Schuhwerk ist angesagt. Der Abstieg vom Rosebode runter ins Eigenthal ist ein steiler, treppenartiger Zickzackweg, der in die Knie geht. Alternativen wären der Abstieg auf der Aufstiegsroute oder via Studberg - Hirsbode - Ober und Under Pfifferswald zurück ins Eigenthal. Quelle der Basiskarte: map.geo.admin.ch

1 Alle wollen ins Eigenthal

Zum Glück war Frau Frogg früher am Bahnhof und hat mir im Postauto einen Platz reserviert, denn bei diesem traumhaften Spätsommerwetter wollten — so schien es wenigstens — alle ins Eigenthal. Das Postauto war so voll, dass der Kurs doppelt geführt wurde. Im Eigenthal waren alle Parkplätze voll belegt. Für meinen Geschmack waren heute eindeutig zu viele Leute im Eigenthal, aber sobald unser Aufstieg begann, war der Trubel vorbei...

2 Ein Hüsli am Hüsli


Ein Vogelhaus am Stall auf der Ober Honegg

3 Mittagsrast im Chrache



Ein "Chrache" oder "Krachen" ist ein schweizerdeutsches Wort für einen abgelegenen Unort, wo nichts zu holen und nichts zu machen ist, wie der Bachlauf, an dem wir Mittagsrast machten: Voll von Felsbrocken, die mal runtergekommen sind, finden Bäume kaum Wurzelgrund, so dass sie oft schräg und verkrüppelt wachsen. Aber mit dem Moos und den Farnen wirkt dieser Chrache wie ein verwunschener Ort...

4 Der Grashüpfer auf der Silberdistel



Unterwegs gab es einiges zu entdecken, wie z.B. diesen sprungbereiten Grashüpfer auf einer Silberdistel oder diese Baumleiche am Wegrand:



5 Schuss und Gegenschuss

Das Regenflüeli ist eine dem Pilatusmassiv vorgelagerte Fluh, die eine grossartige Aussicht auf die Region Luzern bietet, die ich als Panoramabild einfach festhalten musste:

Zum Vergrössern aufs Bild klicken! Zu sehen sind von links nach rechts: Vorne der Studberg und der Hüenerhubel, hinten das Mittagsgüpfi und der Risetestock, vorne das Entlebuch, hinten der Napf und der Jura (unter den Wolken), vorne das Dorf Schwarzenberg, das Luzerner Hinterland, den Sempacher See, unter dem Kondensstreifenkreuz im Mittelgrund: Emmenbrücke mit seiner Industrie, dann Kriens mit dem Sonnenberg, dann Luzern und das Luzerner Seebecken, über der Frau mit dem weissen Hut: der Vierwaldstättersee und die Rigi, links vom Gipfelkreuz schaut der Bürgenstock über eine bewaldete Flanke, dahinter die Mythen, rechts vom Gipfelkreuz: vorne das Eigenthal, dahinter das Klimsenhorn, der Pilatus, das Tomlishorn und das Widderfeld.

Luzern habe ich etwas rangezoomt:


Luzern vom Regenflüeli um 13:22 Uhr


Das Regenflüeli von Luzern um 16.54 Uhr

6 Ein Privatheiligtum am Schopfberg



Angesichts solcher Privatheiligtümer wird mir immer wieder schlagartig bewusst, dass meine Wohnregion erzkatholisch ist und einzelne so tief gläubig sind, dass sie solche Privatheiligtümer unterhalten und pflegen.

7 Der Blick in die Tiefe


Der Blick vom Rosebode ins Eigenthal

Da wussten wir: Das wird ein steiler Abstieg — zum Glück hatten wir unsere Wanderstöcke dabei.

8 Der Herbst kündigt sich an



Die meisten Blumen sind schon verblüht und die Herbstzeitlosen zeigen, dass der Herbst im Anmarsch ist.

Nach einer wunderschönen Wanderung erwischten wir mit etwas Glück ein frühes Postauto, das uns aus dem Trubel im Eigenthal zurück nach Luzern brachte.

Samstag, 1. September 2012

Stau am Sedel

Blicken wir aus unseren Dachfenstern, bietet sich jeden Morgen und jeden Abend das gleiche Bild: Stau am Sedel. Die kurvige Strasse über den Hügel hinter dem Rotsee verbindet die Autobahnverzweigung Rotsee sowie die Autobahnausfahrt Emmen Süd mit der Stadt Luzern. Doch in der Rush hour kann das städtische Strassennetz den Verkehr nicht mehr schlucken. Der Verkehr bricht zusammen und es geht gar nichts mehr — die Amerikaner nennen das Gridlock. Mit einem Bypass wollen die Luzerner Verkehrsplaner den täglichen Verkehrskollaps verhindern. Dabei liegt das Problem an einem ganz anderen Ort.


Der Stau am Sedel, aufgenommen von meinem Dachfenster am 28. März 2012 um 17.28 Uhr. Im Hintergrund zu sehen ist die Luzerner Agglomerationsgemeinde Emmen.

Symptome des Verkehrsinfarkts

Neben den tagtäglichen Staus am Sedel sind noch andere Symptome des Verkehrsinfarkts zu beobachten:
  • Auch die Busse der städtischen Verkehrsbetriebe bleiben im Stau stecken, weil auf neuralgischen Streckenen separate Busspuren fehlen. Als Folge bricht der ganze Fahrplan zusammen, wie letzthin, als abends zwei 19er am Schlossberg im Abstand von zehn Fahrzeugen unterwegs waren — so wird aus einem Viertelstundentakt ein 28/2-Minutentakt und der öV unzuverlässig und unattraktiv.
  • Sind die grossen Adern verstopft, weichen die AutomobilistInnen auf Äderchen und Kapillaren aus — in der Hoffnung, da schneller voranzukommen. Ein gutes Beispiel ist unsere verkehrsberuhigte Quartierstrasse, die in Stosszeiten als Schleichweg dient: Bei wenig Verkehr sind die grösseren Strassen rund ums Quartier attraktiver als die Durchfahrt durch die Tempo-30-Zone, bei viel Verkehr wird das langsame Vorankommen in Kauf genommen.
Kommunizierende Röhren


In kommunizierenden Röhren ist der Pegelstand überall gleich hoch. Selbstverständlich aber haben die dickeren Röhren mehr Volumen und können so mehr Flüssigkeit aufnehmen. Bildquelle: www.physnet.uni-hamburg.de

Es sollte allmählich bekannt sein, dass der Verkehr auf Autobahnen und Strassen reagiert wie ein System von kommunizierenden Röhren: Ist in einer Röhre das Verkehrsaufkommen niedriger als in anderen, gleicht sich das rasch aus. Das gilt insbesondere auch für neue Röhren — der Pegel sinkt im Gesamtsystem. Bezogen auf den Pendlerverkehr heisst das auch, dass neu geschaffene Strassenkapazitäten dazu führen, dass PendlerInnen, die wegen der täglichen Staus auf den öV umgestiegen sind, wieder das bequemere Auto als Transportmittel wählen.

Denkfehler 1

Solange das innerstädtische Verkehrssystem der Stadt Luzern nicht mehr Verkehr aufnehmen kann, hilft es nicht, die Verkehrsachsen, die vom Umland ins Zentrum führen, auszubauen. Im Vergleich mit den kommunizierenden Röhren entspricht das innerstädtische Verkehrssystem der Querröhre, die alle anderen verbindet. Würde man eine der senkrechten Röhren verdicken oder eine zusätzliche Röhre einfügen, würde zwar der Pegelstand im Gesamtsystem sinken, aber die Querröhre bliebe so oder so voll.


Strategie 2030 im Aggloprogramm Luzern mit Autobahnen und Zubringern (gelb), Bahnsystem mit Tiefbahnhof und S-Bahn-Linien (weiss & hellgrau), Hauptstrassen mit öV und Umsteigepunkten (braun). Quelle: www.aggloprogramm.lu.ch

Das ist also die Behandlungsstrategie der Verkehrsdoktoren von Luzern: Bis 2030 wollen sie das bestehende Autobahnsystem durch einen Bypass (einer zweiten Autobahn durch den Sonnenberg) und einen Cityring mit einer Nord- und einer Südspange*) ergänzen und so den drohenden Infarkt verhindern. Es ist durchaus möglich, dass der Bypass die regionalen Hauptverkehrsachsen vom Durchgangsverkehr entlastet und so mehr Kapazität für den Ziel- und Quellverkehr schafft — aber letztlich sind die Nord- und die Südspange vor allem zusätzliche Röhren, die den Verkehrsdruck in den Quartieren erhöhen. Ohne zusätzliche Massnahmen, die dafür sorgen, dass die öV-Achsen (braun) entlastet werden, werden die städtischen Busse auch in Zukunft im Stau stecken bleiben.


Während noch weitgehend unklar ist, ob die Nordspange realisiert wird und wo sie durchführt, wird am Lochhof munter gelocht: Im Rahmen der Gesamterneuerung des Luzerner Cityrings entsteht hier mit der Autobahnausfahrt Luzern-Lochhof das erste Teilstück der Nordspange — wenn das keine Salamitaktik ist...

Denkfehler 2

Solange jedes Mobilitätsbedürfnis befriedigt und jede Einfamilienhauszone optimal an den öffentlichen und privaten Verkehr angeschlossen wird und sei sie noch so abgelegen, setzt sich die unökologische Zersiedelung unseres Landes und die Zunahme des Pendelverkehrs fort. Die suburbanisierten Zonen wuchern weiter und für jedes gelöste Verkehrsproblem wachsen wie bei der Hydra zwei nach.


Zersiedelung in Wauwil, aufgenommen aus dem Schnellzug Olten - Luzern am 25. März 2012 um 17.44 Uhr. Zu grosse Bauzonen führen zur "planlosen" Überbauung des Mittellands.

Siedlungsplanung ist Verkehrsplanung

In der Schweiz wird die Siedlungsentwicklung nicht durch die Regional- und Ortsplanung gesteuert, sondern durch die Verkehrsplanung und den Ausbau des Verkehrssystems, weil die Festlegung von Bauzonen in die Kompetenz der Gemeinden fällt, wurden vielerorts zu grosse Bauzonen ausgeschieden. Als Folge sind die Baulandreserven immens und oft verkehrsmässig schlecht erschlossen. So wird letztlich da gebaut, wo Bauland noch erschwinglich und die Fahrzeiten an den Arbeitsplatz im Zentrum noch erträglich sind. An gut erschlossenen Lagen hingegen wird oft nicht gebaut, weil Grundstücksbesitzer, die Bauland horten, nicht gezwungen werden können, ihr Land zu überbauen.

Rezepte gegen den Verkehrsinfarkt


Wieviel Platz brauchen Bus, Auto und Rad in der Stadt? Antwort gibt ein Poster des Planungsbüros der Stadt Münster, abgebildet auf www.nedhardy.com.

  • Konsequente Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs und des Veloverkehrs: Wie obiges Bild eindrücklich zeigt, braucht der öV und der Radverkehr viel weniger Platz als der motorisierte Individualverkehr.
  • Road-Pricing (oder auch Innenstadtmaut auf Wikipedia): Da Verkehrsraum im Stadtzentrum ein knappes Gut ist, sollte er nicht mehr gratis zu haben sein, sondern etwas kosten.
  • Erhöhung der Fahrkosten: Mit der Erhöhung der Benzinpreise und der Abopreise des öV, wird das Pendeln teurer und das Wohnen im Grünen weniger attraktiv.
  • Konsequente Auszonung: Bauland, das mit dem öV schlecht erschlossen ist, sollte konsequent ausgezont werden. Allenfalls könnten die an besser erschlossenen Lagen erzielten Grundstücksgewinne abgeschöpft und zur Entschädigung von Gemeinden verwendet werden, die auszonen und deshalb keine guten SteuerzahlerInnen anziehen können. So würde sich langfristig der Modal Split zugunsten des öV verbessern.
Fazit: Es gibt keine einfachen Rezepte gegen den tagtäglichen Verkehrskollaps, aber der Stau am Sedel hat auch etwas Tröstliches: Solange AutofahrerInnen regelmässig im Stau stecken bleiben, überlegen sie es sich zweimal, im Grünen zu bauen und in die Stadt zur Arbeit zu pendeln.

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*) Erst diese Woche liess die Luzerner Stadtregierung als Antwort auf die Initiative "Kein Südzubringer in die Stadt" verlauten, dass sie am Südzubringer festhält (vgl. Medienmitteilung).

Donnerstag, 30. August 2012

Monochromes Tessin

Meine neue Kamera ist auch ein Spielzeug, das mich manchmal dazu verleitet, mit den verschiedenen Funktionen zu experimentieren. Frau Frogg belächelt diesen Spieltrieb, andererseits ist sie froh über die Panoramafunktion, die meinen Panoramatick wesentlich erträglicher macht. Ganz besonders angetan bin ich von der Monochromfunktion, bei der eine ausgewählte Farbe erhalten bleibt, während alle anderen Farben des Bild in Graustufen umgewandelt werden.

In Grün-Schwarz-Weiss:


Die Magadino-Ebene während eines Gewitters und ...


... der Waldstreifen neben unserer Ferienwohnung vom Balkon.



Bilder von einem Grotto auf dem Monte Lego in Blau-, Rot- bzw. Grün-Schwarz-Weiss:



In Grün-Schwarz-Weiss:


Das Bachbett im Val Verzasca und ...


... die Aussicht vom Restaurant oberhalb von Madonna del Sasso.

Ich finde, sogar die Schönwetterbilder in der Mitte wirken irgendwie beängstigend oder zumindest verstörend — auf jeden Fall aber eröffnen sie einen neuen Blick auf die Welt.

Mittwoch, 29. August 2012

Faszinierende Migrationsgeschichten

Er schafft es immer wieder, interessante Geschichten aufzutischen und in kleine, aber feine Ausstellungen umzutopfen: Hilar Stadler, Leiter des Krienser Museums im Bellpark präsentiert mit der Ausstellung "Ankommen in CH-6010 Kriens" Migrationsgeschichten von acht EinwanderInnen aus aller Welt, die im Luzerner Vorort angekommen sind und hier ihre zweite Heimat gefunden haben. Die Ausstellung gewährt faszinierende Einblicke in fremde Welten mitten in der Schweiz und hält uns SchweizerInnen einen Spiegel vor, der zum Nachdenken anregt.

Als Einstieg präsentiert das Museum im Bellpark einige Facts zur Migration, die einem nachdenklich stimmen, z.B. dass 2010 die ausländische Wohnbevölkerung in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr um 39'200 (+ 2.2%) auf 1'837'100 Personen anstieg. Oder: Mit einem Ausländeranteil von 22.8% gehört die zu den europäischen Ländern mit höchsten Ausländeranteilen. Oder: In Kriens leben Menschen aus 107 Nationen — wenn das keine Herausforderung ist. Höchste Zeit also, sich auch mit den sozialen und kulturellen Aspekten der Migration auseinanderzusetzen.



Der Hauptteil der Ausstellung im zweiten Obergeschoss besteht aus acht Videointerviews mit MigrantInnen aus Brasilien, Indien, Iran, Kirgisien, Libanon, Sri Lanka, Somalia und Tunesien, die darüber reden, warum sie in die Schweiz gekommen sind, was sie für Erfahrungen gemacht haben und wie ihr Verhältnis zur Schweiz und zu den SchweizerInnen ist. Die acht MigrantInnen sind zwischen 1989 und 2009 in Kriens angekommen. Ihre Deutschkenntnisse sind sehr unterschiedlich — deshalb ist es z.T. recht anstrengend, ihren Erzählungen in den Videoportraits zu folgen, aber es lohnt sich, weil diese Menschen etwas zu erzählen haben. Das sind zum Teil heftige Geschichten über Folter und Flucht aus ihren Herkunftsländern, aber auch lustige Anekdoten über kulturelle Missverständnisse in der Schweiz.



Aber noch fast interessanter ist das zweite Element der Ausstellung: Die acht MigrantInnen haben Fotographien ihrer neuen Heimat gemacht. Ihr Auftrag: "Fotographieren Sie 1. einen Ort oder eine Situation in Ihrer Wohnung, 2. das Haus oder das Quartier, in dem Sie wohnen, 3. den Ort, wo Sie sich am meisten aufhalten oder wo Sie arbeiten, 4. einen der Orte, wo Sie sich mit Bekannten treffen, 5. einen Ort, den Sie Ihren Verwandten zeigen würden, einen Ort also, den man gesehen haben muss, 6. einen Ort, an dem Sie Schweizern begegnen, 7. eine Situation, die Ihnen besonders gefällt, 8. eine Situation, die Ihnen überhaupt nicht gefällt, 9. etwas, das für Sie typisch schweizerisch ist, 10. einen Ort oder einen Gegenstand, der für Sie sehr wichtig ist oder der Ihnen Kraft gibt, 11. einen Ort, wo Sie sich gerne aufhalten oder wo Sie sich wohl fühlen. 12. Wenn Sie sonst noch etwas zeigen möchten, halten Sie es mit der Fotokamera fest."



Herausgekommen sind keine fotographischen Meisterwerke, aber viele gelungene Fotos, die den Blick der MigrantInnen auf ihre neue Heimat ausgezeichnet widerspiegeln — es ist ein Blick von aussen auf Kriens, Luzern und die Schweiz. Da ist der srilankische Hausaltar, der Lieblingsladen mit den Produkten aus der ersten Heimat, da sind aber auch die aufgereihten Einkaufswägelchen im Shoppingcenter oder die Anzeige mit den Wartezeiten bis zur nächsten Bus-Abfahrt. Interessant, was den Leuten, die neu in der Schweiz sind, positiv und negativ auffällt und was ihnen wichtig genug ist, um es im Bild festzuhalten. Ankommen in CH-6010 Kriens — eine sehenswerte, sehr persönliche Ausstellung über Migration.

Die Ausstellung und das dazu gehörende Rahmenprogramm ist ein Projekt des Museums im Bellpark in Zusammenarbeit mit Studierenden der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz Luzern und dem Verein "Migration — Kriens integriert".
Zu sehen ist sie noch bis 28. April 2013, jeweils Mi bis Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr.

Ausserdem leistet das Museum im Bellpark mit dieser Ausstellung auch einen Beitrag zum Aufbau des Musée imaginaire des migrations. Das MIM ist ein Museum ohne Wände und eine Plattform für Migrationsgeschichten.

Montag, 27. August 2012

Wenn der Mond sprechen könnte...

... würde er zweifellos feststellen, dass Mitt Romney keinen graden Gedanken fassen kann — zwitschert doch der Mann, der US-Präsident werden will, folgendes: "Neil Armstrong today takes his place in the hall of heroes. The moon will miss its first son of earth." Dass der Mond je jemanden vermissen wird, auch wenn es sein erster Erdensohn ist, wage ich zu bezweifeln und warte geduldig auf die Bestätigung vom Mann im Mond.

Auch bin ich mir nicht ganz sicher, ob Neil Armstrong ein Held ist, aber wenn, dann hätte er seinen Platz in der Heldenhalle schon längst eingenommen — es sei denn, sie befände sich im Jenseits. Aber vielleicht weiss Mitt Romney mehr...

Wenn der Mond den amerikanischen Wahlkampf verfolgen würde, müsste er feststellen, dass Romney der uninformierteste Präsidentschaftskandidat aller Zeiten ist, der kein, aber wirklich kein Fettnäpfchen auslässt und sei es noch so gross:

Tagesschau vom 31.07.2012
Die Schweizer Tagesschau vom 31. Juli 2012 über Mitt Romneys Fettnäpfchen-Tour

Leider spielt es wahrscheinlich keine Rolle, wie gut Mitt Romney denken kann und in wie viele Fettnämpfchen er tritt, entscheiden wird diesen Wahlkampf die Frage, wer das amerikanische Wahlvolk mit den besseren wirtschaftlichen Rezepten überzeugen kann. Sicher aber ist: Der Mond würde Obama wählen.

Sonntag, 26. August 2012

Hügelwanderung in Etappen

In den Hügeln ob Locarno gibt es einen Wanderweg, der nennt sich "Sentiero Collina Alta" und führt mehr oder weniger an unserer Ferienwohnung vorbei — für uns ein Schlechtwetterprogramm, das wir mehrmals, dafür in Etappen absolviert haben. Und: Auf dem "oberen Hügelweg" nach Locarno gibt es einiges zu sehen!

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Einmal sind wir von Contra (A) nach Brione sopra Minusio (B), einmal nach Locarno-Monti (C) gewandert. Die Etappe von C nach D besteht zur Hauptsache aus dem Kreuzweg, der von Madonna del Sasso nach Locarno runterführt (vgl. Magengesteuerter Besuch in Locarno). Auch den Abstieg von A nach Tenero (E) haben wir mehrmals gemacht. Quelle der Karte mit Wanderroute: map.wanderland.ch. Routenbeschrieb: Tageswanderung Nr. 456 auf www.wandersite.ch.

1. Kontrastfarbener Käfer



Dieser gelbe Schwefelkäfer auf dieser blauen Kugeldistel (eine von etwa 120 Arten) war nicht zu übersehen, denn Konträrfarben sind das Gegenteil von Tarnung... Schöne Blumen wachsen überall, manchmal sogar aus Trockenmauern:



2. Trotte — Kelter — Torchio



Drei Wörter für ein und das selbe: eine Weinpresse. Ob sie noch funktioniert und ob sie noch in Gebrauch ist, weiss ich nicht, aber an der Strasse, die ins Val Resa führt, markiert sie den Beginn einer Erlebnislandschaft, die fürs Tessin typisch ist: ein schmales Strässchen, das durch eine terrassierte Landschaft mit Trockenmauern, Rustici*) und Grotti**) führt. Vom Torchio vinario aufwärts hat es noch mindestens drei Grotti, die vor allem übers Wochenende betrieben werden.

3. Pont del Sipp — Sepps Brücke



Das Prinzip Lieber oben drüber als unten durch galt auch im Tessin: Der schnellste Weg vom Val Verzasca nach Locarno führte nicht durchs Tal, sondern über die Hügel. Auch heute noch ist der obere Hügelweg Teil des Sentiero Verzasca, eine mehrtägigen Wanderroute von Sonogno nach Locarno. Der Pont del Sipp überbrückt das Bachtobel der Navegna mit einem romanischen Rundbogen an einer idyllischen Stelle, wo der Bach kaskadenartig über mehrere Wasserfälle talwärts fliesst. In früheren Zeiten verbrachte ein Bauer namens Sipp den Sommer jeweils in der Nähe der um 1750 erbauten Brücke, weshalb sie bei den Einheimischen Pont del Sipp heisst.

4. Cappella Rotta — Beten gegen die Pest


Mitten im Wald: ein Rustico neben Sepps Brücke und die Cappella Rotta

Die Wegkapelle am Weg ins Val Verzasca ist beschädigt — und wird deshalb nur noch als kaputte Kapelle bezeichnet. Sie war früher San Rocco geweiht, der zwar nie heilig gesprochen wurde, aber dennoch als "Pestheiliger" zu den 14 Nothelfern zählt. Die Cappella Rotta war während den Pestzügen ein Zufluchtsort für Pestflüchtlinge.

5. Blick aufs Maggiadelta und Locarno



Wo der Wald sich lichtet, wie hier beim Abstieg auf Brione sopra Minusio, eröffnet sich der Blick auf den Lago Maggiore und das eindrückliche Delta der Maggia. In der vorderen Ecke des Deltas ist trotz trübem Wetter Locarno, in der hinteren Ecke Ascona zu erkennen.

6. Die Post von Brione — früher und heute



Gemäss einer Tafel des itinerario storico culturale war in diesem Gebäude einmal die Postablage von Brione — heute ist hier nicht einmal mehr die Bar Posta. Auch wenn die vielen Leute auf dem historischen Bild für den Fotografen posieren — heute ist in Brione deutlich weniger los: Als wir am Mittag eine offene Beiz suchten, hatten von drei Beizen drei zu, auch die Osteria da Johnny. Wohl oder übel nahmen wir den Bus zurück nach Contra und kochten selber...

7. Aufgemotzte Rustici



Am oberen Hügelweg trifft man immer wieder auf aufgemotzte Rustici, die als Ferienhäuser genutzt werden. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber manchmal wird man den Verdacht nicht los, dass an Stelle von rustikalen Steinhäusern Neubauten hingestellt wurden. All zu lange betrieb der Kanton Tessin bezüglich Rustici eine Laisser-faire-Politik. Jetzt aber sei der Umgang mit den Rustici streng reglementiert, war im Umfeld der Abstimmung über die Zweitwohnungsinitiative aus dem Tessin zu vernehmen, deshalb sei es nicht notwendig, dass Rustici als Zweitwohnung gezählt würden. Aber, bitte sehr, als was denn sonst? Als Erstwohnungen, als Ziegenställe oder als ehemalige Ruinen oder was?

8. Suchbild



Wo ist die Seilbahn, die von Orselina auf die Cardada fährt?

9. Bauboom an Locarnos Goldhügel



Während die einen ihr Ferienhaus im Juni leer stehen lassen und ihre Nachbarn ihr Ferienhaus gar veräussern wollen, ...



... wird an in Locarno-Monti und Orselina gebaut, was das Zeug hält, als ob die letzten Baugrundstücke am Goldhügel nur noch diesen Sommer überbaut werden könnten. Zu vermuten ist, dass dieser Bauboom auch eine Folge der Annahme der Zweitwohnungsinitiative ist. Zur Diskussion über die Folgen und die Umsetzung dieser in den Tourismusgebieten sehr ungeliebten Initiative habe ich auf DRS 4 aktuell ein ausgezeichnetes radiophones Dossier gefunden.

C. Auch am Etappenziel...

waren die ersten drei Restaurants zu und erst das vierte hatte offen:







Dafür war die Aussicht auf den Lago Maggiore, Locarno und Madonna del Sasso grandios und die Lachsforelle schmeckte ausgezeichnet.

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*) Ein Rustico ist ein rustikales Tessiner Steinhaus. Rustici wurden früher meist ausserhalb von Dörfern auf Waldlichtungen, Maiensässen und Alpweiden als temporäre Wohnhäuser, Ställe und Heuschober gebaut und genutzt. Heute sind die oft nur zu Fuss oder mit dem Helikopter erreichbaren Rustici entweder zu Ferienhäuschen umgenutzt worden — meist am Rande der Legalität — oder sie zerfallen allmählich zu Ruinen.

**) Ein Grotto ist die Tessiner Version einer Gartenbeiz oder eines Schanigartens. Grotti sind oft nur im Sommer betriebene rustikale Beizen mit grosser Outdoor-Bewirtung, typischerweise im Wald gelegen und mit Granittischen ausgestattet.

Dienstag, 21. August 2012

Freie Republik Gersau

"Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Ein kleines Dorf widerspenstiger Gallier leistet immer noch erbitterten Widerstand...", so beginnt jeder Asterix-und-Obelix-Band. Und so könnte auch die Geschichte der Freien Republik Gersau beginnen — ein Besuch im ehemals kleinsten Freistaat der Welt.

Zu Besuch bei einer Freundin, die seit kurzem in der freien Republik Gersau lebt, fuhren wir vorgestern ausgerechnet mit Motorschiff Europa. An einem so traumhaft schönen Tag waren wir selbstverständlich nicht die einzigen an Bord von MS Europa...

1. Historisches Unikum

Gemäss Wikipedia war Gersau seit 1332 als selbständige Einheit Teil der Waldstätten, der Urschweiz also. 1390 kaufte es sich von Habsburg los und erlangte 1433 die Reichsunmittelbarkeit durch Kaiser Sigismund. Seither war die knapp 24 km² grosse reichsfreie Republik ein Zugewandter Ort der Eidgenossenschaft — und als kleinster Freistaat der Welt ein historisches Unikum. 1798 wurde Gersau der Helvetischen Republik zugeteilt. Nach dem Zusammenbruch der Helvetik war Gersau noch für einige Jahre selbständig. 1817 war jedoch fertig lustig: Die Tagsatzung, die Versammlung der Abgeordneten aus den Kantonen, beschloss, Gersau gegen seinen Willen dem Kanton Schwyz anzufügen. Noch heute bildet die Gemeinde Gersau einen eigenen Bezirk.


Die Karte von sidonius auf commons.wikimedia.org zeigt die Struktur der Eidgenossenschaft nach der Eroberung des Aargaus (1416): grün und grünlich die Achtörtige Eidgenossenschaft, braun und bräunlich die Zugewandten Orte und ihre Untertanengebiete. Der kleine braune Fleck am Vierwaldstättersee ist die "altfrye Republik" Gersau, die unter der Schirmherrschaft von Luzern, Uri, Schwyz und Unterwalden stand. Zum Vergrössern auf die Karte klicken!

2. Seidenspinnerei und Tourismus

Gersau ist bekannt für seine Seidenspinnerei, deren Wurzeln bis 1730 zurückreichen. Josef Augustin Reding aus Schwyz, der Begründer der Gersauer Seidenindustrie, erhielt in der freien Republik Gersau die notwendigen Bewilligungen, die ihm die Schwyzer Behörden verweigert hatten. 1846/47 begann mit dem Bau einer ersten Fabrik die Industrialisierung der Gersauer Seidenspinnerei. Zwei weitere folgten 1859 - 61. Damals wie heute liefert der Dorfbach die notwendige Energie.

Umgenutzte Seidenspinnereien und darbende Hotels

Mit der aufkommenden Dampfschifffahrt (ab 1860) wurde Gersau zu einer Touristendestination — das milde Klima am Südabhang der Rigi sorgt dafür, dass in Gersau Edelkastanien und Palmen wachsen. Klimatisch fühlt man sich ans Tessin erinnert, allerdings ist es wohl eher Zufall, dass das Gersauer Wappen genau gleich aussieht wie dasjenige des Kantons Tessin. Dass die touristische Infrastruktur an der "Riviera" des Vierwaldstättersees trotz mediterranem Klima mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, ist angesichts geschlossener Hotels und Restaurants nicht zu übersehen. Gemäss einem Artikel in der Zeitschrift Heimatschutz/Patrimoine 1-2011 mit dem Titel Gersau und Brunnen SZ — Wohnen und Tourismus in Konkurrenz ist die Zahl der Übernachtungen in Gersau zwischen 1995 und 2007 um satte 45'000 pro Jahr zurückgegangen. Wenn pro Tag 125 Gäste fehlen, ist das mit einer Strategie, die notgedrungen auf Tagestourismus setzt, nicht zu kompensieren.

3. Dubiose Wolke am Stanserhorn

Es war so heiss, dass wir uns zu einem Bad im Vierwaldstättersee entschlossen, nicht in der Badi, sondern am Gersauer Flanierquai:



Die Einheimischen, die von der Quaimauer direkt ins kühle Nass sprangen, meinten zur Wassertemperatur: "Das isch ja wie-n-es heisses Kafi!" — zuvor hatten sie noch in einem Bergsee gebadet, der wahrscheinlich richtig kalt war. Wir hingegen empfanden die geschätzten 22 Grad als angenehme Abkühlung.

Dann machte uns unsere Gastgeberin auf eine dubiose Wolke am Stanserhorn aufmerksam:



Es könne keine Wolke sein, meinte sie, denn sie bewege sich nicht vom Fleck. Und tatsächlich: 18fach gezoomt und elektronisch vergrössert, entpuppte sich das Wölkchen am Stanserhorn als Seilbahnmasten...

4. Standesgemässe Rückfahrt

Aus dem widerspenstigen gallischen Dorf an der Rigi fuhren wir standesgemäss zurück nach Luzern — mit dem schnellsten Raddampfer der Vierwaldstätterseedampferflotte, der "Gallia":


Der Blick zurück auf die freie Republik Gersau


Dampfschiff Gallia am Europaplatz in Luzern

Freitag, 17. August 2012

9 x Magadino-Ebene

Unsere Ferien im Tessin fanden zu einem grossen Teil auch in Balkonien statt, was bei der Traumaussicht auf die Magadino-Ebene und den Lago Maggiore kaum verwundert. Waren wir nicht am Wandern oder auf einem Ausflug, verbrachten wir den Tag auf dem Balkon oder am Pool. Dabei gab es immer wieder was zu sehen: Flugzeuge und Helikopter, die auf dem Flugplatz landeten, Züge und Autos, die ameisenhaft herumwuselten, und vor allem das Wetter, das das gleiche Panorama immer wieder in neuem Licht erscheinen liess.

Magadinoebene am 19. Juni 2012 um 7:22 Uhr. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Magadinoebene am 23. Juni 2012 um 8:02 Uhr. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Magadinoebene am 23. Juni 2012 um 8:52 Uhr. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Magadinoebene am 23. Juni 2012 um 18:54 Uhr. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Magadinoebene am 23. Juni 2012 um 21:24 Uhr. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Magadinoebene am 25. Juni 2012 um 20:45 Uhr. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Magadinoebene am 26. Juni 2012 um 9:01 Uhr. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Magadinoebene am 4. Juli 2012 um 17:28 Uhr. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Und nachts sah es nochmals ganz anders aus:

Magadinoebene am 18. Juni 2012 um 22:44 Uhr. Bei diesem Bild handelt es sich nicht um den genau gleichen Ausschnitt. Zum Vergrössern aufs Bild klicken!

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